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Nach dem Bruch der Aroniabeeren-Koalition: Welche Verantwortung der AfD in der Übergangsphase Brandenburgs zufällt…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Brandenburg: ‚Er ebnet Regierung den Weg, die von Bürgern klar abgewählt wurde'“ (aus: WELT vom 07.01.2026)

Die Koalition aus SPD und BSW in Brandenburg ist Geschichte, doch niemand weiß im Augenblick, wie es vor Ort nun weitergehen wird. Der Ministerpräsident hat sich zunächst in den Urlaub verabschiedet, die CDU macht sich bereit für Verhandlungen über ein Regierungsbündnis. Denn dass Woidke dauerhaft in Minderheit an der Macht bleiben kann, ist bei der Fragilität der Verhältnisse im Parlament mehr als fraglich. Und so kommt auch das Wort „Neuwahl“ ins Spiel, wenngleich sie im Augenblick wohl nur im Sinne der AfD sein kann. Diese würde nach derzeitigen Umfragen haushoch gewinnen, befindet sich unangefochten auf Platz 1. Schon jetzt ist sie die größte Fraktion im Landtag, könnte mit einem Resultat von mehr als 32 Prozent rechnen, die Genossen allenfalls mit einem mageren Ergebnis um 20 Prozent.

Doch von absoluten Verhältnissen ist man noch weit entfernt, auch ein Ministerpräsident Dr. Hans-Christoph Berndt scheint im Augenblick kaum absehbar. Trotzdem ist es verständlich, dass sich die starke Oppositionskraft selbstbewusst und anspruchsvoll zu Wort meldet. Immerhin ist sie vom Volk betraut worden, für konsequente Veränderung zu sorgen. Diese kann allerdings nur dann gelingen, bleiben weder Sozial- noch Christdemokratie in exekutiver Position. Entsprechend wird es nun darauf ankommen, dass die Alternative für Deutschland weiter mobilisiert, ihr Fundament ausbaut, sich nicht allein darauf beschränkt, aus der Schwäche der Anderen Kapital zu schlagen. Manchmal kann es durchaus hilfreich sein, verbal abzurüsten, um gleichzeitig argumentativ nach Punkten zu siegen.

Dennis Hohloch ist das ideologische Fundament einer regierungswilligen Brandenburg-AfD…

Der parlamentarische Geschäftsführer, Dennis Hohloch, wird hierbei eine tragende Rolle einnehmen. Er gilt als Vermittler von Forderungen nach außen, als ein Koordinator der unterschiedlichen Stimmen. Bisweilen wirken seine Äußerungen polarisierend, schlagen über das Ziel hinaus, wenn aus einer direkten Art und Populismus plötzlich Propaganda und latente Feindseligkeit werden. Der Lehrer für Geografie und Geschichte ist dennoch ein couragierter Kopf, setzt sich mit Leidenschaft für Themen wie Remigration und Meinungsfreiheit ein. Kritiker sagen ihm nach, er habe sich nicht immer im Griff, wenn er mit lautstarker Sprachgewalt auf das etablierte System losgeht. Er will den abgeschliffenen Parteienstaat überwinden, plebiszitäre Mitsprache des Volkes auf allen Ebenen ermöglichen.

Neben einer Reform im Klassenzimmer, mehr Sicherheit auf den Schulhöfen, Kinder- und Familienfreundlichkeit in der Gesellschaft oder einem Rückbau des Verfassungsschutzes votiert er mit Vehemenz für Solidarität gegenüber den Opfern von Verbrechen ausländischer Straftäter. Er will die Spaltung der Lager überwinden, möchte den Empfang von Sozialleistungen vornehmlich an deutsche Bürger knüpfen. Der 36-Jährige konfrontiert uns nicht nur mit den Auswirkungen eines neuen Stadtbildes, sondern legt den Finger in die Wunde von zweierlei Maß. Während Flüchtlinge in Hotels untergebracht werden, müssen hiesige Rentner Flaschen sammeln. Dass sich der im Bildungswesen tätige Vater einer Tochter darüber hinaus für weniger Macht der Eliten einsetzt, bringt ihm nicht nur bei den eigenen Anhängern Sympathien ein.

Hans-Christoph Berndt könnte als bürgernaher Provokateur Landesvaterqualitäten bieten…

In Duktus und Tenor ähnelt er dem Fraktionsvorsitzenden Berndt. Auch dieser tritt als engagierter Netzwerker auf, linke Beobachter sagen ihm Verbindungen zu den „Neuen Rechten“ nach. Doch von dem vorgeworfenen Rassismus ist ebenso wenig zu spüren und zu lesen wie von der Unterstellung, er habe durch seine Nähe zu „Pegida“ die Grenze zum Extremistischen überschritten. Der 1970 in Bernau bei Berlin geborene Zahnmediziner wird als „Fanatiker“ diffamiert, dabei ist er bürgernah im Umgang, begibt sich auf Augenhöhe des Souveräns. Ja, er nimmt kein Blatt vor den Mund, verhält sich bisweilen konfrontativ. Ihm nur deshalb die Dialogfähigkeit abzusprechen, weil er 2024 eine Talkrunde verließ, hatte er sich unfair behandelt gefühlt, verkehrt die Wahrheit ins Absurde, denn die AfD wird tatsächlich ausgegrenzt.

Hiergegen wendet sich der Mitgründer des Vereins „Zukunft Heimat“. Schon der Name lässt vermuten, welch wichtige Bedeutung der Patriotismus in seinem Leben hat. Abseits davon betont er die Notwendigkeit konsequenter Abschiebungen von Asylbewerbern als ein Versprechen, nannte sich selbst „Corona-Ketzer“. Er will die Weihnachtsmärkte endlich wieder ohne Poller sehen, die christlich-abendländische Tradierung nicht dem linkswoken Zeitgeist der Kirchen überlassen. Seine Missgunst gilt der Ideologisierung von Geschlechtern, den Regenbogen lehnt er als Option zu Schwarz-Rot-Gold entschieden ab. Ohne Zweifel hat er Fähigkeit und Kompetenz, sich für höhere Ämter berufen zu fühlen. Dass er perspektivisch an die „Fleischtöpfe“ in Potsdam heranrücken dürfte, ist deshalb auch keinesfalls ausgeschlossen.