„Frau Lehrerin, wer war dieser eitle Mann?“ – Manuel Hagel, die dünne Atmosphäre und das Schwellen einer ziemlich koketten Brust…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Nerven liegen blank‘ – CDU-Spitzenkandidat Hagel fährt Lehrerin grob über den Mund“ (aus: „Kölnische Rundschau“ vom 05.03.2026)

Wer Ministerpräsident in einem Bundesland werden will, der sollte ein Mindestmaß an Anstand, Respekt und Manieren mitbringen. Nein, Manuel Hagel möge nicht daran gemessen werden, was er vor acht Jahren in einem Video über „rehbraune Augen“ zum Besten gab. Stattdessen gibt sein jüngster Auftritt in einer Schulklasse Einblick in gewisse Charakterzüge. Gegenüber der Lehrerin konnte er sich nicht beherrschen, pflaumte sie von der Seite an. Von einem Fernsehteam begleitet, offenbarte der 37-Jährige ein Wesen, das von Hochnäsigkeit und Arroganz geprägt wird. Hinter vorgehaltener Hand heißt es schon länger in der CDU, dass jemand kaum an sich halten könne, wenn man ihm in die Parade fährt. Mit geschwellter Brust trat der Bankkaufmann an die Tafel, sollte den Sprösslingen den Treibhausgaseffekt erklären. Die Atmosphäre werde dünner, das mache die Sonne stärker, so lautete die Expertise desjenigen, der Baden-Württemberg in eine ungewisse Zukunft unter Beteiligung der Grünen führen möchte.

Wer Landesvater sein möchte, sollte sich nicht wie ein spätpubertierender Gockel verhalten…

Völlig unabhängig von der Frage, ob ihm eine Falle gestellt wurde, der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine Videosequenz kürzte, um den Christdemokraten besonders bloßzustellen, konnte sich jeder Beobachter ein ausreichendes Bild darüber machen, wie es aussieht, wenn Großspurigkeit einen Namen hat. Gefrorener Regen kann die Ernte bedrohen, der kommende Wahlsonntag könnte auch Friedrich Merz verhagelt werden. Unter anderem deshalb, weil sich Blasiertheit mit wenig Inhalt paart. Alle Haushalte hat man angeschrieben, handschriftlich mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ durch den Spitzenkandidaten höchstpersönlich in Zeilen eingeführt, die sich am Ende wie eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen lesen. Man wolle um jeden Arbeitsplatz kämpfen, die Fesseln der Bürokratie lösen, jungen Familien mit einem „Heimvorteil BW“ den Traum vom Eigenheim erfüllen, die Grunderwerbsteuer senken und mit einem milliardenschweren Investitionsfonds der Wirtschaft zu mehr Produktivität verhelfen.

Das Larifari über den Treibhauseffekt steht stellvertretend für den inhaltsleeren Wahlkampf…

Die Handys sollen aus dem Unterricht verbannt werden. Wie gut, dass man offenbar vergessen hat, welch große Zahl an jungen Menschen erstmals ihre Stimme abgeben dürfen. Zunächst müsse die deutsche Sprache erlernt werden, bevor es in die erste Klasse gehe. Symptombehandlung hier wie da, an der ungezügelten Migration möchte man offenbar nichts ändern. Zumindest liest sich darüber kaum etwas in dem mit „Hierfür bitte ich Sie von Herzen um Ihr Vertrauen“ schließenden Brief, der fast schon ein wenig verzweifelt klingt. Denn ob tatsächlich eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber Drogenkonsumenten die Sicherheit im Stuttgarter Bahnhofsviertel verbessert, Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen zu einem besseren Stadtbild beiträgt, ausgeweitete DNA-Analysen die Kuscheljustiz mit Schwerverbrechern beendet und die massive Einstellungsoffensive bei der Polizei Messerattentate verhindert, das darf bezweifelt werden. Schließlich scheint man von Ursachenbekämpfung weit entfernt.

Mag sein, dass sich die Oma gegen rechts über solch einen Schwiegersohn freuen würde…

Letztlich ergibt sich gleich in verschiedenster Hinsicht eine Richtungsentscheidung. Werden Überheblichkeit, Hybris und Dünkel in die Villa Reitzenstein einziehen? Macht es sich dort ein Fachwirt gemütlich, dessen Diplom akademisch anmutet, aber lediglich in einer Weiterbildung erworben wurde? Werden Hornbrille und ein weißes Lächeln den Souverän blenden, Omas und Opas gegen Rechts von einem Schwiegersohntyp begeistert sein, der für die Opposition lediglich Kampfbegriffe wie „Vaterlandsverräter“, „Freaks“ oder „Kostümkonservative“ übrig hat? Die AfD hat ehrlicherweise kaum noch Chancen, vom dritten Platz in den Umfragen aus das Rennen zu machen. Trotzdem stärkt jedes Votum ihre Bedeutung im Parlament. Und dort sollte es jenem nicht zu leicht gemacht werden, der eine steile Karriereleiter aufgestiegen sein mag, aber nicht etwa in Praxis und Realität, sondern innerhalb einer Partei, die nach einem Nachwuchsstar lechzte, um einen geschmeidigen Tochtermann zu bekommen, der Knigge nur als Hose kennt.