Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Karfreitag: Die Kirchen appellieren an Mitgefühl, Zuversicht und Mut zur Hoffnung“ (aus: „Tagesschau“ vom 03.04.2026)
Mittlerweile spielt sich an christlichen Feiertagen in Deutschland fast immer das Gleiche ab. Wo es den Kirchen auch möglich ist, nutzen sie die Gelegenheit, zu moralisieren, zu wettern und zu spalten. Dass zu Ostern der Blick auf das Schicksal der Migranten in sämtlichen Himmelsrichtungen gelenkt wird, statt zwischendurch auch daran zu denken, in welch einer prekären Sozialsituation Bürger in unserem Land stecken, ist dabei nur eines der geringsten Übel. Jesus sei demnach für die Armutsgefährdeten in Afrika gestorben, für das Recht auf Schutz von Ortskräften aus Afghanistan, für die Verfolgten in Syrien, in Gaza, im Iran. Seine Auferstehung gebe denjenigen Hoffnung, die unter der Drangsal von Abschiebung und Gesetzen litten. Doch auch andere Themen haben Einzug gefunden in die Predigten von Karfreitag bis zum darauffolgenden Montag. Wieder einmal arbeitet man sich an den „bösen Rechten“ ab. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Wilmer, gab bereits in einem Interview vorab zu bedenken, wie schädlich der „völkische Nationalismus“ für „unsere Demokratie“ sei. Hochtrabende Worte eines Schafshirten, dessen Stab vor Arroganz zerbricht.
Die Bibel kennt im Samariter-Gleichnis das Vorrangigkeitsgebot des eigenen Volkes…
Nun denn, die Geistlichkeit muss es wissen, hetzt sie nahezu regelmäßig gegen die AfD. Der erhobene Zeigefinger steht dem Klerus nicht gut, das Gemeinmachen mit einer bestimmten politischen Richtung, mit dem Linksidealismus, erinnert an ähnliche Schulterschlüsse zwischen Talar und Mandatar aus der Vergangenheit. Da fabuliert ein Oberhirte über die Nächstenliebe, strapaziert einen Begriff des Evangeliums über die Maßen hinaus, ohne sich offenbar dessen im Klaren zu sein, was die Bibel über die Vorrangigkeit des Bedürftigen in der eigenen Gesellschaft aussagt. Was wäre der Kreuzweg Christi, ohne ihn gleichzusetzen mit der Flucht von Asylbewerbern über das Mittelmeer? Grenzen zu kontrollieren, Ressourcen für den Nachbarn von nebenan zu reservieren, statt die Arme auszubreiten für jeden, der vorgibt, aus größter Not und Bedrängnis seiner Heimat entfleucht zu sein, all das sind normalerweise Selbstverständlichkeiten. Gewöhnlich und normal scheint heutzutage jedoch wenig bis nichts, weil das Schuldnarrativ zu einer weit über die Angemessenheit von aufopferungsvoller Hingabe reichenden Unterwerfung gegenüber allen Schwächlichen aus der Ferne führt.
Was wäre ein Osterfest ohne kirchlichen Hass auf die Wähler und Unterstützer der AfD?
Die Geschehnisse von Golgatha und der weggerollte Stein am Grab lassen sich ungern instrumentalisieren für eine Märchenerzählung von der heilen Welt. Es ist eben nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Die bittere Realität des kulturellen Umbruches, einer völlig entglittenen Vielfalt, einer erbarmungslosen Toleranz schlägt im Stadtbild zu. „Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht“, so heißt es in Johannes 3,21. Beschönigung und Relativierung gehören ausdrücklich nicht zum Auftrag. Ebenso wenig das Ablenkungsmanöver, die Alternative für Deutschland schlecht zu machen, sie in die Nähe von „Nazis“ und „Faschisten“ zu rücken, um damit – in der passenden Manier von Pontius Pilatus – die Hände in Unschuld zu waschen. Dass in zahlreichen Gemeinden die Osterfeuer als „Lichtermeere gegen Hass“ entzündet werden, zielt ebenso auf eine weitere Polarisierung des Miteinanders ab. Üblicherweise ist kein Ansehen der Person vor Gott, er nimmt jeden von uns an, unabhängig des Parteibuches oder der ideologischen Färbung. Doch diese Bedingungslosigkeit können jene nicht akzeptieren, die auf Teufel komm raus überzeugt sind, dass nur ihre Geisteshaltung richtig und gut ist.
Die Institution meint noch immer, sie würde mit ihrer Art von Haltung imponieren können…
Auch die EKD kommt kaum noch ohne Zeitgeist aus. Die Ratsvorsitzende spricht im Zusammenhang von „Trost und Trotz“ den Akt des Glaubens an, nämlich die Klimarettung. Es ist also nicht mehr das Vertrauen in eine austarierte Schöpfung, sondern der missionarische Eifer, in der Anmaßung des vergleichsweise kleinen Mannes an der Temperaturschraube zu drehen, welcher einen Christen auszeichnen soll. Ob irgendjemand anmerkt, wie tief man in des Höchsten Werk eingreift, rammen sogenannte Umweltschützer tonnenweise Beton in den Boden, als Fundament für ein einziges Windrad? Schon im Vorfeld der Feiertage hatten sich 60 kirchliche Organisationen zu einem Brandbrief an die Bundesregierung durchgerungen, um schärfere Maßnahmen gegen die Erderhitzung zu fordern. Der Respekt vor der Lenkungsfunktion des Herrn ist also gänzlich dahin. Wieder einmal überschreiten wir unsere Kompetenzen, nehmen das Hegen und Pflegen zu ernst. Wer ernsthaft davon ausgeht, dass die Populärtheologie den Konfessionen Relevanz zurückbringt, scheint blinder als Bartimäus. In der Apostelgeschichte fällt es wie Schuppen von den Augen. Doch möglicherweise ist es dafür schon zu spät.








