„Denn es wird eine Zeit kommen…“: Gott, die Kirche und eine Prognose von Timotheus, die kaum passender hätte sein können…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Bilanz für 2025: Kirchen verlieren 1,2 Millionen Mitglieder in nur einem Jahr“ (aus: WELT vom 16.03.2026)

Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Hiob sprach aus, was Realität geworden ist. Nun sind sie also weg, wiederum eine Million Schäfchen, die die Kirche im letzten Jahr verlassen haben. Ein Trend setzt sich fort, der niemanden überraschen darf. Denn das Bodenpersonal Gottes ist in Teilen längst auf Abwege geraten. Die Mode hat den Klerus verführt, der Reiz des Gleichtuns verleitet ein erneutes Mal in der Geschichte zur Unterwerfung gegenüber vermeintlichem Fortschritt. Der Dünkel des Zeitgeistes hat Raum genommen, obwohl doch eigentlich schon der Römerbrief besagt: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, damit euer ganzes Denken neu ausgerichtet wird“. Wie oft hat man sich dem Regiment der politisch Mächtigen hingegeben, heutzutage sind es Nichtregierungsorganisationen, welchen man nachläuft, Götzen ernennt, Aktivisten predigen lässt, über die Heilige Schrift als Grundlage des Glaubens hinwegtäuscht. Der 1. Johannesbrief betont: „Die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens ist nicht vom Vater“. Geblieben ist nur Schall und Rauch.

Die Kirche von heute ist vielfach zur sonntäglichen Propagandaveranstaltung verkommen…

Und wahrhaftig ist der Sinn des Evangeliums abhandengekommen, die Tiefe verloren gegangen, oberflächliche Werte und mindesthaltbare Tugenden dominieren das Sein des Täuflings im Hier und Jetzt. Man agitiert und hetzt, bevormundet und maßregelt, mischt sich in die persönliche Willensbildung ein, will diktieren, was das Gewissen zu sagen hat. „Rechtsextreme Parteien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen daher kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar“, so erklärt es die Deutsche Bischofskonferenz. Plötzlich ist man aus der Rolle des Brückenbauers zum Henker gewechselt. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ so sagt es Matthäus. „Wir ziehen daraus die gemeinsame Konsequenz, vor der Wahl rechtsextremer Parteien einschließlich der AfD zu warnen, weil sie Minderheiten ausgrenzen und die Demokratie gefährden“, lautet die Hybris der EKD. Ob sie sich jemals mit der Programmatik der Alternative für Deutschland auseinandergesetzt hat? So oft wollte man auf der richtigen Seite der Historie stehen, was daraus geworden ist, zeigte man im Nationalsozialismus.

Da wird über alles und jeden gepredigt, nur nicht über die biblische Wahrhaftigkeit…

„Ein ‚Weiter so‘ geht nicht“, attestieren die Häretiker des 21. Jahrhunderts mit Blick auf das Klima. Schon der Papst forderte eine „ökologische Umkehr“. Man möge trefflich darüber streiten, was es mit Verantwortung vor der Evolution zu tun hat, wenn man Wälder rodet, riesige Fundamente in den Boden haut, um Windräder zu errichten, ganze Flächen zu schwarzen Wüsten werden lässt, weil Solarparks prosperieren, seltene Erden entnommen werden müssen, damit das E-Auto zu seinem Antrieb kommt. Ein anderes Thema greift der sogenannte „Synodale Weg“ auf: „Trans- und intergeschlechtliche Personen sind Teil Gottes guter Schöpfung und haben teil an der unantastbaren Würde des gottesebenbildlich geschaffenen Menschen“. Gänzlich vergessen hat man offenbar, dass er uns zu Mann und Frau schuf, von Beginn an, nicht etwa als Vorschlag, den man zur Disposition stellen kann, sondern als Wirklichkeit, in den allermeisten Fällen mit der Geburt, ohne Zweifel und in einer biologisch unbestechlichen Klarheit. Die gegebene Ordnung ist keine Verhandlungsmasse, sondern sie besticht deshalb durch ihre Eindeutigkeit, weil wir Orientierung brauchen.

Statt Orientierung spendet der Pfarrer Beliebigkeit bei Schöpfung und Geschlecht…

Sobald Willkür das Ruder übernimmt, jeder nach eigener Façon Kapitel und Verse interpretiert, ist der Sündenfall eingetreten. Im 2. Timotheusbrief heißt es: „Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, die ihnen nach dem Ohr kitzeln; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zuwenden“. Offenbar wurde dieser Moment erreicht, vielleicht hat die Offenbarung begonnen, denn die Geduld Gottes dürfte aufgebraucht sein, mit all der Gier nach Wankelmut und Individualität. „Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, […] die heimlich verderbliche Irrlehren einführen werden“, warnte bereits 2. Petrus. Mittlerweile scheinen die schwarzen Schafe in der Überzahl zu sein. Kein Wunder, dass die restliche Herde Reißaus nimmt. Denn Verleitung und Sirenengesang gibt es heutzutage an jeder Ecke. Leuchttürme und Anker sind hingegen selten geworden, Fels in der Brandung wollte man nach dem Pfingstsonntag sein. Geblieben ist eine Institution, die sich um das Paradies 2.0 duelliert.

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