Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Generation Deutschland: AfD-Politiker verteidigt neue Jugendorganisation“ (aus: ZEIT Online vom 18.02.2026)
In den letzten Wochen hörte man viel von der „Generation Deutschland“. Die Nachwuchsorganisation der AfD hatte sich neu aufgestellt, nachdem der Bundesvorstand die Auflösung bisheriger Strukturen in die Wege leitete. Offenbar aus Sorge vor dem Verfassungsschutz, strebte man eine engere Bindung an die Partei an. Nahezu untergegangen scheint hingegen, dass auch das BSW längst eine Jugendbewegung hat. Gegründet im Juli 2025, in einer Versammlung von rund 150 Teilnehmern in Bochum, befindet sie sich weiterhin im Aufbau. Doch das Fundament ist bereits gelegt, die inhaltliche Ausrichtung weitgehend abgeschlossen. Nun geht es um die Präsenz in den Regionen. Unter Vorsitz der Lehramtsstudentin Anastasia Wirsing aus Thüringen, unterstützt von den Stellvertretern Marlon Borchers, Felix Kreklow Rojas und Erwin von Mildisch sowie dem Schatzmeister Philipp Erdmann, will man in die Peripherie vordringen, potenzielle Mitstreiter von einem ziemlich einzigartigen Konzept lagerübergreifenden Denkens überzeugen. Eine Option zu den „Blauen“, mit eigenständigem Profil.
Kernthemen bei Jung und Alt bleiben Frieden, Wehrpflicht, Abrüstung und Diplomatie…
Die Schützlinge verbinden, wie auch das Mutterschiff, linke und konservative Inhalte. Angefangen von einer kostenfreien Bildung über mehr Ausbildungsplätze und bezahlbare Mieten, fordert man darüber hinaus Chancengerechtigkeit in der Schule, bessere Perspektiven für eine von Corona gebeutelte Alterskohorte. Engagiert kämpfen die Verantwortlichen gegen die Wehrpflicht, macht sich zum bedingungslosen Verfechter für Frieden, Diplomatie und Abrüstung. Waffenlieferungen in die Ukraine oder an Israel werden abgelehnt, insgesamt müsse die Politik auf eine Entmilitarisierung hinarbeiten. Der Weg von Sanktionen gegen Russland entpuppe sich als Sackgasse, in Nahost vernachlässige der Westen die Interessen der palästinensischen Bevölkerung. Besonders prominent gibt sich in den sozialen Medien das JSW Niedersachsen. Allen voran glänzt Jannik Schleemann mit konfrontativen wie provokanten Spitzen gegen das Establishment. In einer ausgeklügelten wie professionellen Kommunikation erweist er sich als Speerspitze für die violett-orangenen Interessen der 14 bis 35-Jährigen.
JSW Niedersachsen: Vernunft sowohl bei Wirtschaft, Transformation und Zuwanderung…
Von einer bemerkenswerten Geradlinigkeit getragen, ideologisch fest verankert, plädiert der couragierte Netzwerker aus dem Kreisverband Mittelweser in Sachen Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand für Pragmatismus. Die ökologische Transformation dürfe Technologieoffenheit nicht einengen, die Betriebe müssten trotz Nachhaltigkeit atmen dürfen. Das Verbrennerverbot sei unhaltbar, diesbezüglich erweise sich Regulierung als übertriebener Eingriff in die Entscheidungshoheit des Einzelnen. Bei der Migration soll es konkrete Begrenzungen geben, die bisher unkontrollierte Zuwanderung habe sich verstärkt auf das Anwerben tatsächlicher Fachkräfte zu konzentrieren. Eingliederung und Anpassung seien zwingend, wer gegen hiesige Regeln verstoße, straffällig werde oder sich Kultur und Werten entgegenstelle, könne nicht bleiben. Der Personal-Trainer votiert für einen höheren Mindestlohn, für eine garantierte Rente, zuverlässigen Wohnungsbau und eine Rekommunalisierung privatisierter Unternehmen, welche sich als systemimmanent erweisen, in die öffentliche Hand gehörten.
Klassische BSW-Themen in einem modernen, frischen und provokanten Gewand…
Die Grundrechtseinschränkungen während der Pandemie bräuchten Aufarbeitung, autoritäre Tendenzen, unter anderem hinsichtlich der Beschneidung von Meinungsfreiheit und Unterdrückung der Opposition, dürften keinen Platz haben. Der Zentralismus in Richtung Brüssel sei abzulehnen, die NATO als transatlantische Allianz in ihrer bisherigen Form gescheitert. Die Bundestagswahl müsse auf Grundlage mannigfaltiger Indizien für Fehler und Verwechselungen, die zu Lasten des BSW gingen, wahrscheinlich den Einzug ins Parlament unrechtmäßig verwehrten, noch einmal ausgezählt werden. Hierbei spiele es explizit keine Rolle, dass möglicherweise auch der Kanzler gestürzt wird. Schleemann nimmt kein Blatt vor den Mund, der Kundenberater im Außendienst pflegt eine sarkastische bis polemische Art des Dialogs, er steht stellvertretend für ein Gegenkonzept zu Anpassung und Unterwerfung. Das unabhängige und teils auch aufmüpfige Auftreten erweist sich im besten Sinne als Stachel im Fleisch der Konkurrenz von „Junger Union“ bis „solid“, verkörpert eine Kampfansage an die eingeschliffene Adoleszenz.







