„Inside AfD“, outside Realität: Wie eine SWR-Reportage über Parteikritiker zum Klimax Maximus des Einseitigkeitsjournalismus wurde…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „SWR-Doku über die Alternative für Deutschland – Drohungen und Anzeigen: Wie die AfD ihre Kritiker bekämpft“ (aus: SWR vom 07.05.2026)

Je eindeutiger die Umfragen, desto massiver der Gegenwind. Eigentlich sollte man aus der Vergangenheit gelernt haben. Mauern werden ein Volk nicht versöhnen, sondern es immer weiter spalten. In einer Phase der Geschichte, die so laut nach Ausgleich ruft, wären eigentlich auch die Medien dazu angehalten, ihren Beitrag zur Abrüstung zu leisten. Doch seitdem Moral und Ideologie in den Redaktionsstuben Objektivität und Ausgewogenheit verdrängt haben, fühlen sich zahlreiche Journalisten nicht mehr an den Auftrag gebunden, das Verbindende einer Gesellschaft herauszustellen, sondern die Unterschiede und Gräben weiter zu vertiefen. Keine andere Ambition hegten wohl auch die Autoren der SWR-Dokumentation „Inside AfD – Der Umgang mit Kritikern“, welche erstmals am 7. Mai 2026 ausgestrahlt wurde. Und tatsächlich sollte dieser Sendebeitrag als Lehrstück betrachtet werden. Wie man seinen Beruf gerade nicht ausübt, sondern sich geradewegs in die Hände von Einseitigkeit und Tendenz begibt. Schließlich fehlt es an sämtlichen Nuancen, von Waffengleichheit keine Spur. Das Paradebeispiel für Aktivismus, gekleidet ins Gewand der hehren Aufklärung.

Wenn Kritiker der Kritiker befragt wurden, dann lediglich, um Bilder der Abwehr zu schaffen…

Theo Heyen und Marilina Görz y Moratalla begaben sich also nach Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, um dort mit jenen zu sprechen, die etwas zu erzählen hatten über maßgebliche Unterdrückung, Ausgrenzung oder Schikane innerhalb der Alternative für Deutschland. Immer wieder betonte der Sprecher aus dem Off, dass es den Protagonisten schwer gefallen sei, in die Öffentlichkeit zu treten. Auffallend nur, wie leicht und selbstverständlich sie von der Leber weg darüber berichteten, was ihnen angeblich widerfahren ist. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Dr. Dirk Spaniel blieb über viele Strecken des Gesprächs ziemlich unkonkret. Spontane Einfälle über Anfeindungen waren Fehlanzeige, stattdessen blieben seine Ausführungen im Ungefähren. Mittlerweile gehört er der „WerteUnion“ an, war in der alten Partei zu einem ziemlich hohen Tier aufgestiegen. Nicht gänzlich von der Hand zu weisen, dass er vielleicht noch immer mit dem Karriereabbruch hadert, möglicherweise auch deshalb so offenherzig über potenzielle Bedrohungen und signifikante Maulkörbe aus früherer Zeit fabuliert. Eine unabhängige Stimme war das nicht, sondern die Generalabrechnung.

Auffallend häufig kommen die Protagonisten ins Stocken, wenn es um Konkretes geht…

Eine weitere Akteurin in der Dramaturgie des 45-minütigen Films ist Karin Pütz aus der Region Konstanz. Sie macht eine „sektenartige“ Entwicklung der AfD aus, musste laut Regie ebenfalls überredet werden, endlich auszupacken. Dabei hatte sie mit einigen Mitstreitern doch längst einen Brandbrief an Alice Weidel formuliert, aus frei Stücken. Intern war ihr angeraten worden, sich nicht mehr zu äußern. Diesen Befehl habe sie als autoritär wahrgenommen, deshalb prangert sie disziplinierende Instrumente wie jenes des Ausschlusses an. Sie fühle sich mundtot gemacht, von demokratischen Prozessen sei hinter verschlossenen Türen kaum noch etwas übrig. Dass sie in ihren Formulierungen selbst harte Bandagen auffährt, die keine Erwartung an persönliche Loyalität und eigene Geschlossenheit erheben, wird in diesem Zusammenhang geflissentlich unter den Teppich gekehrt. Den mittlerweile in aller Munde befindlichen „Hass“ unterstellte auch Günter Schöttle als ehemaliger Kreisvorsitzende aus Calw-Freudenstadt. Gehöre man dem falschen Flügel an, werde man in der Alternative für Deutschland umgehend unter Verdacht gestellt, attestierte auch er in stockenden Silben.

Der journalistische Auftrag zu Echtheit und Ausgewogenheit wurde auf ganzer Linie verfehlt…

Und selbstverständlich dürfen auch Presseakteure nicht zu kurz kommen. Alexander Roth vom Zeitungsverlag Waiblingen erfuhr massive Einschüchterung, glaubt man seinen Darstellungen. Subtil habe man gegen ihn gehetzt, unter anderem in den digitalen Plattformen. Polizeischutz sei nötig geworden, heißt es fast schon theatralisch. Dass der Kollege seit 2020 mit Vehemenz gegen „Querdenker“, „Verschwörungsideologen“ und die Alternative für Deutschland agitiert, bleibt in dieser Deutlichkeit unerwähnt. Mit Nachdruck heftet er das Etikett des Rechtsextremistischen an, wo es nur geht. Die Wurzel jenes Übels, das er momentan wahrnimmt, liegt in der konzertierten Unfairness, mit welcher er Skeptikern der Corona-Maßnahmen begegnete. Diese Seite der Medaille blendete der Südwestrundfunk fast komplett aus, spitzt hingegen den nachvollziehbaren Aufruf zum Abo-Boykott der „Allgemeinen Zeitung“ in Mainz durch den Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier genauso zu wie verständliche Reaktionen auf die Appelle der Kirche, welche sich mit dem Ausmachen von schwarzen Schafen in der AfD gänzlich von der Botschaft der beiden Testamente verabschiedet hat.

Für entlastende Perspektiven brachte der SWR kein nennenswertes Beispiel vor…

Nähert man sich handwerklich, so ist die Reportage eine publizistische Bankrotterklärung sondergleichen. Ihr mangelt es an jeglicher Balance, aktuelle Vertreter der Partei kommen fast ausschließlich abwehrend zu Wort. Interviews mit einer anderen Perspektive sind ebenso ausgeblieben wie das Illustrieren abweichender Meinungen über die Debattenkultur der AfD. Experten gab man eine Bühne, die latente Parallelen zwischen der Schelte an unserer vierten Gewalt von jetzt mit der Zensur von Büchern und Periodika in den Diktaturen der Historie ziehen. Entstanden ist ein monolithisches Gesamtkunstwerk, das vor Verzerrung, Sagenumwobenheit und Behauptungen nur so strotzt. Hier wird das eindimensionale Opfer-Narrativ befeuert, dem es allerdings an Konsistenz und Glaubwürdigkeit fehlt. Schließlich vernachlässigte man sukzessive, zu erwähnen, dass es in CDU, SPD, bei Grünen oder Linken zu ebenbürtigen Lagerkämpfen kommt. Sie sind kein Phänomen der „Blauen“ allein, doch diesen Eindruck wollte man erzeugen. Mit dem dezidierten Fokus auf Wortgewalt von „Gift“ bis zur „bürgerlichen Fassade“ wurde ein Bild gezeichnet, das manipulieren, aber nicht informieren soll.