Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Merz’ Rede auf dem CDU-Parteitag: ‚Wer heute einem naiven Pazifismus folgt, befördert die Kriege von morgen‘ (aus: Tagesspiegel vom 21.02.2026)
Sobald ein Parteitag den Anschein erweckt, sich über weite Strecken monothematisch um Außenpolitik zu drehen, ist ein kritischer Beobachter mehr denn je gefordert, hellhörig zu werden. Denn nicht zum ersten Mal stehen die Zeichen bei Friedrich Merz auf Kriegstüchtigkeit. Schon lange will er uns verteidigungsfähig machen. Doch seitdem klar geworden ist, dass es keine substanziellen Hinweise und Belege für einen Einmarsch der Roten Armee 2.0 gibt, wirken die Worte des Kanzlers wie eine Vorbereitung auf den Angriff. Soll da ein Konflikt ausgeweitet werden, durch Provokation des Westens, allen voran, vielleicht sogar die Bundesrepublik? Die NATO-Osterweiterung war zumindest ein Grund für Putin, sich herausgefordert zu fühlen. Ein Baustein in der Genese des fortwährenden Dramas, welches oftmals vergessene Ursachen und Wirkungen hat. Die EU war vorne mit dabei, als es zum Sturz auf dem Maidan kam. Da scheint eine unheilige Allianz am Werk, ein übereifriger Zampano. Angeblich, weil Sicherheit und Freiheit auf dem Spiel stehen. Einst am Hindukusch, dann am Horn von Afrika, im Gazastreifen, in Venezuela und jetzt im Donbass. Als ob es Spaß macht, den Krawallmacher zu geben, vermeintliche Werte Dritten aufzuzwängen.
Ein fatales Signal der Eskalation: Soll schon wieder Krieg ausgehen von unserem Land?
Nein, nichts relativiert das Vorgehen des Kremls. Es ist unverhältnismäßig, unnötig und mit dem Gedanken von Völkerrecht, Souveränität und Ausgleich unvereinbar. Doch kehren wir tatsächlich zurück zu Auge um Auge, Zahn um Zahn, weil die Dämme gebrochen sind? Ein Wettrennen um die beste Abschreckung? Ein Kräftemessen, das aus einem Brandherd ein Flächeninferno machen kann? Von „naivem Pazifismus“ sprach der CDU-Vorsitzende. Was würde sich ein Willy Brandt bei diesem Duktus im Grab umdrehen. Wir müssten „die Sprache der Macht sprechen lernen“. Eine Drohung in sämtliche Himmelsrichtungen, ein Appell zur Aufrüstung. An Beschwichtigung glaube er nicht mehr, denn sie habe in der Historie selten weitergebracht. Doch was ist beispielsweise mit dem Pax Westphalica, dem Vertrag von Kadesch, dem Ende des Chaco-Kriegs, dem Good Friday Agreement, den Havanna-Verhandlungen, dem Abkommen von Algier und so fort? Sie wären nicht möglich gewesen, hätte man auf Zuspitzung und Abnutzung gesetzt. Dass es bei unseren Nachbarn zu gigantischen Verlusten und Kosten kommt, ist nicht zuletzt auch einer zweifelhaften Tugend zu verdanken, die territoriale Integrität über Menschenleben zu stellen.
Wer nicht an Gewaltlosigkeit glaubt, hat die Erfolgsgeschichte der Diplomatie vergessen…
Man kann darauf verweisen, dass es ungerecht ist, Grenzen im 21. Jahrhundert mit Gewalt zu verschieben. Doch wir leben nicht im Wunschtraum, sondern in einer bitteren Realität. Da geht es weniger um Kapitulation, sondern um Pragmatismus. Ein aussichtsloses Gefecht, das sich im Zweifel noch ewig hinziehen kann. Diplomatie und Verhandlung sind nicht Zeichen der Schwäche. Sondern ein Unterstreichen des Sprichwortes, wonach der Klügere nachgibt. Wie viele Städte sollen noch fallen, wie viele Soldaten und Zivilisten müssen herhalten? Experten sind sich weitgehend einig, die Föderation kann auf dem Schlachtfeld kaum bezwungen werden. Da wird es ein paar Kilometer an der Frontlinie nach vorne gehen, um in ein paar Wochen wiederum zurückgeworfen zu sein. Diese Verlängerung von Leiden und Qual macht keinen Sinn, sie dient allenfalls jener Industrie, die mit Kusshand Panzer, Drohnen und Granaten produziert. Die unsichtbaren Profiteure lassen auch Merz wie eine Marionette tanzen. Er scheint getrieben und infiziert vom Virus der Bewaffnung und Mobilisierung. Erpressbar werden wir nicht dadurch, dass wir Vernunft walten lassen. Stattdessen im guten Glauben, es mit jedem aufnehmen zu können.
Rüstungsindustrie bedenkt die CDU: Spenden von mehr als einer Million Euro seit 2005…
Festigkeit und Entschlossenheit solle von Deutschland ausgehen, man müsse „auf Touren kommen“. Das klingt ähnlich wie damals, in der Pandemie. Auch dort haben die Pharmafirmen die Laufbänder angeschmissen. Unsummen sind geflossen, nicht zwingend um der Gesundheit willen, sondern der Vermehrung des Kapitals einer Nischenbranche. Und bei der Transformation? Da lachen sich Unternehmen ins Fäustchen, die Wärmepumpen und Windräder herstellen. Eine milliardenschwere Subvention zugunsten eines ausgewählten Segments. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Christdemokrat als ehemaliger Lobbyist von „BlackRock“ und der „Atlantik-Brücke“ dieselben Interessen vertrat, welche er nun im Gewand des Regierungschefs propagiert. Durchsichtiger könnte das Manöver kaum sein, da hat sich jemand vor den Karren spannen lassen. Die Friedenstaube wird auf dem Altar des Reibachs geopfert, das „Peace“-Zeichen zur Makulatur degradiert, klingeln erst einmal die Kassen. Think Tanks und „Airbus“ gehören zum Netzwerk. Personelle Verflechtungen zwischen Union und Konzernen wie „Rheinmetall“ sind kein Geheimnis mehr. Und Spenden auf das Konto des Konrad-Adenauer-Hauses ebenso wenig.








