Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Rückzieher von ‚Team Freiheit‘: Partei um Ex-AfD-Chef Frisch tritt doch nicht zur Landtagswahl an“ (aus: „Volksfreund“ vom 07.01.2026)

Post von Marcus Pretzell auf der Plattform X vom 10.01.2026
„Ich verstehe nicht, worin der Mehrwert besteht, wenn Journalisten, also Menschen ohne jede spezifische Expertise, die Welt erklären oder Diskussionen miteinander führen“, so sagt es Marcus Pretzell, seines Zeichens ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments, früherer Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD Nordrhein-Westfalen, aktuell Sprachrohr des „Teams Freiheit“. Ich könnte dem 52-Jährigen an dieser Stelle mein Abschlusszeugnis unter die Nase halten, in dem geschrieben steht, was mir in meiner Ausbildung vermittelt wurde. Ich könnte mich darüber aufregen, dass mir jemand in Pauschalität unterstellt, ich hätte keine expliziten Fachkenntnisse. Ich könnte es als Ausdruck der Schnelllebigkeit von Virtualität und Social Media abtun, was ein eigentlich gestandener Mann an plumpem Populismus auf X in die Menge haut.
Wenn die Nase die Decke berührt, ist die Arroganz über den Kopf hinausgestiegen…
Stattdessen mache ich mich eher auf Spurensuche, wie es eigentlich um diese neu gegründete Partei steht, welcher jener Jurist angehört, der mit Initiatorin Frauke Petry verheiratet ist. Zwar betont man im Programm unmissverständlich Pressefreiheit, unterstreicht die Bedeutung der unbehelligten Rede. Doch die Feindseligkeit gegenüber der vierten Gewalt ist unübersehbar. Die 50-jährige Bundestagsabgeordnete a.D., die zusammen mit Thomas Kemmerich an der Spitze der libertären Bewegung in Deutschland steht, gab erst kürzlich in einem Interview zu verstehen: „Medienvertreter im öffentlich-rechtlichen Sektor und auch bei namhaften überregionalen Zeitungen definieren sich selbst mehr über Haltung und politischen Aktivismus zugunsten roter und grüner Politik. […] Konservative und freiheitliche Journalisten sind klar in der Unterzahl […]“.
Wenigstens hat sie es geschafft, zu differenzieren. Dies gelang ihrem Ehemann nicht. Er holte den Knüppel aus der Mottenkiste, schlug ihn auch jenen souveränen Kollegen zwischen die Füße, die nicht nur die Publizistischen Grundsätze hochhalten, sondern auch chancengerecht mit denen verfahren, die im Augenblick nicht Fisch und nicht Fleisch sind. Erst sammelte man Unterstützungsunterschriften, um bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg anzutreten. Als man die formalen Voraussetzungen erfüllte, zog man die Kandidatur zurück. Nach außen wirkt dieses Bündnis wie ein elitärer Kreis, der darauf beharrt, lediglich erfahrene und kompetente Persönlichkeiten, ehemalige Funktions- und Mandatsträger – beispielsweise aus der FDP -, vor den Karren zu spannen. Ein Zirkel der Abgeschlossenheit, der sich als etwas Berufenes und Auserwähltes sieht.
Im „Team Freiheit“ entwickelt sich ein elitäres Eigenleben, das äußerst unsympathisch wirkt…

Antwort von Frauke Petry an Markus Haintz auf der Plattform X am 11.01.2026
Nicht zum ersten Mal macht man sich unbeliebt, stellt seine Hochmütigkeit und Arroganz offen zur Schau. Einigermaßen zeitgleich zu Pretzell knüpfte sich Petry den Rechtsanwalt und Autor Markus Haintz vor. Sie antwortete ihm auf einen Post: „Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Nicht jeder, der sein Geld mit den Opfern von Zensur verdient, steht hinter den Idealen des freien westlichen Abendlandes. Mancher ist im rechtswoken Schnellroda zu Hause“. Eine herablassende wie überhebliche Art zieht sich durch das Personal jener Kraft, die sich hehrer Ziele rühmt, aber dem Reiz von Hybris und Insolenz verfallen ist. Reflexartiges Urteilen, süffisantes Moralisieren. Da scheint sich eine Glaubensgemeinschaft herauszubilden, die nicht wirklich den Anspruch hat, ernsthaft auf dem politischen Tableau mitzuwirken, sondern ein geschwollenes Eigenleben zu entwickeln.
Doppelzüngigkeit und Heuchelei gegenüber den eigenen Prämissen trägt nicht wirklich zur Glaubwürdigkeit bei. Man macht sich keine Freunde, wenn man sämtliche Multiplikatoren verprellt, weil man sie in Stolz und Eitelkeit über die eigene Qualifikation abkanzelt, diskreditiert und schmäht. Deutlich mehr als eine Handvoll wohlwollender Portraits habe ich über das „Team Freiheit“ verfasst. Nun weiß ich, wie man wirklich über mich denkt. Denn ich bin einer von denen, die subsumiert, von einem selbsternannten Richter und Henker dem Ungebildetsein überführt wurden. War es das schon mit dem Abklatsch Javier Mileis in Europa? Nahm man die Kettensäge vielleicht ein bisschen zu ernst, sägte im Übereifer des Postfaktischen sogar jene mit ab, die eigentlich unvoreingenommen die Hand ausstreckten, aber nun eines Besseren belehrt wurden?







