Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD spricht von ‚Remigration‘ – Was meinen sie mit dem Begriff?“ (aus: FAZ vom 16.02.2026)
Es gibt Augenblicke im Leben, da wird der eingeschlagene Weg durch massive Erschütterungen bisheriger Überzeugungen unterbrochen. Als ich einst noch im sogenannten progressiven Lager verortet war, da ist mir die Zuwendung zum Menschen von größter Bedeutung gewesen. Und sie scheint es bis heute geblieben, mit einer Ausnahme. Schließlich muss ich mittlerweile differenzieren. Als ich in meinem ursprünglichen Beruf als psychosozialer Berater zunehmend mit der Realität in Deutschland konfrontiert wurde, nämlich den Auswirkungen der Grenzöffnung durch Angela Merkel 2015, war es für mich Alltag geworden, immer mehr Klienten zu betreuen, die nicht der hiesigen Gesellschaft zugehörten, sondern aus der Fremde stammten. Und ich habe jeden einzelnen von ihnen gleichwertig behandelt. Denn auch wenn man mir heute oftmals Feindseligkeit allein aufgrund ethnischer Merkmale nachsagt, so hatte ich mit Rassismus als Form der Benachteiligung oder Unterdrückung allein aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft noch nie etwas am Hut. Viel eher bemühte ich mich redlich, an der Integration jener mitzuwirken, die nahezu über Nacht unsere Außenlinien überquerten, um nunmehr ins System eingegliedert zu werden. Anfangs vernahm ich sehr viel Motivation bei jenen, die authentische Fluchtgeschichten mitteilen konnten. Doch je länger die Zeit verging, desto fragwürdiger wurden die Erzählungen darüber, weshalb man den Weg nach Mitteleuropa antrat.
Wir sind an einem Punkt angelangt, uns von Gästen auf der Nase herumtanzen zu lassen…
Da ging es plötzlich nicht mehr um eine Verfolgung, um eine unmittelbare Not, um existenzielle Bedrohung. Sondern es hatte sich herumgesprochen, dass die Bundesrepublik ziemlich großherzig ist, was Unterbringung, Versorgung und Alimentierung sogenannter Schutzsuchender angeht. Einigermaßen unverhohlen ließ man mich wissen, dass man gekommen sei, um zu bleiben. Auch ich könne daran nichts ändern, Mimik und Gestik wurden dreister und frecher. Selbstbewusst machte man sich ein Stück weit lustig über die Naivität unserer Bevölkerung, die Bereitschaft, sich an Normen, Sitten, Werte, Kultur und Tradition anzupassen, nahm spürbar ab. Natürlich gab es weiterhin Ausnahmen, die dankbar gewesen sind für die Obhut, welche Gegenleistung erbringen wollten. Doch sie wurden rar, stattdessen überwogen Häme und Spott über die Gutgläubigkeit, nicht zuletzt auch über ein „Wir schaffen das!“, das sich für mich rasch widerlegte. Ich verlor durch die Konfrontation mit den neuen Verhältnissen schnell die Perspektive, dass es nur ansatzweise gelingen könnte, jene Kollateralschäden zu kompensieren, die mit einer Philosophie des Multikulturalismus einhergehen.
Es war die Menge an Unbekannten, die Vielzahl an schlichtweg Bequemlichen, der es um die Ein- oder Unterwanderung von Strukturen und Ressourcen ging. Und dann stand er vor mir, dieser Moment meines persönlichen Kipppunktes. Ich erinnere mich genau, wie der noch recht junge Asylbewerber mir im asymmetrischen Dialog zugewandt gegenübersaß, aber gleichzeitig abwehrend die kalte Schulter zeigte. Die Kommunikation erfolgte mehr schlecht als recht, Sprachbarrieren waren schließlich zur Normalität geworden. Trotzdem konnte ich ihm mein Anliegen vermitteln. Wer dazugehören möchte, der muss irgendwann auch in Lohn und Brot kommen. Mit Händen und Füßen erklärte ich den Weg zum Jobcenter. Doch je länger ich meine Botschaft an den Mann zu bringen gedachte, umso breiter wurde das Grinsen sein Grinsen. Dann zunächst ein Spucken auf den Boden, anschließend mitten in mein Gesicht. Ich lasse mir viel gefallen, zu viel. Aber nicht eine solche Demütigung eines Gastes. Schluss mit lustig, für so etwas gebe ich mich nicht länger hin. Daher fiel der Entschluss nahezu von einer auf die andere Minute. Ich boykottiere den Schönwetterbericht über Toleranz und Vielfalt, sondern redete von dort an über das, was ich erlebt habe.
Remigration umfasst Straffällige, Assimiliationsunwillige und Kulturnonkonformisten…
Als ich in der Folge in den sozialen Medien durch meine Timeline stöberte, da fiel mir ein Post des bayerischen Landtagsabgeordneten Jörg Baumann auf. Der AfD-Politiker hatte sich zum Thema Remigration geäußert, ein für mich zunächst neue Vokabel. Emanzipiert im Geiste einer grünfärberischen Scheinwelt war auch in meinem Kopf die sogenannte Brandmauer aktiv, der gesellschaftlich eingeimpfte Ekel vor der Alternative für Deutschland, mit der „man nicht spricht“, gegenüber welcher man gefälligst Kontaktschuld zu empfinden hat. Doch ich war noch immer in Wallung über die Erfahrungen aus meiner Wirklichkeit. Und so schoss es spontan aus mir heraus: „Er hat doch recht!“. Und so kommentierte ich entsprechend, erhielt völlig unerwartet eine umgehende Rückmeldung. Der 45-jährige Ex-Polizist schrieb mir so herrlich normal, nicht wie der typische Mandatar. Statt von oben herab, allzu gewöhnlich auf Augenhöhe. In der Folge brachte er mir die Programmatik seiner Partei näher, meine Vorurteile kollabierten. Denn da fing jemand die Enttäuschung auf, welche ich mit mir trug. Ob die Forderungen nun radikal waren, das mag jeder für sich selbst beurteilen. Jedenfalls setzten sie, dem Wörterbuch nach, an der Wurzel an.
An der gesetzesgetreuen Rückführung von jenen, die straffällig werden, nicht assimiliationswillig, nicht wertekonform sind. Oder wie es § 6 BVFG sagt: Wer sich nicht „durch bestimmte Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur bestätigt“. Umfasst sind deutsche Staatsangehörige nur dann, wenn ihnen auf Grundlage geltender Paragrafen das Passdokument aufgrund eines festgelegten Fehlverhaltens wieder entzogen wurde. Viel zu oft doktern wir heutzutage an Symptomen herum, dabei nutzen Messerverbotszonen genauso wenig wie Gitter an Bahnsteigen oder Passfotos auf Fahrkarten, um die Sicherheit im hiesigen Stadtbild wieder zu gewährleisten. Ohne umfangreiche Abschiebung, Toresschluss an den Zollstationen, strikte Kontrollen von Rosenheim bis Frankfurt an der Oder wird sie nicht gelingen, die authentische und ehrliche Wende. Über vier Millionen Personen besitzen derzeit keine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung, müssten eigentlich rückgeführt werden. Die Wiederherstellung von Prinzipien, Regeln und Ordnung ist die oberste Maxime, für die jede Regierung antreten sollte, welche nicht nur Nebelkerzen zünden will. Deshalb bleibe ich bei meiner Auffassung, dass Reformen nur möglich sein werden, wenn Kräfte jenseits des Establishments von CDU bis Linken an die Schaltstellen von Einfluss und Macht kommen. Diese Erkenntnis ist der bitteren Realität geschuldet, denn Nächstenliebe und Utopie waren gestern.







