Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Wahlkampf oder No-Go? In Ehingen wurde der Narrenbaum mit Plakaten von Manuel Hagel ‚geschmückt'“ (aus: SWR vom 30.01.2026)
Eigentlich sollte sich, dem Namen nach, mit einem möglichen Ministerpräsidenten Manuel Hagel ein reinigendes Gewitter über Baden-Württemberg ankündigen. Doch nach derzeitigen Prognosen erlebt das „Ländle“ auch nach dem 8. März 2026 ein „Weiter so“. Wahrscheinlich unter umgekehrten Vorzeichen, regiert dann die CDU mit den Grünen. Die Partner bleiben gleich, die Rangfolge ändert sich. Denn selbst wenn die AfD deutlich aufholen sollte, in manchen Umfragen zeitweise auf Platz zwei stand, bestehen für sie realistisch keine Machtoptionen. Eine phlegmatische Lethargie, eine bleierne Schwere, dürfte sich über den Südwesten legen, übernimmt der 1986 geborene Bankbetriebswirt das Ruder. Denn sein Bekanntheitsgrad reicht kaum über Hochrhein und Odenwald hinaus. Er wirkt blass im Auftreten, vielleicht jugendlich und dynamisch, bisweilen aber aalglatt, ohne eine mitreißende Vision für Aufbruch und Umkehr. Zwar blickt der Ulmer selbstkritisch auf die Zeit der Union unter Merkel, doch eine wirkliche Kurskorrektur kann von ihm nicht erwartet werden. Und dies liegt vor allem im Argwohn gegenüber der AfD begründet.
Womit würde die CDU im Stammland nur werben, gäbe es die „Vaterlandsverräter“ nicht…
Überall dort, wo er im Wahlkampf auftritt, geht es weniger um die eigenen Positionen, sondern um Wortgewalt auf die Opposition. Sie verrate das Erbe Adenauers, würde sich des „Vaterlandsverrates“ schuldig machen. Begründen kann er diese Parolen kaum, stattdessen wirken sie wie Nebelkerzen, ist das Programm der Christdemokratie doch einigermaßen dürftig. Seine Vision von morgen erweist sich schon allein deshalb als widersprüchlich, weil er „neuen Wohlstand“ schaffen will, aber an der ökologischen Transformation festhält. Die Quadratur des Kreises ist mathematisch wie politisch unmöglich, Sozialismus funktioniert auch dann nicht, wenn man ihn grün anstreicht. Etwas weniger Planwirtschaft, ein Fünkchen mehr Energieoffenheit. Das wird den Automobilstandort nicht retten, die Chemiebranche kaum entlasten, die Wettbewerbsbedingungen höchstens marginal verbessern. Verkopfte Ideologie, getrieben von der Mission, das lebenswichtige CO2 ins Bodenlose zu regulieren, die Vorbereitungen auf ein Bündnis mit Cem Özdemir scheinen prächtig zu laufen, Kretschmanns Kontinuität ist gesichert.
An der Transformation festhalten, aber den Wohlstand fördern: Ein Widerspruch in sich?
Industrielle Cluster schaffen zu wollen, sieben Stück an der Zahl, wie es die „Agenda 2036“ vorsieht, hört sich tatsächlich wie ein Innovationsschub für Photonik, Verteidigungsindustrie oder Medizintechnik an. Doch wie soll ein „Testfeld und Motor für Startups“, ein „Reallabor der Entfesselung“ gelingen, klettet man sich an die feste Überzeugung, das Wetter vertrage kein Kohlenstoffdioxid? Da gründet man mit Bayern und Hessen eine „Koalition der Vernunft“, gleichzeitig sitzt am Bodensee ein verantwortlicher Bundestagsabgeordneter mit „schwarzem“ Parteibuch, der jüngst dafür gesorgt hat, dass eine Entschärfung der Klimaziele nicht in Frage kommt. Andreas Jung betont seinen Pragmatismus, dabei handelt er lobbyistisch. Weshalb sollte es bei Vertretern auf Landesebene anders sein? Auch Hagel übt sich im Spagat, setzt auf Alternativen wie E-Fuels, Wasserstoff oder Biokraft, ohne aber Kosten und Nutzen abzuwägen, Chancen und Risiken ehrlich zu betrachten. In der Sache bleibt es bei Deindustrialisierung durch Dekarbonisierung. Hierüber sollte man sich nicht täuschen lassen von einem ambitionierten Strategen.
Manuel Hagel gilt als unscheinbarer, aalglatter Konformist, ohne Profil, mit viel AfD-Wut…
Der Mandatar in Stuttgart ist bislang nicht durch größere Affären und Skandale aufgefallen, stattdessen sagt man ihm nach, zu wenig Präsenz zu zeigen. Er gilt als der korrekte, makellose und fehlerfreie Karrierist, ein Saubermann, solange es nicht um die Schmähung der „blauen“ Konkurrenz, ihrer Funktionsträger und Sympathisanten geht. Dann kann er nicht an sich halten, der Kreisrat zwischen Alb und Donau. Allerdings bleibt es bei Phrasen, inhaltlich stellen, das misslingt ihm. Halbherzig setzt er auf Recht und Ordnung, verlagert die Verantwortung in einen geplanten „Sicherheitsrat“. Wer in Deutschland nicht mehr weiter weiß, der gründet einen Arbeitskreis. Eine Kapitulation ist auch die Ankündigung, ein allgemeines „Messerführungsverbot“ zu erlassen. Symptombekämpfung, nicht Ursachenforschung, das erwartet all jene, die den Konservativen schon immer vertraut haben. Davon existieren viele von Freiburg bis Tübingen, von Karlsruhe bis Ravensburg. Und als ob es nichts Wichtigeres gäbe, steht eine Handysperre im Klassenzimmer ganz oben auf dem Plan. Prioritätensetzung à la Robert Habeck.







