Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Anspruch bestehe nicht – Günther will keine Unterlassungserklärung unterzeichnen“ (aus: WELT vom 15.01.2026)
Vor 20 Jahren, als Markus Lanz noch beim Sender RTL arbeitete, hatte ich Kontakt zum heutigen Talkmaster des ZDF. Nach einer Reportage über meine persönliche Krankheitsgeschichte würdigte er mich, ließ mir ein Autogramm zukommen, wir standen über einige Zeit in Verbindung. Damals betrachtete ich ihn als einen überaus niederschwelligen Gesprächspartner auf Augenhöhe, ohne Allüren eines Prominenten. Mittlerweile gilt er als eine der Führungsfiguren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und er erreicht noch immer eine große Zuschauerschaft mit seinen abendlichen Sendungen. Doch nicht jede davon wird zu einem Erfolg. In die Geschichte eingehen dürfte die Befragung des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther, mit dem unter anderem die Debatte darüber geführt wurde, wie mit Social Media umzugehen ist, insbesondere bei Minderjährigen.
Doch der Dialog entwickelte sich weiter, plötzlich war man angelangt bei den „Feinden der Demokratie“. Über sie ließ sich der CDU-Politiker lang und breit aus, konkretisierte angesprochene Verlagshäuser mit dem Beispiel „NiUS“, welchem er unterstellte, nicht journalistisch unterwegs zu sein, sondern – wie es später Kollege Bovenschulte aus Bremen zusammenfasste – „faktenfreie Meinungsmache“ zu verbreiten. Doch genau selbige ist laut Bundesverfassungsgericht zwingend erlaubt, wenn man Artikel 5 des Grundgesetzes ernst nimmt. Trotzdem antwortete der 52-Jährige auf die Frage, ob man „sie“ im Zweifel auch zensieren oder gar verbieten solle, mit einem reflexartigen und lautstarken „Ja“. Nach einer kurzen Denkpause schwenkte er wiederum um auf Maßnahmen, die den Konsum neuer Plattformen für unter 16-Jährige regeln und einschränken sollen. Alles nachzusehen in der „Mediathek“ oder im Mitschnitt der „heute“-Redaktion, etwa ab Minute 10:00.
Doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Das Pronomen war unmissverständlich gewählt, im entscheidenden Redeabschnitt ging es um das Unterbinden und Erschweren der unliebsamen Presse. Hierauf bezog sich das Nachhaken des Anchors, der selbst verdutzt schien über die prompte Einlassung seines Gegenübers. Denn sie kam derart glasklar, dass man von einer überaus ehrlichen Aussage ausgehen muss, also einem bewussten und überzeugten Bekenntnis zu Werkzeugen der Despotie. Nachträgliche Ausflüchte, hier sei etwas falsch verstanden worden, können lediglich als Beweis dafür herangezogen werden, dass ein Freudscher Versprecher vorlag. Günther sagte instinktiv das, was er denkt, um sich vielleicht kurz darauf dem Ausmaß dessen klar geworden zu sein, was er an weitreichender Abschaffung unseres derzeitigen Systems eigentlich forderte.
Ein Moderator, der den Verlauf der eigenen Sendung nicht kennt, sollte besser schweigen…
Dass Lanz im Nachhinein sämtliche Schlagzeilen als Falschbehauptung abtut, die genau diese skandalöse Haltung des Kieler Regierungschefs thematisieren, kindisch pubertär die AfD-Politikerin Beatrix von Storch mit dem ständigen Ruf von „Fake News“ unterbricht, weil er offenbar eine Wahrheit nicht hören will, die seinem eigenen Weltbild entgegensteht, ist eine ziemliche Bankrotterklärung für einen erfahrenen Kollegen. Schon oft hat er durch seine suggestive Art, rhetorische und ergebnisgeschlossene Andeutungen erkennen lassen, wie nahe er dem schwarz-grünen Lager steht – und welch ein fanatischer Widersacher er mit Blick auf die Alternative für Deutschland ist. Dass er Günther nun derart verteidigend beispringt, den Verlauf der eigenen Diskussion leugnet, von der Redaktion mit einem Einspieler unterstützt wird, der genau jene Verkürzung impliziert, die man wiederum den als Sensationsschleudern degradierten Medienportalen anhaftet, bleibt vielsagend.
Da ist der Geist aus der Flasche, man bemüht sich, ihn mit Manipulation und Verdrehung der Tatsachen wieder einzufangen. Doch es wird nichts nutzen. Günther hat sich bereits in der Vergangenheit verraten, seinen Hang zur Potenz deutlich gemacht. Er wollte Ungeimpfte isolieren, zur Immunisierung zwingen. Mit dem vehementen Vorpreschen, die vom Wähler legitimierte Opposition in Karlsruhe sanktionieren zu lassen, gibt es keinen Zweifel mehr an totalitären Absichten. Wie leichtfertig der studierte Politologe von der Waterkant mit den Instrumenten der Diktaturen um sich schmeißt, das muss uns allen zu denken geben. In der DDR sollte alles demokratisch aussehen, doch der Staat musste es in der Hand behalten. Heutzutage gilt wohl, dass sich insbesondere das „Zweite Deutsche Fernsehen“ zum Steigbügelhalter macht, um willkürlich, repressive und herrschsüchtige Auswüchse zu decken. Wir müssen auf der Hut sein, will man uns wieder einmal für dumm verkaufen.







