Deutsch-schweizerischer Fluglärm-Streit: Konstanzer Kreis-AfD setzt auf pragmatischen Interessensausgleich der Anwohner!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Zürich will Flugrouten ändern – jetzt wenden sich die Landräte an die Bundesregierung“ (aus: SÜDKURIER vom 06.03.2026)

Wer im Einzugsbereich von Flughäfen wohnt, der kennt das Problem. Die Lärmbelästigung der startenden und landenden Maschinen kann im Zweifel sogar zu gesundheitlichen Schäden führen. Umso größer ist die Frustration von Anwohnern, wenn es sogar jenseits der Landesgrenze zu solch einer Störung des Alltags kommt. Zweifelsohne, Südbaden profitiert vom Airport in Zürich-Kloten. Nicht nur die Urlauber aus der Region, die sich in die Ferne aufmachen, sind dankbar, ein so großes Angebot nahezu sämtlicher Destinationen direkt vor Ort zu haben. Was des einen Freud scheint, mag des anderen Leid sein. Seit Jahrzehnten hat sich ein bilateraler Streit immer weiter zugespitzt. Die Proteste am Hochrhein lassen nicht nach, auf deutscher Seite zeigt man sich regelmäßig empört, weil man angeblich zu wenig eingebunden wird in die Entscheidungen der Eidgenossenschaft. Es ist zu einem Mantra geworden, jegliche Annäherung an Bern zu verweigern. 

Nach Dekaden des Streits muss endlich eine einvernehmliche Lösung gefunden werden!

Die Spannungen belasten das Verhältnis der Nachbarn von Schaffhausen bis Lörrach, von Basel bis Singen. Doch wie substanziell sind die Vorwürfe tatsächlich, dass die Schweiz die Interessen der deutschen Bevölkerung zu wenig ernst nimmt? Immer wieder gab es eine ausgestreckte Hand, doch nicht zuletzt Initiativen und Vereinigungen auf hiesiger Seite schlugen sie aus. Dabei muss man die Frage stellen, ob nicht manch eine Aufregung gespielt ist, man auf Zuspitzung und Eskalation um jeden Preis setzt. Den Landkreis Konstanz überqueren Flugzeuge in etwa drei Kilometern Höhe. Rhein physikalisch ist es unwahrscheinlich, dass es hierbei zu einem Aufbrausen kommt, unter dem die Gehörgänge leiden. Erweist man sich vielleicht deshalb als besonders empfindlich, weil es offene Rechnungen gibt? Nicht überall sind die Einkaufstouristen aus dem Thurgau willkommen, auch wenn sie viel Geld in die Kassen der ansässigen Läden spülen.

Die schlichte Realität lautet, dass Fliegen ohne Lärm auch künftig nicht möglich sein wird…

Sie verstopfen Straßen und Einkaufszentren, belegen Parkhäuser und strapazieren die Infrastruktur. Bisweilen führen sie sich auf wie Könige statt Gäste, da kann durchaus Argwohn entstehen. Handelt es sich also um eine Retourkutsche, wenn zum wiederholten Mal eine Änderung des Betriebsreglements am Züricher Flughafen auf Widerstand deutscher Kommunen stößt? Der Konstanzer Kreistag wird am 16. März 2026 erneut über das Thema debattieren. Die AfD kündigte an, eine Beschlussvorlage zurückzuweisen, die auf vollständige Ablehnung der Schweizer Entwürfe setzt. Nicht etwa, weil sie sich gegen die eigenen Bürger stellt, sondern plausible Fragen in den Raum wirft. Es sollte mehr konstruktiven Austausch statt ständige Blockade geben, betont der Fraktionsvorsitzende Michael Stauch, der sich damit seinen Kollegen aus Waldshut anschloss. Lösungen sollten das Ziel sein, nicht etwa das Mauern. Diplomatie ist auch im Kleinen der häufig gangbare Weg, um irgendwann Meinungsverschiedenheiten und Streit zu beenden.

Auch Südbadens Bürger profitieren massiv von der Infrastruktur in Zürich-Kloten…

Er verweist darauf, dass die hauptsächliche Last eidgenössische Gemeinden wie Schwanendingen oder Bassersdorf tragen, die in 450 Meter Höhe überflogen werden. Dass es zu einer Entflechtung der Flugrouten kommen soll, wird beiderseitig begrüßt. Doch bereits dann ist der gemeinsame Nenner abgefrühstückt. Statt aufeinander zuzugehen, bietet die Bundesrepublik wenige Gegenvorschläge. Die Alternative für Deutschland legt sie unterdessen auf den Tisch. Technische Maßnahmen wie das kontinuierliche Flugtechnik-Verfahren CDO, also ein gleichmäßiger Sinkflug, könnte den Lärm reduzieren, Treibstoff sparen und mehr Sicherheit bringen. Es brauche mehr Ehrlichkeit statt Ideologie, Vernunft anstelle von Starrsinn. Immerhin ist man angewiesen auf einen funktionierenden Verkehrsknotenpunkt, dessen ökonomischer Mehrwert oftmals verkannt wird. Das Kriegsbeil begraben, einen Ausgleich der Bedürfnisse schaffen, hierauf muss das Augenmerk liegen.