Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Gespaltene Gesellschaft – Das Paradox der Polarisierung: Reden wir uns das alles nur ein?“ (aus: SRF vom 01.02.2026)
In einem von politischer Polarisierung geprägten Journalismus des Jahres 2026 brauchst du keine Feinde mehr, wenn du Kollegen hast. Denn dann nimmt man sich wechselseitig die Butter vom Brot. Wenn nicht sogar zu härteren Bandagen gegriffen wird. „AfD-Krakeeler“ und „Rechtsradikaler“, mit diesen Prädikaten werde ich aktuell versehen. Berufliche Wegbegleiter aus der Vergangenheit scheinen nicht verwinden zu können, dass ich ihr Lager verlassen habe. Ursprünglich einmal habe ich mich links definiert. Doch wenn das Ideal auf die Realität trifft, kommt am Ende Pragmatismus heraus. Weil ich mich vor allem für soziale Gerechtigkeit, einen ausgewogenen Umweltschutz, Frieden und Diplomatie sowie die Rechte von Arbeitnehmern eingesetzt habe, verortete ich mich diesseits und jenseits der Grünen. Doch als Integrationsberater war ich nach dem Tabubruch von Angela Merkel mit den Konsequenzen einer ungezügelten Zuwanderung konfrontiert. Ließ mir von einem Asylbewerber ins Gesicht spucken, als ich ihn an die Jobvermittlung verwies. Durfte mir anhören, wie sehr man auf hiesige Kultur und Regeln pfeift. Dass man eigentlich nur nach Deutschland gekommen sei, weil der Wohlfahrtsstaat so angenehm ist. Die Utopie von schlichter Verfolgung und Flucht fiel in vielen Fällen in sich zusammen.
Wie schnell heute etikettiert wird, macht der inflationäre Gebrauch des „Nazis“ deutlich…
Dass ich aus dieser Erfahrung heraus heutzutage für strikte Remigration eintrete, für den sogenannten Ethnopluralismus, also ein friedliches Nebeneinander der Völker, das vornehmlich darauf baut, in den ursprünglich von der Schöpfung anberaumten Gruppen zu verbleiben, statt über den gesamten Globus zu pilgern, um die Vorzüge von fremden Sicherungssystemen in Anspruch zu nehmen, brachte mir bereits das Prädikat des „Nationalisten“ ein. Da ist es zur Unterstellung faschistischer Überzeugungen nicht mehr weit. Wortgewalt dominiert die gesellschaftliche Debatte von heute. Gerade publizistisch Tätige, denen man eigentlich ein gewisses Gespür im Umgang mit der Sprache nachsagt, greifen nach plumpen Superlativen, diskreditieren mit schlichten Etiketten. Da wird man schnell in Schubladen gesteckt, nicht etwa auf Grundlage von Argumenten und Fakten, sondern letztlich auch aus Konkurrenzdenken. Mittlerweile gilt derjenige in der Öffentlichkeit als dominierend, der am lautesten pöbelt. Zu dieser Spezies habe ich noch nie gehört. Galt stets als Verfechter von Nunancierung und Balance. Mein Fokus richtet sich auf Parteien, die sich in einer kritischen Lage der Demokratie außerhalb des etablierten Systems ansiedeln. Die vierte Gewalt sollte als Anwalt der Opposition fungieren.
Wer mich kennt, der weiß um mein Unverständnis für parteipolitische Sprachrohre…
Ob es nun die Alternative für Deutschland oder das BSW ist, das „Bündnis Deutschland“ oder „Team Freiheit“, ich begegne ihnen mit Neugier und Offenheit. Tatsächlich muss ich selbstkritisch attestieren, mich für einige Zeit zu sehr den „Blauen“ gewidmet zu haben. Doch für mich ist das kein Beinbruch, desillusioniert zu werden, wenn ich aus diesem Prozess gestärkt hervorgehe, meine Perspektive zu weiten. Denn diese Eigenschaft ist der Medienbranche weitgehend verloren gegangen. Sie engt sich ein auf ihre persönlichen Lieblinge. Diesem Trend versuche ich, mich entsprechend deutlich zu entziehen. Man wird mich nicht als Fürsprecher von CDU oder SPD gewinnen können. Dafür müsste ich zu viel an Argwohn überwinden. Doch ebenso fremd bleibt die Fixierung auf einen einzelnen Anbieter der Gegenseite. Da werden mich einstige Mitstreiter noch so sehr als Lobbyisten und Aktivisten diffamieren können. Gerade hinsichtlich der aktuellen Missstände bei der sachsen-anhaltinischen AfD habe ich klare Worte gefunden. Angesichts dessen erweist es sich als schwierig, einen „Fanboy“ aus mir zu machen, habe ich doch den Finger in die von Jan Wenzel Schmidt eröffnete Wunde von Vetternwirtschaft gelegt, die keine rechtliche, aber eine moralische Dimension besitzt. Ich rede nicht nach dem Munde, wenn etwas schief liegt.
Berufsethisch hat der Journalist versagt, wenn er sich selbst nicht mehr reflektiert…
Schon allein daher geht der Anwurf von Abhängigkeit fehl. Ohnehin sehe ich keinen Bedarf, mich gegenüber alten Bekannten rechtfertigen zu müssen, die mich noch nie richtig einschätzten, aber rasch ein Vorurteil fällten. Insoweit, werte Genossen von nah und fern, lassen Sie nicht nach, mir eine Rolle aufzudrücken. Ich vertraue auf den souveränen Beobachter, der sich ein eigenes Bild darüber macht, wofür ich stehe, wie ich ticke. Es ehrt mich sehr, dass man sich so intensiv mit mir beschäftigt. Dass augenscheinlich Empfindungen wie Neid und Eifersucht eine Rolle spielen, weil man es selbst nicht vermag, sich ein gewisses Ansehen als Überparteilicher zu erarbeiten, sei es drum. Möge der Griff in die Mottenkiste Genugtuung bringen, ob nun mit dem Anhängsel des „Nazis“ oder „AfD-Trommlers“. Solche Zuschreibungen sagen oft mehr über jenen aus, der sie anheftet. Ich kann morgens noch immer in den Spiegel schauen. Gerade deshalb, weil meine Lebenslinien nie gerade verlaufen sind. Insbesondere dieses Korrigieren ist für mein Verständnis Ausdruck von Glaubwürdigkeit und Authentizität. Wer selten nachjustiert, sondern in seinen festgefahrenen Mustern wild um sich schlägt, um Kumpanen in ein schlechtes Licht zu rücken, der liefert den eigentlichen Beweis für einen berufsethischen Bankrott.







