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Ein Igel ohne Zwiebelringe: Wie Hackman Voigt zum Rächer fremden Federschmucks wurde, pikant gewürzt, aber geschmacklos!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Björn Höcke: Thüringer AfD kündigt Misstrauensvotum gegen Mario Voigt an“ (aus: DIE ZEIT vom 29.01.2026)

Einem Politiker ist kein wirklicher Gefallen getan, wenn er in der Öffentlichkeit nicht durch sachinhaltliche Kenntnis in Erinnerung bleibt, sondern durch eine Nebensache, die mit der eigentlichen Kompetenz nur wenig zu tun hat. Mario Voigt hat sich in die Köpfe vieler Menschen eingebrannt, weil er Björn Höcke den Unterschied zwischen Mett und Gehacktem referierte. Vor laufenden Kameras erwies sich der Thüringer Ministerpräsident als hochmütig und arrogant, um eine Duftmarke zu hinterlassen, die er auch im Skandal um seine Plagiate nicht mehr loswird. Nunmehr hat die Technische Universität Chemnitz entschieden, dem CDU-Regierungschef den Doktortitel zu entziehen. Ausgangspunkt sind 140 Fragmente in seiner Dissertation, die erhebliche Ähnlichkeit zu anderen Fundstellen aufweisen. In fünf weiteren Publikationen soll es ebenfalls 60 Passagen geben, die nach Ansicht des österreichischen Kommunikationswissenschaftlers Stefan Weber frappierende Ähnlichkeit zu Textstellen fremder Autoren aufweisen. Und offenbar waren die Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen, denn der erweiterte Prüfungsausschuss hat einstimmig entschieden.

Vor lauter Mett und Gehacktem scheint Voigt die eigenen Fehler nicht mehr zu sehen…

Doch statt Fehler einzugestehen, geht der 48-jährige in die Offensive. Er will die Hochschule verklagen, zeigt keinerlei Reue oder Bedauern. Stattdessen sieht er sich im Recht, obwohl die Beweislast erdrückend ist. Ein schlechter Verlierer, der nunmehr zum Rächer der Charakterlosigkeit wird. Denn der Wähler kann einem Repräsentanten nicht vertrauen, der potenziell dazu neigt, Täuschung und Betrügereien zu vertuschen, vielleicht sogar im Amt dazu bereit ist, ein ähnlich schändliches Verhalten an den Tag zu legen. Noch gilt zwar offiziell die Unschuldsvermutung, doch die wissenschaftliche Argumentation des zuständigen Gremiums hat es in sich. Ungekennzeichnete Übernahmen, fehlende Überprüfung von Sekundärquellen und systematisches Kopieren von Gedankengut Dritter über 15 Jahre hinweg, das ist kein Pappenstiel. Dafür braucht es schon eine Menge an Skrupellosigkeit, seinen eigenen Erfolg auf den Ideen und der Arbeit seiner Mitmenschen fußen zu lassen, die um ihre Originalität gebracht werden. Sich mit deren Federn zu schmücken, weil man offenbar selbst zu bequem ist, möglicherweise aber auch geistig schwach, bleibt eine frevelhafte Untugend.

Ein klares Urteil: Charakterlich ungeeignet zum Führen eines gesamten Bundeslandes…

Der Gang vor ein Gericht scheint nicht besonders aussichtsreich. In der Vergangenheit wurden derartige Verfahren abgewiesen, weil die Justiz in solchen Fällen hauptsächlich auf Rechtsverstöße prüft, nicht aber, wie substantiiert die Anhaltspunkte auf ein Imitat sind. Zwar spricht ein in Auftrag gegebenes Gutachten für Voigt, weil der Umfang der beanstandeten Stellen nur 2,6 % der Gesamtwortzahl beträgt. Nicht zuletzt will er damit punkten, ungefähre Bewertungsmaßstäbe erkannt zu haben. Doch wurde er tatsächlich kritischer behandelt als jeder andere Ex-Student? Hierfür bräuchte es eine konkludente und stichhaltige Begründung, die Untermauerung, dass die Expertengruppe den Betroffenen in der 16 Monate andauernden Untersuchung strukturell benachteiligt habe. Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr soll den Leumund nun also retten. Wie erbärmlich, projiziert man die systematische Sündhaftigkeit plötzlich auf seine vermeintlichen Gegner. Auch mit diesem Schachzug legt der Christdemokrat noch einmal sehr deutlich offen, von welcher Motivation er getrieben wird. Er stellt den Machtanspruch über seine Integrität, Buße und Scham sind Fehlanzeige.

Früher war es noch Usus, in einer derartigen Vertrauenskrise das Handtuch zu werfen…

Der Sesselkleber aus Erfurt dürfte nicht nur schlampig gewesen sein, sondern die Lorbeeren abgestaubt haben, für die er sich nicht selbst abgemüht hat. Es geht weniger um ein bloßes „Abschreiben“ wie in der Schule, sondern um die Entlarvung von Wesenszügen. In früheren Zeiten wäre die Karriere beendet gewesen, wie die Causa Karl-Theodor zu Guttenberg bewiesen hat. Heute klammert man sich an den letzten Strohhalm, wirft das Rampenlicht plötzlich auf die fragile Koalition. Instabilität im Parlament soll als Ausrede dienen, weshalb es nicht zu einem personellen Bruch kommen dürfe. Doch es ist genau umgekehrt: Solange sich jemand über Wasser zu halten versucht, gegen den derart gravierende Defizite im Raum stehen, wird man zwischen Saale und Unstrut, vom Harz bis ins Schiefergebirge nicht in ruhigeres Fahrwasser gelangen. Einmal ganz abgesehen von der miserablen Bilanz, mehr als 50 Prozent Unzufriedene in den Umfragen, einer Milliarde jährlicher Schuldenlast, striktem Sparkurs, Abhängigkeit von der Linkspartei und mangelnder Mehrheit im Plenum, fehlen dem Mettigel mittlerweile nicht nur Stacheln, sondern auch die Zwiebelringe.