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Ein moderner Manfred Bartz, ein neuer Peter Sodann: Wie sich Comedian Nikolai Binner in beeindruckender Weise dem Zeitgeist widersetzt!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Cancel Culture: Hausverbote und Absagen gehören für Comedian Nikolai Binner zum Alltag“ (aus: „NiUS“ vom 21.01.2026)

Immer wieder werden wir zum Gedenken an die vergangenen Diktaturen ermahnt. Nicht noch einmal solle geschehen, was unsere Geschichte dunkel gefärbt hat. Wie beklemmend ist es in diesem Zusammenhang, dass nicht nur Menschen aus der ehemaligen DDR das Gefühl haben, die Bundesrepublik im Jahr 2026 entwickele sich ähnlich wie das autokratische System von damals. Da wird die Opposition unterdrückt, man möchte sie verbieten, schwärzt ihre Wähler beim Arbeitgeber an, bedient sie nicht mehr in Restaurants, ruft zum Boykott ihrer Unternehmen auf. Und auch Kulturschaffende machen die Erfahrung, bei einer „falschen“ Gesinnung in den Fokus einer aufgeschreckten „Zivilgesellschaft“ zu rücken, einer Armee der Rächer des „Guten“ und „Schönen“, also des „Linken“ und „Vielfältigen“. Wer sich nicht in diese Schublade pressen lässt, der muss mit Zensur rechnen. Ähnlich ergeht es beispielsweise dem deutschen Comedian Nikolai Binner. Der 1991 geborene Internetstar tourt durch die Lande, stößt allerdings immer öfter auf Wiederstand. Veranstalter werden eingeschüchtert, Räumlichkeiten stehen plötzlich nicht mehr zur Verfügung, vermeintliche Kooperationspartner distanzieren sich, nachdem eine Welle der Empörung, ein Auswuchs des schlichten Denunziantentums, offenbar Eindruck hinterlassen hat.

Nicht regimetreu zu sein, das war früher wie heute Anlass, geschasst zu werden…

Und all das nur, weil er anders ist. Er hegt keine Berührungsängste zu den von der woken Schickeria Gescholtenen. Er hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor, indem er sich ausdrücklich nicht von vermeintlichen Verschwörungstheoretikern, AfD-Wählern oder Aluhutträgern distanziert, sondern erkennen lässt, dass er ideologisch selbst rechts der Mitte steht. Mit kluger Persiflage stemmt er sich gegen die Ausgrenzung von Ungeimpften, macht keinen Hehl aus der Notwendigkeit zu konsequenter Remigration. Verpackt in Witz und Spott, ermahnt der Berliner zur Konfrontation mit der Realität. Seine bissige wie schmissige Abrechnung mit dem Zeitgeist lässt ganze Hallen jubeln, Termine sind lange im Vorfeld ausverkauft. Doch genau dieser Erfolg macht ihn zum Hassobjekt derjenigen, die Meinungs- und Kunstfreiheit nicht verstanden haben. Mittlerweile tritt er an geheimen Orten auf, Besucher erfahren erst am Tag selbst, wohin sie kommen müssen. Aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen, man muss sich diese Zustände auf der Zunge zergehen lassen. Weil er angeblich Hetze gegen Ausländer verbreite, dabei spricht er nur das aus, was die schweigende Mehrheit denkt. Wenn er verbal gegen Linksextremisten feuert, dann ist das kein Angriff, sondern die Verteidigung von Gewaltlosigkeit.

Antifa, Migration, Corona: Unrecht muss benannt werden, besonders auf der Bühne…

Denn wer terrorisiert die Allgemeinheit, beispielsweise durch Anschläge auf die Stromversorgung? Die Gefahr für unser System kommt schon längst nicht mehr von den „Nazis“. Sie sind ausgestorben, nun hat der wütende Mob der Antifaschisten übernommen. Da setzt sich jemand für die Zweigliedrigkeit der Geschlechter ein, verarbeitet die sogenannte Selbstbestimmung mit scharfsinniger Ironie. Man will ihm einen Strick daraus drehen, dass er sich nicht vom verschrienen, konservativen „Kopp-Verlag“ distanziert. Im Gegensatz zu manch einem Gastspielhaus lässt er sich von Shitstorms aller Art nicht irritieren. Mit einem bemerkenswerten Rückgrat hält er den Stürmen stand, die man allein deshalb auf ihn losgelassen hat, weil er – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen – ausdrücklich nicht umgefallen ist. Stattdessen steht er mehr denn je authentisch für sein Weltbild. Schon 2022 durfte er deshalb nicht in Kassel Halt machen, kritisierte er die Pandemiepolitik. Auch in den Folgejahren kam es zu kurzfristigen Kündigungen von Seiten manch einer Lokalität, sogar in der Schweiz gab es Probleme. Nur wenige schafften es, der Absagenmentalität nicht zu verfallen. Die Ablehnung von Verträgen mit Clubs entspricht de facto Auftrittsverboten, der Kreis zur Vergangenheit schließt sich.

Wer den Geächteten eine Stimme gibt, wird schnell zum Feind des „Guten“ degradiert…

Wo sind wir also hingekommen, wenn diejenigen nicht mehr öffentlich reden dürfen, welchen so viele Enttäuschte über die Zustände in unserem Land gerne lauschen würden? Ein ehrlicher, ordinärer und unkomplizierter Kopf bringt die Volksseele in Wallung, kanalisiert aber gleichzeitig die Stimmen der Unzufriedenen. Er schenkt jenen Gehör, die ansonsten verpönt werden. Da fühlt sich ein Publikum ernst genommen, kann sich in nahezu jedem Wort wiederfinden. Bodenständig und bürgernah, einer von uns. Ungezwungen, ohne jede Aggression, ein Kumpel für dich und mich. So jemand kann Neid und Eifersucht erzeugen, die häufigsten Motive, ihn klein halten zu wollen. Wer mobilisiert und begeistert, gegen die Mächtigen wettert, hat in despotischen Verhältnissen schwere Karten. Provokant, frech und tabubrechend zu sein, gleichsam aber reflektiert und selbstkritisch, das macht Binner zu einem Ausnahmetalent. Seine eklatante Ablehnung der Regierungsagenda, der libertäre Einschlag und der zynische Rebell in ihm werden weiterhin für Furore sorgen. Ein moderner Manfred Bartz, ein neuer Peter Sodann treibt den Verantwortlichen die Sorgenfalten ins Gesicht. Denn es waren schon früher die regimekritischen Akteure auf der Bühne, welche manch einen Schlafwandler aus dem Traum der Gerechten aufweckten.