Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Nachfolger im Iran: Was wissen wir über Mojtaba Chameneis Zustand?“ (aus: „Euronews“ vom 13.03.2026)
Kaum eine andere Umgebung eignet sich für Propaganda besser als das Kriegsgebiet. Da wird mit Meldungen Stimmung gemacht, um den Gegner zu verunsichern, die Bevölkerung zu instrumentalisieren, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Auch im Konflikt zwischen Iran einerseits, Israel und den USA anderseits, sprießen die Nachrichten ins Kraut. Sie betrafen zuletzt insbesondere Jerusalems Premierminister Netanjahu und den Sohn des obersten Führers in Teheran, Mojtaba Khamenei. Erstgenannter hat sich seit dem 17. Februar 2026 deutlich weniger medial präsentiert. Erste Gerüchte kamen auf, es könnte eine Krebsdiagnose wie Leukämie gestellt worden sein. Eine Prostata-Operation soll stattgefunden haben, hieß es an anderer Stelle, bösartige Zellen wurden demnach nicht festgestellt. Seit dem 10. März haben die Spekulationen darüber zugenommen, ob er vom „Feind“ getötet oder verletzt worden sein könnte. Es gebe angebliche Hinweise, dass er ins „Sheba Medical Center“ eingeliefert worden sei. Teheran hatte wiederum gedroht, falls er „nicht schon tot“ sei, würde man ihn aufspüren und „eliminieren“.
Netanjahu scheint gesundheitlich angeschlagen. Nicht weniger, aber wohl auch nicht mehr…
Auffallend ist insbesondere, dass Netanjahu wichtigen Sitzungen wie jener des Sicherheitsrats fernblieb, offenbar erstmalig seit Amtsantritt. In der Besprechung habe es trübe Gesichter gegeben, berichten Beobachter. Wiederum andere Quellen geben an, es sei intern zu einem Putsch gekommen, der ihn in die zweite Reihe zurückgedrängt habe. Möglich ist aber auch, dass man aus Vorsichtsmaßnahmen seine Präsenz reduziert. In den sozialen Medien verbreiten sich Videos, die auf den ersten Anschein KI-generiert wirken. Ursprünglich hingegen sollen sie authentisch sein. Handelt es sich lediglich um psychologische Taktiken, die Menschen in Israel in Panik zu versetzen, werden Desinformationen dafür eingesetzt, ihren Rückhalt für die Regierung ins Wanken zu bringen? Hochrangige Verantwortliche dementieren wiederholt, dass es zu einem Attentat gekommen sei. Alles ist demnach in bester Ordnung, der 76-Jährige erfreue sich vollständiger Gesundheit. Kursieren also lediglich Verschwörungstheorien? Oder womit ist die durchaus augenscheinliche Abwesenheit bei elementaren Terminen am Ende zu wirklich erklären?
Unabhängig seines Zustandes schwebt Netanjahu durch Irans Drohungen in Lebensgefahr…
Dass ein unmittelbares Risiko vorliegt, haben es die Mullahs auf Netanjahu abgesehen, hieran dürfte kein Zweifel bestehen. Entsprechende Maßnahmen wurden ergriffen, möglicherweise der Aufenthalt im bekannten Bunker „Fortress of Zion“ angeordnet. Bedenkenswert ist vor allem, dass die meisten Indizien auf ein vermeintliches Ableben aus proiranischen Quellen stammen. Faktenchecks sollen ihre Widersprüchlichkeit aufdecken, konnten diesem Anspruch allerdings nur bedingt gerecht werden. Eine Sequenz soll den Ministerpräsidenten mit sechs Fingern zeigen, in einem anderen Mitschnitt habe er trotz unruhiger Hände eine Tasse Kaffee nicht verschüttet. Diese Theorien sollen die Plausibilität erschüttern, augenscheinlich sind sie im Nachhinein manipuliert und getrickst worden. Die Entwicklungen sind weitgehend unklar, eine abschließende Beurteilung kann lediglich zu dem Ergebnis kommen, dass etwas im Busche scheint. Insgesamt erweisen sich die Erzählungen über Tod oder Koma als wenig belastbar, aber nicht gänzlich unbegründet. Anders stellt es sich hingegen bei Khamenei dar.
Khamenei dürfte tatsächlich schwer verwundet sein, die Quellenlage ist ziemlich konsistent…
Hier mehren sich klare Erkenntnisse darüber, dass der neue Machthaber bei einem US-israelischen Angriff ab dem 28. Februar schwerste Blessuren davongetragen hat. Westliche Geheimdienste mutmaßen, dass er nur noch künstlich am Leben gehalten wird, längst das Bewusstsein verloren hat. Bereits am ersten Kriegstag soll er an Beinen, Gesicht und Bauch versehrt worden sein. Von möglichen Amputationen ist die Rede, von Entstellung. Es habe ein Angebot Putins gegeben, die schweren Beeinträchtigungen an Magen und Leber in Moskau behandeln zu lassen. Übereinstimmende Schlagzeilen vermelden, er sei ins „Sina University Hospital“ in Teheran eingeliefert worden. Britische Militärs widersprechen eindeutig der Linie der iranischen Führung. Diese behauptet, Khamenei leite die Geschäfte, habe lediglich Prellungen und Verstauchungen der Füße erlitten. Im Gegensatz zu Netanjahu erweisen sich in diesem Fall die Gegenbeweise als konsistenter, der Ajatollah-Nachfolger dürfte ehrlicherweise kaum bei bester Verfassung sein. Ganz unabhängig davon werden Personalien allein den Fortgang der Eskalation ohnehin nicht entscheiden.








