Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Partei im Umbruch: Neuer Namensvorschlag für das BSW – Wagenknecht betont Einigkeit“ (aus: Kölner Stadtanzeiger vom 09.11.2025)
Was bringt Menschen dazu, Verantwortung in der Politik übernehmen zu wollen? Manchmal ist es das Maß an Frustration, der man ab einem gewissen Punkt Luft verschaffen möchte. Oder es scheint die Überzeugung, nur dann etwas verändern zu können, wenn man aus der Beobachterrolle ins aktive Geschehen wechselt. Und ab und zu ergibt sich ganz plötzlich die Gelegenheit, in einer neu aufkeimenden Partei Chancen für möglichst viel individuelle Entfaltung zu sehen, welche dazu bewegt, nicht länger nur zu kritisieren, sondern selbst das Heft des Handelns zu beanspruchen. Dann gilt man als sogenannter Quereinsteiger, der nicht etwa die Karriereleiter im System hochstieg, sondern von außen kommt, aus der Praxis, dem wahren Leben. Derartige Charaktere sind eine Bereicherung, ist ihnen der Blick auf die Realität nicht verschlossen, sondern bringen sie Erfahrungen von dort mit, wo es laut Sigmar Gabriel „laut ist, wo es brodelt, wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt“. Sich nicht vor der Begegnung mit dem Volk zu scheuen, sondern als einer von uns in den Ring zu steigen, als echter Vertreter der einfachen Leute, um andere Perspektiven zu ergreifen. Das erfordert Rückgrat, Mut und Courage – bei gleichzeitiger Demut vor den Aufgaben und Entscheidungen.
Realpolitiker sind das Salz in der Suppe einer jeden Partei, die es ernst meint mit der Macht…
In vorbildlicher Weise hat diese Ideale der Landtagsabgeordnete Ronny Kupke in die Wirklichkeit umgesetzt, der sich aus Enttäuschung dem Bündnis von Sahra Wagenknecht zuwandte, um Fachwissen aus der bürgerlichen Mitte einzubringen. Als gelernter Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen war er 25 Jahre bei der AOK PLUS beschäftigt. Nunmehr vertritt er im Parlament von Dresden die Interessen der Wähler, tritt für Vernunft und Gerechtigkeit ein. Der 1977 in der damaligen Karl-Marx-Stadt geborene Co-Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes kritisiert die Bevormundung durch das etablierte System, setzt sich für mehr Direktdemokratie und gegen ein Schwarz-Weiß-Denken auf allen Ebenen ein. Ideologisch bringt er linke Arbeitnehmerrechte mit konservativen Überzeugungen, wie etwa die Skepsis gegenüber dem EU-Zentralismus, die Ablehnung von Aufrüstung und Pragmatismus bei der Migration, in Einklang. Zwar lehnt er eine strukturelle Zusammenarbeit mit der AfD ab, kann sich aber gemeinsame Entscheidungen im fachspezifischen Einzelfall durchaus vorstellen. Der Personalrat will die Krankenhäuser in der Peripherie erhalten, die Pflege vor Ort verbessern und die Versorgung im ländlichen Raum nicht zuletzt durch Telemedizin stärken.
Das BSW hat eine Chance verdient – gerade mit Blick auf ein authentisches Wahlergebnis…
Fehler aus der Corona-Pandemie sollten in einem Untersuchungsausschuss aufgearbeitet, der Mindestlohn auf 15 Euro – unter Berücksichtigung der Preisentwicklung für ein auskömmliches Dasein – angehoben werden. Das Renteneintrittsalter dürfe man nicht erhöhen, stattdessen brauche es eine grundsätzliche Reform der Finanzierung unserer Altersvorsorge. Auch die Schuldenbremse sei zu überarbeiten, Industrie und Mittelstand benötigten Unterstützung – nicht zuletzt durch den Abbau von Bürokratie. Das Budget verlange nach Weitsichtigkeit und Verlässlichkeit, Planungen dürften keinesfalls auf eine Legislaturperiode beschränkt sein. Mit Blick auf die Zuwanderung komme man an verpflichtenden Deutsch-Tests mit drei Jahren sowie Integration durch Qualifizierung von Transferleistungsempfängern mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit kaum vorbei. Für die Ukraine wünscht er sich einen Waffenstillstand ohne Vorbedingungen, die Friedensarchitektur solle im Respekt vor Sicherheitsinteressen aller Seiten aufgebaut werden. Der Ausschusschef pocht auf weniger Übergriffigkeit – wie etwa beim Heizungsgesetz oder dem Gendern. Und nicht zuletzt glüht er für einer Neuauszählung der Bundestagswahl, um der Ehrlichkeit des Ergebnisses willen.







