Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Konzernumbau und schwache Nachfrage: Autozulieferer ZF macht Milliardenverlust“ (aus: DER SPIEGEL vom 19.03.2026)
Die Bodenseeregion gibt sich wirtschaftlich nur bedingt strukturstark. Stattdessen dominiert vor allem der Tourismus als wesentliches Standbein, um die kommunalen Haushalte zu stützen. Zu einer der bekanntesten und bedeutsamsten Firmen gehört wohl ZF, die einen Namen hat in der Branche. Der Automobilzulieferer mit seinem Hauptsitz in Friedrichshafen war eigentlich stets ein Zugpferd. Doch die momentane Krise setzt auch diesem Betrieb erheblich zu. Jüngst veröffentlichte man die Zahlen für 2025. Der Umsatz ging nominal um sechs Prozent zurück, unter dem Strich steht ein Fehlbetrag von 2,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis zwingt zu neuen Einschnitten. Und sie werden die Gegend hart treffen. Immerhin sind nicht nur wesentliche Teile von Verwaltung, Produktion, Forschung und Entwicklung hier ansässig. Viele der 150.000 Mitarbeiter sind vor Ort beschäftigt. Obwohl man bereits im Vergleichszeitraum 8.500 Stellen abbauen musste, werden noch einmal 14.000 bis 2028 hinzukommen. Dies soll zwar weitgehend sozialverträglich geschehen, durch Fluktuation, Abfindungen und Altersteilzeit. Trotzdem dürfte die Erwerbslosenquote im Südwesten zunehmen.
Die Arbeitslosigkeit dürfte in die Höhe gehen, die Verluste nur schwer einzugrenzen sein…
Aus dem gesamten Einzugsgebiet bis nach Konstanz, in die Nordschweiz und nach Bayern hinein, kommen die Angestellten. Die neuesten Statistiken verbreiten Sorge und Unsicherheit unter der Belegschaft. Dabei steht dieser Einzelfall stellvertretend für die ökonomische Lage der Bundesrepublik insgesamt. Der Ausbau der E-Mobilität läuft deutlich langsamer als erwartet. Die Nachfrage nach Pkw und Nutzfahrzeugen ist in Europa eingebrochen. Besonders aber drücken die exorbitanten Werkskosten, welche typisch sind für ein bürokratisches und reguliertes Deutschland. Wachsende Löhne, gestiegene Energiepreise, starre Tarifbindungen und fehlende Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu internationalen Standorten. Hat man den Anschluss an die Transformation verpasst? Oder ist die ideologische Umwälzung gar schuld daran, dass der Absatz stockt? Die Stimmungslage unter der Bevölkerung lässt Wehmut erahnen gegenüber dem Aus des Verbrennermotors. Verordnet von der EU, beworben durch Robert Habeck, ist man gefangen in einem übergestülpten Wandel, der auf dem Reißbrett funktionieren mag. In der Realität scheitert er bereits an der Sinnfrage und Zweckmäßigkeit.
Bei Standortattraktivität, Innovation und Deregulierung sind wir auf den letzten Rängen!
Die Konkurrenz aus China belastet. Entweder wurde der Quantensprung verschlafen – oder man hat zu spät damit begonnen, eigene Kundenlandschaften zu erschließen, unabhängige Innovation voranzutreiben und das Angebot zu diversifizieren. Dass der Marktdruck lähmt, ist nicht zuletzt der Bundesregierung durch ihre Steuerpolitik zu verdanken. In der europäischen Rangfolge liegen wir bei den Abgaben ganz weit vorne, in Sachen Entfesselung und Fortschritt hingegen auf den letzten Plätzen. Die Rezessionsrisiken sind kaum zu übersehen. Doch Berlin legt die Hände in den Schoß, Brüssel verkompliziert durch seinen Beamtenapparat die realsozialistischen Gegebenheiten weiter. Volatile Absätze und ein schwaches Wachstum sind kein Schicksal. Es bräuchte eine Gegenwende, doch woher soll sie kommen? Friedrich Merz beschäftigt sich vorrangig mit der Ukraine, Lars Klingbeil präsentiert der Öffentlichkeit eine Zumutung nach der nächsten. Was hat man konkret für Mittelstand und Spitzenindustrie getan, wo sind all die Anreize und Vergünstigungen? Sobald die CDU einen zaghaften Schritt nach vorne macht in Richtung Liberalisierung, wird sie von der SPD zurück geprügelt.
Würde die Politik vorausschauend arbeiten, könnten sich Unternehmen darauf einrichten!
Dabei sind Lösungen gar nicht so weit. Doch der weltanschauliche Dickschädel der Zuständigen nimmt unsere Unternehmen als Geisel. Mehr Flexibilität bei den sogenannten Klimazielen, hybride Brückentechnologien zulassen, statt sich auf einzelne Alternativen zu fixieren. Es braucht mehr Luft zum Atmen, Genehmigungsverfahren müssen schneller ablaufen. Qualifizierung und Investition sollten erleichtert, Gebühren erniedrigt werden. Es braucht Planungssicherheit, man muss sich perspektivisch darauf einstellen können, was Ausläufer sind, worauf man künftig setzen will. Bisher gibt es ein heilloses Durcheinander an Verordnungen, Regeln und Konzepten. Und auch keine einheitliche Philosophie darüber, mit welchen Stärken man Alleinstellung erzielen möchte. Längst schon hätten wir vor die Welle kommen sollen, doch solange Hemmnisse bestehen, die das Überholen unattraktiv machen, darf sich niemand darüber wundern, wie schleppend der Umbau verläuft. Kaum ein anderer Erdteil macht es seinen Hersteller so schwer, Aufschwung zu generieren. Wir sind längst kein Vorreiter mehr, kein Aushängeschild und kein Leuchtturm, sondern die rote Laterne.








