Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD und Identitäre Bewegung: Deutscher IB-Chef Märkl legt Parteimitgliedschaft nieder“ (aus: „taz“ vom 06.02.2026)
In welche Richtung soll es weitergehen, liebe AfD? Im Augenblick scheint es so, als mache die Partei eine Rolle rückwärts. Eigentlich hatte sie sich manierlich entwickelt, wurde zunehmend eine eigenständige Kraft, die sich bewusst als Option zu den etablierten Verhältnissen positionierte. Man hatte einen gewissen Selbstwert aufgebaut, ließ sich nicht einschüchtern vom Staat, sondern bot ihm die Stirn. Doch es war nicht zuletzt Dr. Maximilian Krah, einer der ersten Umfaller, der eine Abwendung vom Remigrationsbegriff forderte, Zweifel anmeldete, ob man weiterhin vom deutschen Volk sprechen sollte. Nahezu über Nacht war ein einst für seine Konsequenz bekannter Abgeordneter zum Duckmäuser gegenüber dem Verfassungsschutz geworden. Über Gebühr vermochte er zu erreichen, dass man sich einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster beugt. Die Sorge schien groß, dass das Verbot näher rücken könnte. Und damit nicht nur Einfluss schwinden, sondern Pöstchen und Diäten wegbrechen würden.
Man kann sich von allem und jedem abgrenzen, aber dann steht man schnell alleine da…
Und so fiel die Antwort eindeutig, aber nicht weniger unumstritten aus. Anpassung sollte es richten, sich den Vorgaben des Inlandsgeheimdienstes zu unterwerfen, war fortan das Credo. Wozu braucht man schon Rückgrat, wenn die roten Roben im Nacken sitzen? So viel Ängstlichkeit auf einen Haufen, derart zahlreiche Stöckchen, über die man plötzlich sprang. Man hangelte sich von einem Ausschluss zum nächsten, wollte Mitglieder loswerden, die allzu sehr patriotisch daherkommen. Matthias Helferich war ein klassisches Beispiel. Der Mandatar aus Nordrhein-Westfalen gilt als „radikal“, weil er sich in einem Dialog mit Linken sarkastisch zum „freundlichen Gesicht des NS“ erklärte. Tim Schramm musste um seine Zugehörigkeit bangen, schob man als Grund seinen mehrmonatigen Kampf an der ukrainischen Front vor, haderte in Wirklichkeit aber mit seinem Stolz auf Schwarz-Rot-Gold. Und als ob all das Distanzieren nicht schon genug gewesen wäre, kramte man jüngst die Unvereinbarkeitsliste wieder aus der Mottenkiste hervor.
Da müssen Relikte aus der Meuthen-Ära plötzlich wieder als Begründung herhalten…
Sie hat fast schon antiquarischen Charakter, ist etwa zehn Jahre alt, auf dem Mist der Mutlosen gewachsen. Damals hatte man den Anspruch, kaum mehr sein zu wollen als ein Abklatsch der CDU. Manchmal mutet es an, als hätten auf den Schultern des Bundesvorstandes Meuthen und Petry Platz genommen. Denn das Flüstern ist kaum zu überhören: „Mäßigt euch, wenn ihr eine Zukunft haben wollt!“, so tönt es nach und nach durch die Landesverbände. Es geht um die entscheidende Frage, ob man das Profil verwässern will, sich hertreiben lässt vor ausgerechnet jenen Eliten, die man doch eigentlich so vehement ablehnt. Zunächst empfahl man, sich zumindest offiziell nicht mehr mit dem österreichischen Aktivisten Martin Sellner zu treffen. Und jetzt traf es Maximilian Märkl, den Frontmann des deutschen Ablegers der Identitäten Bewegung. Obwohl man vielerorts mit dem Vorfeld vernetzt ist, gerade die Jugend keine Berührungsängste hat, beruft man sich auf einen ehemaligen Beschluss, der überholter und rückständiger kaum sein könnte.
Wenn AfD-Parteigranden in den Jargon von Verfassungsschutz und Antifa verfallen…
Denn da wird eine Bewegung mit Extremisten und Terroristen in einem Atemzug genannt, über die der bayerische Chef der AfD, Protschka, jüngst behauptete, sie sei grundgesetzwidrig. Seine Begründung hierfür ist genauso substantiell wie manch ein Gutachten, das die Überflüssigkeit der Alternative für Deutschland belegen soll. Es ist frei von aller Konkretisierung. Wirkliche Argumente konnte er nicht vorlegen, keinen Beweis darüber führen, welche Position und Forderung genau mit Prinzipien wie der Menschenwürde oder der Gleichberechtigung kollidieren. Märkl ist ein überaus integrer, geradliniger und eloquenter Kopf, allerdings weit entfernt von Rassismus oder Neonazismus. Wer anderes behauptet, zieht sich auf Wortgewalt und Superlative zurück, denen es an jeglichem Fundament und Rechtfertigung fehlt. Momentan droht der Wegbruch eines nicht zu vernachlässigenden Wählerklientels, das die Welt nicht mehr versteht, wenn man von den eigenen Leuten abrückt. Denn Illoyalität und Verrat sind keine Tugenden, sondern schlichtweg peinlich.







