Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Aussage über Schülerin: Kritik an Video-Ausschnitt von CDU-Spitzenkandidat Hagel“ (aus: SWR vom 25.02.2026)
Es ist eine bekannte wie verlässliche Regel: Je näher der Termin für einen Urnengang rückt, umso schmuddeliger wird der Wahlkampf. Man konnte es mit Blick auf die AfD bereits erahnen, dass Skandale aus dem Hut gezaubert werden. Moralisch ist es zweifelsohne anrüchig, was sich die Partei durch Überkreuz-Anstellungen von Familienangehörigen geleistet hat. Da spielt es auch keine Rolle, ob die etablierten Konkurrenten nicht schon längst dieselbe Praxis handhaben. Man wollte Alternative sein, muss sich dann auch an diesem Anspruch messen lassen. Was hingegen völlig unverhältnismäßig ist, das mediale Festbeißen an einem Komplex, um das Rampenlicht auf Nebenschauplätze zu fokussieren, statt die Auseinandersetzung mit Inhalten und Argumenten zu ermöglichen. Ähnlich verhält es sich nunmehr mit Blick auf Manuel Hagel. Der Spitzenkandidat der CDU in Baden-Württemberg muss wahrlich nicht sympathisch sein, um trotzdem zu dem Ergebnis zu gelangen, dass es einigermaßen kalkuliert ist, wenn von den Grünen kurz vor Toresschluss einen acht Jahre alten Mitschnitt ausgekramt wird.
Ein durchschaubares Ablenkungsmanöver vom Versagen der Regierung Kretschmann…
Im Rahmen einer regionalen Fernsehsendung hatte er vom Besuch in einer Schulklasse gesprochen, von einem Mädchen mit „rehbraunen Augen“ berichtet. Was damals noch ein Kompliment gewesen sein dürfte, soll heute Sexismus darstellen. Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründest du einen Arbeitskreis. Oder schmeißt dich auf umgefallene Reissäcke aus China. Denn etwas anderes ist es nicht, was da jetzt durch die aufgeschreckten Medien geistert. Denn was soll eine Sequenz aussagen, die einen Familienvater zeigt, der ins Schwärmen kommt? Diese Ablenkungsmanöver sind Gift für die Demokratie, weil sie darüber hinwegtäuschen, wie ernst die Lage im Land ist. Ich bin wahrlich kein Anhänger der Union, habe zu dem 37-jährigen Fraktionsvorsitzenden null Affinität. Doch können wir bitte wieder zurückkommen zum Thema? Der Südwesten ist ökonomisch auf dem Abstellgleis angekommen, in Stuttgart traut man sich nachts kaum noch auf die Straße. Die Regulierungswut erdrückt die Unternehmerschaft, fehlende Deutschkenntnisse bringen das Bildungssystem zum Fall, der Bürger ächzt unter den Mieten.
Dass wir uns mit Videos zufrieden geben, statt auf Lösungen für morgen zu pochen…
Es ist das Zeitalter der sozialen Medien, in denen kurze Videos für mehr Zustimmung sorgen als Konzepte, Lösungen und Antworten für die Zukunft. Sollte Cem Özdemir allein aufgrund eines uralten Entzückens seines Herausforderers auf den letzten Metern umrunden, dann müssten wir uns tatsächlich fragen, ob die Probleme den kleinen Mann noch nicht zu sehr drücken. Was soll ausschlaggebend sein, wer der kommende Ministerpräsident wird? Eine Floskel am Stammtisch oder eine Vision für das Morgen? Es wäre nicht das erste Mal, dass sich derjenige durchsetzt, der Glück hatte, dass man über ihn keine Anrüchigkeit in der Mottenkiste gefunden hat. Markus Frohnmaier zog man schon mit hinein in die sogenannte Verwandtenaffäre. Nun soll ein Etikett am Führenden in den Umfragen angeheftet werden. Es sagt viel über den Zustand der Gesellschaft aus, wenn sie sich von plumpen Schlagzeilen leiten lässt. Schon früher waren große Buchstaben und kurze Überschriften eine gewisse Garantie dafür, die Scheinwerfer vom eigentlichen Kerngeschehen abzuziehen.
Die Baden-Württemberger haben Besseres verdient als Debatten über Haare und Augen…
Normalerweise sollte die Heimat zu wertvoll sein, um ihren weiteren Verlauf von kaltem Kaffee abhängig zu machen. Doch die Debatte war tatsächlich dünn, man kam nicht in die Puschen, lamentierte allzu oft. Dabei liegen die Missstände auf den Straßen, manchmal sogar niedergestochen oder vergewaltigt. Die innere Sicherheit leidet, Prosperität und Wachstum wurden abgewürgt. Sprechen wir doch lieber darüber, dass Hagel die „Sorgen ernst nehmen“ wolle. Ihn des Nichtssagens zu überführen, das hätte Charme und Charakter. Nicht aber das Wühlen im Schnee von gestern. Dass er sich Friedrich Merz zu unterwerfen scheint, was die Regulierung der Internetnutzung für die Jugend und eine Klarnamenpflicht im Web angeht. Die Bedeutung der Migration hervorhebt, statt vehemente Grenzkontrollen und Abschiebungen zu fordern. Wirtschaftsweise einsetzen möchte, nicht selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen will. Die Rente mit über 70 präferiert, uns alle schuften lässt. All das sind Gründe, sein Kreuz an anderer Stelle zu setzen. Aber doch nicht der olle Schinken.








