Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Pro-Palästina und Pro-Israel: Rund 3000 Menschen bei Demos in Leipzig“ (aus: „Deutschlandfunk“ vom 18.01.2026)
Ein Grund, warum ich dem linken Lager den Rücken kehrte, lag schon vor vielen Jahren klar auf der Hand: Die SED-Nachfolge hat ein massives Problem mit Antisemitismus. Und man muss keine großen Recherchen betreiben, um sich in dieser Auffassung bestätigt zu fühlen. So beschloss die Nachwuchsorganisation „solid“ 2025: „Wir haben versagt, den kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts, der sich von seinen Anfängen bis heute in der Eroberung neuer Gebiete und in der Vertreibung ihrer Einwohner:innen ausdrückt, anzuerkennen und die Verbrechen des israelischen Staates, vom Apartheidsystem bis zum Genozid in Gaza, unmissverständlich beim Namen zu nennen und zu verurteilen“. Einseitiger könnte man kaum Position beziehen im Nahen Osten, Opfer zu Tätern machen, Ursache und Wirkung verwechseln. Man rühmt sich der Verachtung für ein Land, das sich im Kampf gegen islamistischen Terror verteidigt, in seiner Identität und Souveränität bedroht ist. Da gibt es keinen Kontext, keine Zusammenhänge, sondern lediglich Scheuklappen.
Scherz oder Ernst: Wie weit geht der Judenhass in der Linksjugend wirklich?
Die Perspektive derjenigen, die über Jahrzehnte von einer Welle der Aggression einer Muslimbruderschaft heimgesucht wurden, bleibt gänzlich ausgespart. Selbstverständlich ist es legitim, an der Verhältnismäßigkeit des Vorgehens von Jerusalem im besetzten Küstenstreifen zu zweifeln. Doch von einer derartigen Differenzierung wird man dort nichts lesen, wo die Forderung nach einem Boykott israelischer Institutionen ausgeschrieben steht, die angeblich „Apartheid und Besatzung“ fördern. Schon im August waren die Frankfurter Nachwuchsgenossen durch einen Social-Media-Post in die Schlagzeilen geraten, als eine jüdische Schülergruppe aufgrund von Hebräisch-Gesang aus einem Flugzeug verwiesen wurde. Hierzu kommentiere die Linksjugend aus der hessischen Hauptstadt: „Wir müssen leider enttäuschen: Der Rauswurf fand nicht statt, während das Flugzeug in der Luft war“. Weil diese Äußerung als Aufruf zum Mord gewertet wurde, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Intern wurden wohl jene unter Druck gesetzt, die sich von dieser Menschenverachtung distanzierten.
Der 7. Oktober 2023, der Überfall auf Israel, wird zum Akt der Befreiung verklärt…
Es entwickeln sich klare Tendenzen, wer die Oberhand hat. Es sind die Israelhasser, die es seit einem Parteitagsbeschluss vom Mai legitim ablehnen, die Infragestellung des Existenzrechts des jüdischen Staates als antisemitisch zu betrachten. Das „Stigma“ des Antizionismus sei zu einem „repressiven Instrument“ geworden, um unliebsame Kritik und politischen Protest zu verhindern, wird selbstbewusst als Normalität verkauft. In einem Schiedsverfahren äußerte im Dezember 2025 ein prominentes Linken-Mitglied zum Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023, dass es sich hierbei um einen „Ausbruch kolonialer Gegengewalt“ gehandelt habe, die Terrororganisation sei prinzipiell „nicht eliminatorisch“ ausgerichtet. Welch eine Leugnung der Realitäten! Und auch in der Spitzenebene kann man sich nicht freimachen von Vorurteilen. Mit Blick auf das Agieren Netanjahus wird regelmäßig von „Kriegstreiberei“ gesprochen, ungeachtet der Rollen, die die beiden Konfliktpartner einnehmen. Kein Wunder, wie sehr man über importierte Judenfeindlichkeit nach Deutschland schweigt.
Da wird der Holocaust relativiert, „Zionisten“ mit dem Tod gedroht: Alles ganz normal?
Martha Chiara Wüthrich, ihres Zeichens Co-Sprecherin der Linksjugend, betrieb Geschichtsklitterung auf dem eigenen Bundeskongress, als sie zum Einmarsch in Gaza rief: „Das ist ein Völkermord. Das ist ein fucking Holo…, das ist der der Holo…“. Beim Protest vor der Magdeburger Paulus-Kirche ließen sich Anhänger und Unterstützer der Linken mit Worten wie „Palästina, DDR, Völkerfreundschaft ist nicht schwer!“ oder „Bodo Ramelow oder wer auch immer, die ganzen Zionisten in der Linkspartei, die haben sich mitschuldig gemacht. Und diese Leute werden wir zur Rechenschaft ziehen“ ein. Da brodelt es also, die Übermacht scheinen jene zu gewinnen, die feststellen: „Das müssen die Palästinenser selber entscheiden, zu welchen Mitteln sie greifen. Das liegt ja nicht in unserer Hand“. Ganz offene Drohungen gegen Israelfreunde werden in Chats geteilt: „Leckt Eier ihr Hurensöhne, in 21 Tagen werden Köpfe rollen“. Es gibt Chat-Verläufe, in denen von „Säuberungen“ gesprochen wurde, „also Säuberungen von Zionisten“, so eine Zeugin. Kommt die Gefahr für die Demokratie also wirklich von rechts?







