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Venezuela, Grönland – oder eben Panama und Mexiko: Die USA lügen sich seit jeher Fakten zusammen, um die Welt neu zu ordnen…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „500 Milliarden Dollar für Grönland? Warum Trump auf die Insel so scharf ist“ (aus: „Berliner Zeitung“ vom 08.01.2026)

In diesen Tagen wird eine Begrifflichkeit stark überstrapaziert. Das „Völkerrecht“ muss als Grundlage in vielen Argumentationen herhalten, gemeint ist in den allermeisten Fällen wohl die UN-Charta. Doch ein Regelwerk nutzt sich ab, wird es wiederholt gebrochen, weil die Verbindlichkeit variabel ist. Und so dürfte man Donald Trump kaum beeindrucken können, verweist man mit dem Zeigefinger auf die Stimson-Doktrin, in der es heißt, dass die gewaltsame Eroberung oder Annexion fremden Territoriums verboten sei. Denn der US-Präsident schert sich nicht um solche Normen. Nach dem Bruch der Souveränität von Venezuela unter fadenscheinigen Gründen hat er es nun auf Grönland abgesehen, das größte Inselgebiet der Welt, welches als autonomer Teil des Königreichs Dänemark in den Fokus von Washington gerückt ist.

Hier geht es nicht um Sicherheit und Schutz, sondern um handfesten Landraub…

Erneut sind es Interessen der Amerikaner, die hinter den Drohgebärden stecken. Strategisch wichtig, aufgrund der Ressourcen – wie seltene Erden – besonders reizvoll, als Schifffahrtsroute im Arktis-Bereich von militärischem Belang, wäre es ein geopolitischer Coup, sich das Gebiet einzuverleiben. Dennoch deutet im Augenblick wenig auf Waffengewalt hin, denkt der Multimilliardär wohl eher an einen Kauf. Das Weiße Haus betont gleichzeitig, dass alle Optionen offen auf dem Tisch liegen. Einige republikanische Abgeordnete distanzierten sich von dieser Rhetorik, würde ein solches Vorgehen auch die NATO-Stabilität gefährden. Experten gehen im Augenblick von einer friedlichen Übereinkunft aus, beispielsweise durch wirtschaftliche Kooperationen. Gleichzeitig hat der Caracas-Krieg die Unberechenbarkeit belegt.

Soldaten würden im Zweifel zurückschießen, käme es zu einer Invasion. So betont es Grönland, basierend auf einer Direktive von 1952. Sieben europäische Staaten haben eine gemeinsame Erklärung abgegeben, dass das Land den dortigen Menschen gehöre. Premierminister Jens-Frederik Nielsen reagierte scharf, wies die Fantasien aus dem Oval Office zurück. Die heraufbeschworenen Spannungen könnten einen Dritten zur Freude veranlassen. China wartet nur darauf, selbst vorzupreschen. Ob nun ganz im Norden – oder auch in Taiwan. Das globale Gefüge ist ins Wanken geraten, jahrzehntelange Verlässlichkeit scheint dahin. Während sich also in Mar-A-Lago ein Imperialist beim Golfen austobt, seine hemisphärische Dominanz vollends ausspielt, lachen sich jene ins Fäustchen, die die Profiteure von Machtkämpfen des Westens sind.

Nach Venezuela stehen Grönland, Kuba und der Iran auf Trumps Speiseplan…

Ob nun Nuuk, Havanna oder Teheran: Alle drei Hauptstädte müssen befürchten, in den Blick der Hegemonie gerückt zu sein. Dabei sind doch viele Manöver in der Vergangenheit in schlichter Lüge aufgegangen. Weder fand man im Irak Massenvernichtungswaffen, noch war im Mexiko-Konflikt von 1846 ein behauptetes Grenzgebiet strittig. Im Vietnamkrieg wurden Berichte über Angriffe auf US-Schiffe im Nachhinein als erfunden entlarvt, sie sollten den Kongress lediglich zur Genehmigung der „Gulf of Tonkin Resolution“ bewegen. Die Explosion der USS Maine im Hafen Kubas wurde als spanischer Sabotageakt präsentiert, spätere Untersuchungen deuten auf einen internen Unfall hin. Trotzdem kam es 1898 zum Überfall, ähnlich, wie beim Einmarsch in Grenada und Panama – unprovoziert, unter Vorwänden, auf Basis manipulierter Fakten.

Die sogenannte MAGA-Bewegung sollte sich so langsam in Grund und Boden schämen, vor allem ihre Moralpredigten gegenüber Russland einstellen. Denn auch wenn die Brachialität nicht vergleichbar ist, so scheint das patriarchalische Vorgehen in der Ukraine ähnlich skrupellos wie in Afghanistan oder Libyen. Wenig deutet auf den Schutz vor Kommunismus oder Islamismus hin, stattdessen sind es handfeste Energieträger wie Öl und Gas, die Motivation und Anstoß geben, das Recht des Stärkeren auch in Zeiten nach der Aufklärung als zivilisatorischen Sündenfall für gängig, normal und selbstverständlich zu erklären. Entsprechend erweist es sich nur als folgerichtig, dass die Kräfte neu austariert werden. Denn allzu viel Potenz auf der einen oder anderen Seite bringt Ungleichgewicht, wir brauchen also den Schreck des Ostens.