Türöffner, Mentor, Bittsteller: Kanzler Merz und seine CDU stehen nicht umsonst in der Pflicht von Rüstungsindustrie und Kriegswirtschaft…  

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Merz: ‚Stehen an der Seite des ukrainischen Volkes ohne Wenn und Aber'“ (aus: „Stern“ vom 20.02.2026)

Zufälle gibt es im Leben selten, denn das Schicksal bleibt eine Ausnahme. Und so muss man einigermaßen naiv sein, tatsächlich zu glauben, dem Kanzler gehe es um unsere Freiheit und Sicherheit, wenn er nicht nur auf dem CDU-Parteitag in beeindruckender Leidenschaft über den Pazifismus herzieht, stattdessen die Macht des Stärkeren unterstreicht, sich in einer Drohkulisse gegenüber Russland abmüht, wieder einmal an die Kriegstüchtigkeit der Gesellschaft erinnert. Wie die ökologische Transformation nur bedingt dem Wetter zugutekommt, die Impfstoffe während Corona lediglich ein Faktor für die Eindämmung der Pandemie gewesen sind, dient auch der Rüstungswahnsinn Europas vornehmlich dem Fremdzweck. Die Erneuerbarenindustrie ist genauso Profiteur eines Narrativs wie die Pharmabranche. Und auch die Rüstungsunternehmen lachen sich ins Fäustchen, wenn das nächste Hilfspaket für die Ukraine geschnürt wird. Denn sie wissen genau, dass ihnen damit ein neuer Geldsegen bevorsteht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die Christdemokratie eng verbandelt ist.

Kein wirkliches Wunder, woher die größten Geldbeträge auf dem Konto der CDU stammen…

Seit 2005 floss ein sechsstelliger Betrag an Großspenden von Firmen wie „Rheinmetall“ in Richtung der Union. Weitgehend intransparent und undurchsichtig, aber genauso wenig überraschend wie der Anstieg der Aktienkurse einer ganzen Sparte nach dem Wahlsieg im Februar 2025. Denn den Anlegern war klar, dass Friedrich Merz eine Agenda der Militarisierung fahren würde. Das Mitglied im Verteidigungsausschuss, Henning Otte (CDU), war Vizepräsident beim Förderkreis Deutsches Heer. Diesem gehören Konzerne wie „Lockheed Martin“ an. Florian Hahn (CSU) ist in selbiger Position bei der Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe. Maßgeblich beteiligt an den Koalitionsverhandlungen, hat er frühzeitig Netzwerke geknüpft. Verbände kritisieren die enge Verquickung zwischen Parlamentariern und der Wirtschaft. Robert Hochbaum, ebenfalls Konservativer, wechselte die Seiten. Früher Abgeordneter, jetzt Lobbyvertreter. Das bekannteste Beispiel für einen Steigbügelhalter ist wohl Roderich Kiesewetter, der Fürsprecher massiver Umstrukturierungen im Wehretat, ein Widersacher der Diplomatie.

Eine Vielzahl von Unionspolitikern tingelt zwischen Parlament und Industrie…

Auch er pflegt regelmäßige und intensive Kontakte zu Think Tanks wie der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“, ihres Zeichens ein Verfechter der NATO, gesponsert – unter anderem – von „Airbus“. Weniger bekannt ist Ingo Gädechens, der strikt für eine bessere Bewaffnung der Armee kämpfte, allerdings in Affären um Nebentätigkeiten involviert war, die im Zusammenhang mit der Sicherheitsindustrie stehen. Dass das Kabinett unter dem derzeitigen Regierungschef nicht zuletzt Einstiege beim Panzerhersteller KNDS prüft, ist eine weitere Nuance in diesem Komplex. Auffällig sind auch die häufigen Anfragen von CDU-Abgeordneten, die sich nach dem aktuellen Stand der Aufrüstung erkundigen. In einem internen Papier wird die Durchlässigkeit zwischen Behörden und der Unternehmerschaft gefordert. Man könnte auch sagen, den Waffenschmieden soll ein direkter Zugriff auf die Vergabestellen ermöglicht werden. In all diesen Wirrungen spielt die Vergangenheit des aktuellen Parteivorsitzenden eine entscheidende Rolle. Bei „BlackRock“ hat er gelernt, wie man Interessenkonflikte schürt.

Friedrich Merz hat seine Rolle als Lobbyist und Bindeglied nie wirklich verlassen…

Er tingelt von einem Rüstungsgipfel zum nächsten, die Überlegung von 3D-Druckern für die Bundeswehr könnte zu einer weiteren Subventionsorgie zugunsten der Verteidigungstechnologie führen. Allen voran schreitet der „Türöffner“ Merz, der einstige Vorsitzende der „Atlantik-Brücke“, welcher keinen Hehl daraus macht, schon in der Vergangenheit eifrig Treffen mit Ministern organisiert zu haben, in Berlin und Brüssel auf Werbetour gegangen zu sein. Externe Beobachter werfen ihm eine Abhängigkeit zur US-Finanzbranche nach. Nicht umsonst scheint er auch heute Bindeglied zwischen Washington und Kiew. Sein Adressbuch war stets heiß begehrt, Freunde und Kunden dürften sich gewiss gewesen sein, in ihm einen engagierten Bittsteller zu finden. Immer wieder betonte der Sauerländer Hüne, wie viel Freude ihm diese Arbeit bereitet habe. Und man muss ehrlicherweise attestieren, dass er nie aus seiner früheren Rolle herausfand. Schließlich konkurriert er mit Außenminister Wadephul, agiert in Personalunion, als Verführer, Aktivist und Mentor für jene, die ihn groß gemacht haben.