Drei Wochen Iran-Krieg: Trumps größtes Problem

Gastkommentar von Michael Thoma

Der Iran-Krieg offenbart drei Wochen nach Beginn eine strategische Sackgasse für die USA. Der geplante schnelle Regimewechsel – nach venezolanischem Muster – blieb aus; der Iran kann seine Angriffe intensivieren und kontrolliert zunehmend die Straße von Hormus. Washington steht vor einer schwierigen Wahl: Ein Abbruch des Krieges käme einer strategischen Niederlage gleich und würde den US-Einfluss in der Region nahezu eliminieren. Eine Fortsetzung hingegen birgt hohe Risiken.

Ein Krieg, der nicht nach Drehbuch verläuft

Mehr als drei Wochen sind seit dem Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran vergangen. Im Jahr 2003 hatten die Amerikaner genau so viel Zeit benötigt, um die irakische Armee zu zerschlagen und Bagdad einzunehmen. Doch für die USA verläuft diesmal alles andere als ein schneller Siegeszug.

Bereits jetzt ist klar, dass sie ursprünglich auf eine Wiederholung des venezolanischen Szenarios setzten, bei dem die Festnahme von Maduro zu einer abrupten Neuausrichtung der Politik des Landes in die von Washington vorgegebene Richtung führte. Offenbar wollte man in Teheran nach dem gleichen Muster vorgehen – die Führung des Iran töten, in der Erwartung, dass deren Nachfolger dann auf einen „Deal“ mit den Amerikanern eingehen würden.

Doch so ist es nicht gekommen. Der Krieg dauert bereits beträchtlich an, doch dem Iran gehen – trotz der Siegesmeldungen der Amerikaner und Israelis – bisher weder Raketen noch Drohnen aus. Und nach einigen Berechnungen verstärken die Iraner sogar die Intensität ihrer Angriffe, unter anderem auf Öl- und Gaseinrichtungen in den Golfstaaten. Dies hat zusammen mit der Blockade der Straße von Hormus zu einem drastischen Anstieg der Ölpreise geführt. Gleichzeitig kann der Iran sein eigenes Öl ungestört verkaufen und erzielt höhere Einnahmen durch die gestiegenen Exportpreise. Hinzu kommt, dass er von anderen Ländern Gebühren für die Passage von Schiffen durch die Meerenge verlangt.

Zum Symbol für die schwierige Lage der USA sind die Bestrebungen geworden, die Sanktionen gegen iranisches Öl aufzuheben, um die Preise auf dem Weltmarkt zu senken – und das, obwohl dies zu einer weiteren erheblichen Stärkung der militärisch-wirtschaftlichen Position des Iran führen würde.

Immer wieder wird die Frage nach einer Bodenoffensive der USA aufgeworfen. Doch über nennenswerte Bodentruppen verfügen die Amerikaner in der Region praktisch nicht – und das ist ein entscheidender Unterschied zu den Jahren 1991 und 2003. Selbst die Flotte wurde in beträchtlicher Entfernung von der Küste positioniert, um die Verluste gering zu halten. In den Medien ist von 5.000 Marines die Rede, die sich auf dem Weg in den Nahen Osten befinden. Es wird vermutet, dass sie versuchen könnten, die Insel Chark einzunehmen, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.

Doch erstens wäre das keineswegs einfach. Zweitens ist unter den gegenwärtigen Umständen alles andere als sicher, dass der Iran danach zu Zugeständnissen bereit wäre. Und drittens würden mit Sicherheit die Öl‑ und Gasanlagen der gesamten Region zum Ziel – und die Ölpreise würden in den Himmel schießen. Genau davor aber scheint man in Washington, wie an der Reaktion zu erkennen ist, doch zurückzuschrecken. Zudem wäre die Straße von Hormus durch die Einnahme von Chark keineswegs freigemacht.

Um den Iran mit Bodentruppen zu zerschlagen, wären Hunderttausende Soldaten nötig – und über solche Kräfte verfügt Amerika derzeit bei Weitem nicht.

Zwischen Niederlage und weiterer Eskalation

KI-generiertes Bild, Donald Trump, dahinter Bombeneinschläge im Iran, Quelle: ChatGPT.
KI-generiertes Bild, Donald Trump,
dahinter Bombeneinschläge im Iran,
Quelle: ChatGPT.

In dieser Lage haben die USA die Wahl zwischen zwei Wegen, und beide sind äußerst schwierig.

Der erste wäre, den Krieg jetzt sofort zu beenden und den eigenen „Sieg“ zu verkünden – eine Option, die einige Berater Trump nahelegen. Auch die jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten über die Möglichkeit, „die Operation zu beenden, weil fast alle Ziele bereits erreicht seien“, deuten eher auf ein solches Szenario hin.

Doch in der Praxis würde dies bedeuten, einen absoluten Sieg des Iran zu zementieren, denn genau dieser hat im bisherigen Verlauf des Krieges die Kontrolle über die Straße von Hormus erlangt, und die Amerikaner konnten nichts dagegen tun. Selbst wenn Trump den Krieg jetzt beenden und den „Sieg“ ausrufen würde, hieße das nicht, dass der Iran die Meerenge freigibt. Er würde sie unter seiner Kontrolle behalten.

Und wenn Trump sagt, die USA hätten kein Interesse an der Straße von Hormus, da sie sie nicht nutzten, und daher müssten sich andere Länder um ihre Öffnung kümmern, die über sie ihr Öl bezögen, so rät er diesen „anderen Ländern“ im Grunde, mit Teheran über die Bedingungen für die Freigabe zu verhandeln. Denn es ist kaum vorstellbar, dass etwa die Europäer – mit einer weitaus schwächeren Flotte als die USA – nach einem Kriegsende und einem „sich die Hände in Unschuld waschenden“ Amerika ihrerseits militärisch gegen den Iran vorgehen würden. Ganz zu schweigen von Indien, China und anderen nichtwestlichen Staaten.

Sie alle würden nicht kämpfen, sondern mit Teheran verhandeln. Genau wie die Öl‑ und Gasmonarchien am Golf, die ihren Export wieder aufnehmen müssen. Und wenn dafür „Fragen mit Teheran zu klären“ wären, dann würden sie diese eben klären.

Somit wäre der amerikanische Einfluss in einer der wichtigsten Regionen nahezu vollständig auf null reduziert – obwohl das Ziel der Amerikaner im Krieg genau das Gegenteil war: die Öl‑ und Gasfelder des Iran unter ihre Kontrolle zu bringen.

Das heißt: Würde der Krieg auf der gegenwärtigen Stufe beendet, wäre dies eine strategische Niederlage für die USA – und zwar in einem Ausmaß, das größer wäre als in Vietnam oder Afghanistan.

Daher schenken viele Beobachter der Rhetorik Trumps von einem „Abschluss der Operation“ auch keinen Glauben. Zumal der US-Präsident zugleich erklärt, er habe nicht vor, die Kampfhandlungen einzustellen.

Für Trump bedeutet das den zweiten Weg: den Krieg auf die eine oder andere Weise fortzusetzen, um eine faktische Kapitulation Teherans zu erreichen – das Land weiter zu bombardieren, seine Führung zu töten, im Land einen Aufstand oder einen Umsturz innerhalb der Eliten zu provozieren, zu versuchen, die Insel Chark einzunehmen oder eine andere punktuelle Bodenoperation durchzuführen, und schließlich die Nachbarn des Iran zum Eintritt in den Krieg zu bewegen.

Trotz der in der Presse vorherrschenden Skepsis gegenüber den Erfolgsaussichten der USA im Falle einer Fortsetzung des Krieges ist eine solche Möglichkeit nicht gänzlich auszuschließen. Das militärische Potenzial Amerikas darf nicht unterschätzt werden. Allerdings birgt dieser Weg für die USA auch sehr viele Risiken, die alle Pläne durchkreuzen könnten.

Das größte davon ist das Risiko von Verlusten. Der Krieg ist in den USA äußerst unpopulär, und bereits geringe Verluste könnten im Innern einen politischen Tsunami und eine massive innere Destabilisierung auslösen.

Das zweite Risiko sind die wirtschaftlichen Folgen einer Verzögerung des Krieges für die USA. Zum einen steigen die Preise und die Inflation wird angeheizt. Zum anderen wachsen die Staatsausgaben, was die Probleme mit dem Haushalt und der Staatsverschuldung drastisch verschärft. Zwar profitieren die USA selbst in vielerlei Hinsicht ebenfalls von steigenden Öl‑ und Gaspreisen. Doch dieser Vorteil mag die oben beschriebenen Probleme nicht aufwiegen und könnte zu schwerwiegenden Konsequenzen führen.

Das dritte Risiko ist die Unterstützung für den Iran durch äußere Kräfte. Allen voran durch China. Eine solche Unterstützung würde dem Iran strategische Resilienz verleihen und die Erfolgsaussichten der amerikanischen Militärpläne schlagartig verringern.

Direkte Belege für eine solche Unterstützung gibt es zwar noch nicht. Doch es liegen bereits zahlreiche indizien dafür vor, dass sie geleistet wird. Medien berichten, dass China und Russland mit Geheimdienstinformationen helfen. Immer wieder tauchen Informationen auf, dass die Chinesen möglicherweise auch Waffen liefern – auch wenn dafür noch keine Beweise vorgelegt wurden. Im Grunde genommen wird dem Iran auch von der europäischen Presse Unterstützung zuteil, die mit kritischen Artikeln gegen Washington gefüllt ist.

Der Iran-Krieg als Prüfung für die globale Strategie der USA

Es ist weit verbreitet, die Meinung, dass „Israel die USA in den Krieg mit dem Iran hineingezogen habe“. Doch das vereinfacht die Situation stark und verschleiert die eigentlichen Motive der Amerikaner für ihre Teilnahme an dem Krieg. Und diese sind keineswegs die Hilfe für Israel.

Der Krieg im Iran ist ein zentrales Element bei der Umsetzung der Strategie Washingtons zur Bewahrung seiner globalen Vormachtstellung – durch die Ersetzung des Völkerrechts durch das Recht des Stärkeren und durch die Kontrolle über die wichtigsten Energieressourcen, um über diesen Hebel den eigenen Hauptkonkurrenten – China und Europa – Bedingungen diktieren zu können.

Natürlich ist ein Erfolg Washingtons auf diesem Weg weder China noch Europa und schon gar nicht Russland willkommen. Darüber hinaus stößt diese geopolitische Linie auch auf eine sehr starke innenpolitische Opposition in den USA selbst. Im Grunde genommen wird diese Linie außer von den Neokonservativen – einem Teil des republikanischen Establishments, der mit dem Rüstungskonzernen und der Öl‑ und Gasindustrie verbunden ist – von niemandem unterstützt.

Und so gibt es sowohl in der Welt als auch innerhalb der USA sehr viele Kräfte, die keinen Sieg Trumps wollen. Und an verlässlichen Verbündeten hat er allenfalls Israel.

Das aber ist ein strategisches Problem für das Weiße Haus – die Zahl derer, die daran interessiert sind, seinen neuen geopolitischen Kurs mit Hilfe des Krieges im Iran zu „durchkreuzen“, ist allzu groß.