Anzeichen von Fäulnis und Zerfall: Die Koalition wird apparativ beatmet, bis Aigner, Prien oder Klöckner am Spreebogen eingezogen sind…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Ende der Koalition? Warum ein Personenwechsel wahrscheinlicher wäre als eine Auflösung des Parlaments“ (aus: „Table.Briefings vom 29.04.2026)

Da wissen Politiker der CSU plötzlich nicht mehr, was sie ihren eigenen Anhängern entgegenhalten sollen, ziehen sogar langjährige Unterstützer in Erwägung, zur AfD zu wechseln. Bei den Christdemokraten hingegen gibt es Vertreter, die die Koalition in Berlin bereits für gescheitert erachten. Vielleicht atmet sie noch, möglicherweise hat sie Puls. Bestimmt hängt sie jedoch am Tropf, eventuell läuft bereits die Reanimation. Man weiß es nicht so genau, hirntot scheint das Bündnis schon länger zu sein. Untereinander spricht man kaum noch, sondern der Richtlinienkompetente schreit seinen Vize an. Auf Veranstaltungen tritt Merz von einem Fettnäpfchen ins nächste, verbreitet Unwahrheiten über die Erhöhung von Ministergehältern. Eine krebskranke Frau weist er vor laufender Kamera in die Schranken, lächelt in Arroganz das Votum des Publikums weg, wonach auch Beamte und Selbstständige in die gesetzliche Sozialversicherung einzahlen sollten. Im nächsten Augenblick schwenkt er in Wehleidigkeit um, macht sich zum Gespött nicht nur seiner Leute, die die Welt nicht mehr verstehen, wenn sich ein Frontmann über Anfeindungen im Internet beschwert.

Schröder und Kohl würden Merz etwas husten, ob des dauermelancholischen Selbstmitleids!

Was sollen Gerhard Schröder oder Helmut Kohl nur sagen, einst beworfen mit Eiern und Gemüse, angegangen von einer aufrührerischen Meute, Zielscheibe ganzer Massendemonstrationen. Eine Zwölf-Prozent-Kraft regiert insgeheim in der Waschmaschine, seitdem sich der Sauerländer Hüne erpressbar macht. Schon vorab verkaufte er seine Seele, machte Zugeständnisse bei Schuldenbremse und Sondervermögen. Um den Verbleib in seinem Amt zu sichern, lässt er sich die Agenda von Lars Klingbeil ins Stammbuch diktieren. Ob die Basis diesen Kurs noch länger mitträgt, daran wachsen die Zweifel. Doch wie geht es weiter, für den Fall, dass das Miteinander zerbricht? Steinmeier wird Neuwahlen vermeiden, so verlautbart es aus seinem Umfeld. Er missbraucht seine Macht, obwohl er eigentlich überparteilich sein sollte. Doch er handelt im Wissen um die dramatischen Umfragewerte seiner Genossen. Kommt es zu einem fliegenden Wechsel, zu sich ständig verändernden Mehrheiten? Söder ist auf einmal ziemlich angetan vom „grünen“ Oberbürgermeister in München. Vielleicht geht da etwas, nicht nur mit Katharina Schulze, sondern auch Banaszak und Dröge.

Gibt es ein Liebäugeln mit Links-Grün? Bei Söder, Günther und van Aken durchaus möglich…

Wie ausgeschlossen wäre hingegen eine Liaison mit van Akens SED-Nachfolge? Im Rahmen der Kanzlerwahl war man offenbar geneigt, eigene Statuten zu umgehen. Der Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei aus dem Jahr 2018 gilt unvermindert fort, zumindest offiziell. Koalitionen und andere Formen der Kooperation sind demnach auf allen Ebenen ausgeschlossen. Für überholt hält diese Regelung Daniel vom Deich, der Günther unter den Gesinnungsethikern, welche im Zweifel wohl bereit wären, die eigene Oma weg zu zensieren, nachdem das Verbot für Social Media, Energy Drinks und andere Genüsse den Bundesrat passiert hat. Nach Vorstellungen aus Schloss Bellevue soll sich bedarfsweise ein Konsens der Mitte bilden. Wie soll das funktionieren, wenn schon Schwarz und Rot aneinander scheitern? Da manövriert die Brandmauer eine Nation absehbar in die Sackgasse, ideologische Scheuklappen haben das Potenzial, den Staat zu lähmen. Und all das nur, weil man den Kardinalfehler der Kontaktschuld beging. Kein Wunder, dass sich in den digitalen Formaten die Austrittsschreiben mittlerweile nur so aneinanderreihen.

Wenn Steinmeier blockiert, dreht sich das Hamsterrad bis mindestens 2027 weiter…

Solange sie denken konnten, wählten die unterschiedlichsten Bürger, Unternehmer, Mittelständler und Arbeiter die CDU. Doch sie sind an einem Punkt angekommen, der in ihnen Luther aufkeimen lässt. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Da klart der Verstand auf, der Irrwitz bricht wie ein Kartenhaus in sich zusammen, eine kreischende Minderheit könne mit ihren Warnungen vor Nazis und Faschisten dauerhaft das Gewissen unterdrücken, endlich im Geiste von Veränderung, im Bewusstsein um Deutschland, im Streben nach Zukunft zu handeln. Der Fisch stinkt vom Kopf her, die Rebellion geht von unten aus. Auf kommunaler Ebene wird bereits offen darüber spekuliert, in Sachfragen mit „Blau“ zu votieren. Schluss mit dem Kindergarten der Abgrenzung, Pragmatismus und Weitsicht dort, wo Menschen dem Grunde nach das gleiche Ziel verfolgen. Ausgeschlossen ist nicht, dass sich das Berliner Trio durch die Legislatur hangelt. Zumindest aber bis zur Präsidentenwahl 2027. Es sei denn, der Älteste verliert die Geduld, erleidet einen Weinkrampf, wenn ihm nicht endlich das Mitleid zuteilwird, das kein Kanzler vor ihm jemals eingefordert hat.