Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Neues Zeitungsprojekt ‚Ostdeutsche Allgemeine Zeitung‘: Wer ist Chefredakteur Dorian Baganz?“ (aus: „Junge Freiheit“ vom 21.02.2026)
Wer sich in der Gegenwart noch traut, mit einem klassischen Medium an den Start zu gehen, den darf man durchaus als selbstbewusst beschreiben. Und so ist Holger Friedrich durchaus ein Wagnis eingegangen, mit der Gründung der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Brauchte es ein solches Organ tatsächlich? Die Antwort muss gerade im 21. Jahrhundert lauten: Ja! Denn zahlreiche Gründe sprechen dafür, warum wir die Informationslandschaft nicht allein den sozialen Plattformen überlassen sollten. Journalist darf sich jeder nennen, solange er sich keinen wirtschaftlichen Vorteil durch einen Titel verschafft, hinter dem eigentlich keine Ausbildung und Qualifikation steckt. Gerade deshalb florieren bei „Facebook“, X, „Instagram“ oder „TikTok“ mittlerweile zahlreiche „Content Creator“, wie man mittlerweile wohl jeden nennt, der ein paar aneinanderhängende Sätze zu Papier bringen kann. Doch Substanz ist mit dem reinen Publizieren noch längst nicht garantiert. Und auch wenn die Ansprüche gesunken sein mögen, sich die gedruckte Ausgabe von Periodika auf dem absteigenden Ast befindet, ist der Zenit für qualitativ hochwertige Recherche längst nicht überschritten.
Zwischen all der Linksjournaille kann ein Presseorgan für den Vernünftigen nicht schaden…
Die Herausforderung der Berichterstattung von heute liegt darin, sich unmissverständlich zur Wahrheit zu bekennen. Der Leumund wurde nicht zuletzt vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den Dreck gezogen. Auch Kollegen bei der „Süddeutschen“, dem „Stern“, bei „T-Online“ oder der „Frankfurter Rundschau“ tragen mit ihrer politischen Einseitigkeit, mit dem Schönreden der Realität, mit der selektiven Wiedergabe des Ist-Zustandes, mit dem tendenziösen Kommentieren, Relativieren und Verleugnen der Missstände in unserer Republik zu gravierendem Verdruss bei. Insofern sind jene nötiger denn je, die den Ruf wieder aufpolieren. Tiefe und Analyse sind keinesfalls obsolet, aber sie müssen ohne Ideologisierung, Bevormundung und Erziehung daherkommen. Der Leser sollte den Eindruck gewinnen, dass er lediglich in die Lage versetzt wird, sich ein eigenes Bild machen zu können. Das Urteil fällt er aus seinen Stücken, nicht der Redakteur. Eine gewisse Zurückhaltung ist Maßgabe, viel zu oft drängt sich die vierte Gewalt als Moralapostel auf. Entsprechend zu begrüßen ist die Ansage von Chefredakteur Dorian Baganz, der den Menschen in den neuen Bundesländern ein souveränes Votum geben will.
Man wird sich vor allem mit Blick auf AfD, Frieden, Russland oder Demokratie positionieren…
Dass er aus dem Westen stammt, hatte für Debatten über die Authentizität gesorgt. Doch insgesamt besteht die Mannschaft aus einer guten Mischung. Ziel soll es nicht zuletzt sein, auch Verständigung zu schaffen. Denn obwohl wir mittlerweile 35 Jahre vereint sind, ist längst nicht alles zusammengewachsen. Völlig zurecht beklagen die Menschen zwischen Rostock und Dresden, zwischen Potsdam und Erfurt, dass ihre Sichtweise weniger wahrgenommen wird. Man fühlt sich benachteiligt, weil man eine eigene Perspektive hat. Die Geschichte wird diesseits wie jenseits der früheren Mauer unterschiedlich gewichtet. Zum Thema Frieden divergieren die Überzeugungen eklatant. Auch mit Blick auf Russland unterscheidet sich die Einschätzung. Wie hilfreich ist es da, einen Parlamentskorrespondenten ernannt zu haben, der zumindest Expertise und Kompetenz mitbringt, was die Warte Moskaus angeht. Florian Warweg steht als Charakter für Vermittlung, er könnte Brücken bauen, wie das gesamte Projekt an sich. Einen Zugang zu ermöglichen zur Eigenart der Bevölkerung zwischen Oder und Elbe, zwischen Uckermark und Erzgebirge. Denn nur jener, der sich ernst genommen fühlt, wird dranbleiben an der Demokratie.
Die Lebenswirklichkeit im Osten ist auch 35 Jahre später noch immer eine andere…
Insofern ist die OAZ ein Bekenntnis zur Meinungsvielfalt, sie verabschiedet sich von Kontaktschuld, Ressentiments und Scheuklappen. Mit einem Porträt von Tino Chrupalla wartete man auf, behandelt die AfD, wie es die Umfragen hergeben. Vielerorts stärkste Kraft, man kann sie eigentlich nicht umgehen. Doch weil gerade Konkurrenten von „taz“ bis „Junge Welt“ die Alternative für Deutschland schmähen, sich damit von der politischen Lebenswirklichkeit einer Mehrheit verabschiedet haben, war ein Lückenfüller die logische Konsequenz. Wird man es schaffen, dem kleinen Mann eine Stimme zu geben, Wut und Frustration einzufangen, Emotionen zu kanalisieren, den Widerspruch zu suchen zum Zeitgeist? Die Ansage ist klar: Unabhängigkeit sei das oberste Credo, weg vom Paternalismus, keine Sowjetromantik, dafür Ostalgie im besten Sinn. Das Gefühl von Bedeutung, Eigenständigkeit und Heimat zurückzugeben, sich auf die Seite der einfachen Leute zu schlagen, dem Establishment die Stirn zu bieten, ohne das zusätzliche Befeuern von Unmut und Populismus. Ein Gegenkonzept zum Einheitsbrei, das die Vielfalt dessen unterstreicht, was die Nation zu bieten hat. Würde für ein Stück Landkarte, das nach Interesse lechzt.








