Schämen Sie sich, Florian Hager! Wie der ARD-Vorsitzende mit der Fiktion journalistischer Unantastbarkeit Demokratiedefizite beweist…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „ARD-Chef Florian Hager: ‚Wir wollen keine kurzfristigen Einsparungen'“ (aus: NiUS vom 03.02.2026)

Ich gebe zu, eigentlich nie daran gedacht zu haben, mich irgendwann einmal für meinen Beruf schämen zu müssen. Doch nicht erst, seit sich der ARD-Vorsitzende zu einem Seitenhieb von Bundestagspräsidenten Klöckner einließ, bin ich einigermaßen außer mir, mit welcher Dreistigkeit manch ein Kollege den Journalismus vor die Wand fährt. Nein, Florian Hager, Sie verkörpern nun wahrlich nicht, was unsere Branche an Idealen zu bieten haben sollte. Denn in Ihren Äußerungen lässt sich erkennen, wie weit entfernt Sie vom Verständnis der „vierten Gewalt“ sind, das unter anderem das Grundgesetz vorgibt. Aber selbstverständlich muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk Fragen stellen und gefallen lassen, wie übrigens jede andere Institution in diesem Staat auch. Mit welch einer Arroganz erlauben Sie sich, Ihre Medienhäuser von Kritik auszunehmen? Es ist die zwingende Notwendigkeit, ein gebührenfinanziertes System regelmäßig auf seine Sinnhaftigkeit zu überprüfen, vor allem aber auch auf die Einhaltung von Auftrag, Regeln und Prinzipien. Und diese schustert sich nicht der Sender selbst zusammen, sondern flankieren Verträge, die wenig Spielraum lassen für allfällige Interpretation.

Natürlich müssen sich die Medien Fragen stellen, Kritik und Widerspruch gefallen lassen!

Sie haben recht, wir sind nicht zur Neutralität angehalten, sondern zu Objektivität und Überparteilichkeit. Doch erklären Sie mir dann bitte, wie es dazu kommt, dass Vertreter der AfD so selten in Ihren Talkrunden Platz nehmen, für das Wahlergebnis überproportional häufig hingegen Abgesandte von SPD oder CDU? Mittlerweile sind es nicht mehr nur subjektive Eindrücke, sondern es gibt belegbare Statistiken, die genau das unterstreichen, was die Parlamentsvorsitzende an Einseitigkeit bemängelt. Wie viele Zufälle sollen wir noch ertragen, wenn wieder einmal ein Passant in der Fußgängerzone vorbeikommt, nicht etwa beiläufig, sondern spürbar selektiert, allzu oft verstrickt, als Pressesprecher oder Schriftführer bei linken Kräften? Vielleicht sogar ein Kollege des ZDF, der als Zivilist ausgegeben wird. Oder ein Praktikant, ein Volontär, nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet, sondern unter dem Titel „Privatperson“ einen Text abspielend, wie er dem Chef vom Dienst gefällt. Tosender Applaus in Diskussionen, wenn Kevin Kühnert oder Ricarda Lang das Wort ergreifen, miese Laune herrscht dagegen, stellt sich Tino Chrupalla dem Interview. Geschickte Manipulation ist das, nichts Anderes.

Manchmal lügen, hauptsächlich Halbwahrheiten, aber fast nie die gesamte Realität…

Selten präsentiert man komplette Lügen, wie „MrWissen2Go“ über den angeblichen Giftgaseinsatz beim Herero-Aufstand. Oder die wissenschaftliche Sensation über einen Fernseher in Afrika, der Energie produziert. Sehr viel häufiger hingegen Halbwahrheiten, wenn man manch eine Nachricht gar nicht oder verzögert präsentiert, weil man sie als regional einstuft, wie etwa den Entzug des Doktortitels von Mario Voigt. Schutz für die Nicht-Schutzwürdigen. Bei anderen Schlagzeilen hingegen sparen Ihre Mitarbeiter wichtige Hintergrundinformationen aus, liefern sie kleckerweise. Seien es beispielsweise der Migrationshintergrund eines Straftäters, die linksterroristische Motivation bei Anschlägen auf die Infrastruktur, die Zusammenhänge beim ICE-Einsatz in Minneapolis oder der gesamte Kontext eines Mordes an Charlie Kirk. Nicht selten werden entscheidende und ergänzende Details sehr spät nachgereicht, scheinen die Diskussionen in der Redaktion darüber, was man im Schönwetterbericht dem treuen Zuschauer an Wirklichkeit zumuten darf, oftmals lange anzudauern. Oder kommt vielleicht der Anruf einer Grünen-Politikerin dazwischen? Immerhin hat Jessica Kordouni selbst zugegeben, dass sie bereits Einfluss genommen hat.

Faktenchecker, die selektiv und willkürlich arbeiten, haben ihren Namen nicht verdient!

Also keine Verschwörungstheorien, sondern Wahrheiten, die fundiert sind. Diese überprüfen Sie doch so gerne. Merkwürdig nur, wie gefärbt die Ergebnisse sind. Nicht nur, dass insbesondere Zitate von CSU oder der Alternative für Deutschland besonders häufig unter die Lupe genommen werden, während Behauptungen anderer Parteien zumeist als richtig stehen gelassen werden. Ihr „Aussteiger“, Alexander Teske, bezichtigte jene, die sich als Berufsbezeichnung „Faktenchecker“ auf die Stirn schreiben, als „Kampfwerkzeug gegen Konservative“ aufzutreten. Da spricht also jemand aus Erfahrung, aus den eigenen Reihen, unverblümt, sicherlich nicht ganz erfreulich für Ihre Zunft. Dass Sie mittlerweile den Leumund von uns allen Medienschaffenden durch den Dreck ziehen, weil Sie nicht genehme Überzeugungen als Propaganda deklassieren, Realitäten definieren statt Perspektiven wechseln, zum Moralapostel verkommen, als Erziehungsberechtigter einer mündigen Nation fungieren, die eigentlich nicht darauf angewiesen ist, sich Meldungen mundgerecht vorkauen zu lassen, Berichterstattung mit Kommentar vermischen, ausgerechnet keine Themen- und Meinungsvielfalt gewährleisten, bleibt letztlich nur schäbig und ungeniert.