Shitstorm wegen einer vielsagenden Typografie: Grünen-Kandidatin Stemmler und das fragwürdige Aufhübschen ihres Wahlplakates…   

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD-Shitstorm: Grüne kämpft gegen Anfeindungen nach Plakat-Schmierereien“ (aus: „T-Online“ vom 13.02.2026)

In Wahlkampfzeiten ist es zu einer Art Trend und Leidenschaft geworden, aufgehängte Plakate der Konkurrenz zu sabotieren, zu beschmutzen oder zu zerstören. Abgesehen davon, dass sich nur wenige Menschen in ihrer letztlichen Entscheidung an der Stimmurne von einem alleinigen Konterfei werden beeindrucken lassen, mutiert diese regelmäßige Spielwiese der Bilder und Parolen an Straßenlaternen oder Litfaßsäulen zum Brennglas der gesellschaftlichen Spaltung. Da toben sich jene aus, die noch nie etwas von Respekt, Chancengerechtigkeit und Fairness gehört haben. Dümmlich und plump ist es, wenn man nichts mehr im Petto hat als Schmierereien, die als Hetze und Demagogie daherkommen, beispielsweise auch in Aschaffenburg. Stadtratskandidatin Sinja Stemmler macht sich derzeit in den sozialen Medien einen Namen, war ursprünglich ihr Aushang mit den Buchstaben „AfD“ und einer Krone versehen worden. Als Reaktion darauf zeichnete sie den Schriftzug nach, ergänzte mit den Worten „findet sie scheiße“. Das hierbei entstandene „f“ soll für den außenstehenden Beobachter demnach wie ein Hakenkreuz wirken.

Sie wollte eigentlich ihre Gegner bloßstellen: Da ist der Schuss nach hinten losgegangen…

Nicht zuletzt deshalb wird die Angelegenheit auf Plattformen wie X massenhaft geteilt. Der Tenor ist deutlich: Die Grünen scheinen mittlerweile derart ohne Belang, dass sie sich an der nachträglichen Ausgestaltung ihrer eigenen Werbung beteiligen. Man merkt, die Stimmung ist aufgeheizt. Die Presse bringt sich ein, das linkslastige „T-Online“ springt an die Seite der 20-Jährigen. Sie habe kein verbotenes Kennzeichen verwendet, es handele sich um eine Falschbehauptung. Jeder Zuschauer wird sich ein eigenes Bild davon machen können. Die Polizei dementiert ein strafrechtliches Vergehen. Bei objektiver Inaugenscheinnahme lässt sich keine vollendete Symbolik erkennen, doch zumindest die Typografie der Schrift deutet assoziierbare Rundungen, Schwingungen und Kanten an. Natürlich gilt zunächst einmal die Unschuldsvermutung. Der losgebrochene Shitstorm kam allerdings kaum unerwartet, da hilft es auch nichts, wenn Journalisten jene zum Opfer machen wollen, die zumindest aus ihrer antifaschistischen Gesinnung keinen Hehl gemacht haben. Immerhin ist es die Sonnenblume, die sich längst braun gefärbt hat.

Ob Hakenkreuz oder nicht: Die hetzerische Gesinnung der Grünen ist vielfach dokumentiert…

Der Versuch wirkt durchsichtig, nunmehr den Fokus auf Multiplikatoren zu lenken, die die Geschichte öffentlich gemacht haben, zur Verbreitung beitrugen, weil es um ein zeithistorisches Beispiel geht. Nicht zuletzt war es der bayerische Landtagsabgeordnete Jörg Baumann, der den Vorfall fleißig teilte. Und er hatte hierzu alles Recht, sollte offen dokumentiert werden, mit welchen Bandagen gekämpft wird. Mittlerweile ist es kein Geheimnis, dass Wortgewalt und Superlative dominieren, auch nicht davor zurückgeschreckt wird, zwischen der Alternative für Deutschland und den dunkelsten Kapiteln der Geschichte leichtfertig Parallelen zu ziehen. Da wäre es wenig verwunderlich, wenn neonazistische Symbolik auftaucht, um die Konkurrenz zu diskreditieren. Die Republik ist durchzogen von einer toxischen Mentalität, von einer vergifteten, missgünstigen Stimmung, nicht mehr mit Fakten und Argumenten zu ringen, sondern mit Instrumenten aus dem Sandkasten. Ein Niveau ist erreicht, das eigentlich beschämen muss. Denn wer kritzelt und aufhübscht, dem mangelt es an Inhalt und Substanz. Infantil, solch ein Gebaren.

Pech gehabt: Wenn der Kampf für „das Gute“ plötzlich auf die eigenen Füße fällt…

Wenn sich das Vokabular auf Beschimpfungen und Etiketten reduziert, weil man nicht mehr weiterweiß, übermannen die Sorgen und Nöte der Bevölkerung die Lösungskompetenz der etablierten Kräfte, dann sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir kaum umhinkommen, anzuprangern. Dies geschieht in der modernen Welt durch eine gewisse Bloßstellung im Internet. Doch im 21. Jahrhundert muss man sich dessen bewusst sein. Da nutzt es nichts, sich im Nachhinein darüber zu echauffieren, weil angeblich etwas missverstanden wurde. Immerhin gehen die Anwürfe nicht völlig ins Leere. Denn die Grünen in Unterfranken sind bekannt dafür, sich zugunsten der „wehrhaften Demokratie“ einzusetzen. Sie beteiligen sich am „Silvester-Kehraus gegen rechts“, erinnern in Mahnwachen an eine Herrschaftsform, an dessen Abschaffung sie selbst mitwirken. Diversität und Toleranz stehen auf ihrer Agenda, man macht sich gemein mit Forderungen nach einem Verbot der AfD, hat sich vor Ort auf vorgenannten Mandatar Baumann eingeschossen, wirft ihm das bewusste Schüren von Empörung vor. Alles in allem ein Duktus, der Widerspruch zwingend macht.