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Das ist nicht mein Journalistenverband!

Es ist nicht unbedingt etwas Neues, dass der Deutsche Journalistenverband (DJV) eine recht eigentümliches und bizarres Selbstverständnis pflegt. Schon in der Vergangenheit hat er sich immer offensichtlicher einer gewissen politischen Strömung zugewandt – und das als Berufsvertretung derjenigen, die eigentlich Unabhängigkeit, Neutralität und Objektivität wahren sollten. Ich persönlich hatte noch nie wirkliches Vertrauen in diese Organisation – oder gar das Gefühl, wonach sie die Werte, Tugenden und den Ethos von Medienschaffenden hochhält. Stattdessen macht sie sich gemein mit denen, die im Zeitgeist schwimmen – obwohl man doch gerade in unserer Branche zur Skepsis und Distanz zu allen gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen stehen sollte, wenn man sich ernsthaft der Aufgabe der Publizistik verschreibt.

Nicht erst durch die Einfärbung des Logos in die Farben der ukrainischen Nationalflagge wurde deutlich: Zurückhaltung und Vorbehalt als Merkmale des Kritischen sind für den DJV offenkundig ein Fremdwort. Zweifelsohne ist es legitim, dass auch ein Journalist eine persönliche Meinung und Auffassung in sich trägt. Und tatsächlich darf er diese auch in seine Arbeit einfließen lassen. Grundsatz ist dabei aber stets die prinzipielle Bereitschaft, in alle Richtungen eine gewisse Ferne einzuhalten und sich nicht vereinnahmen zu lassen von einer parteilichen oder ideologischen Botschaft – auch wenn sie auf den ersten Blick noch so ein hehres Ziel verfolgen mag. Immerhin lautet der Auftrag, den Leser und Zuschauer nicht zu manipulieren, sondern zu informieren. So braucht es keine Belehrung, Bevormundung oder Betreuung des Konsumenten.

Stattdessen ist die sorgfältige Aufbereitung von Informationen, die prüfende Eigenrecherche und eine authentische Wiedergabe von gewonnenen Erkenntnissen das wesentliche Credo. Und gerade als sogenannte „vierte Gewalt“ in einem Staat muss dem Journalismus seine Verantwortung klar sein. Insbesondere die etablierten Medien zweckentfremden ihr Monopol immer häufiger, um Rückgrat und Geradlinigkeit von Kollegen zu brechen, welche sich nicht einer Mainstream-Auffassung beugen wollen – obgleich es doch eigentlich der Kerngedanke dieses Jobs ist, die Perspektive desjenigen einzunehmen, der gegen den Strom schwimmt. Bewusstseinsbildung geht ohne den Anspruch einher, dass das vom Sender Dargebotene zwingend auch vom Empfänger übernommen und bejaht wird. Stattdessen ist in einer Demokratie der Souverän immer der letzte Entscheider, der über die abschließende Wertung und Einordnung gewonnener Aspekte und Nachrichten.

Deshalb läuft es der Philosophie des Journalismus diametral entgegen, wenn er sich zum Handlanger einer staatlichen Behörde wie dem Verfassungsschutz macht, dessen Wirken er doch gerade differenziert unter die Lupe nehmen und sich bedarfsweise ein souveränes Bild von seinen Behauptungen und Einstufungen machen sollte. Schlichte Übernahme von Etikettierung und Brandmarkung, wie sie der DJV im Falle einer Klassifizierung der AfD als „gesichert rechtsextrem“ von uns erwartet, widerspricht dem Gedanken der Autonomie und Pressefreiheit vollends. Denn es ist gerade nicht unser Bestreben, uns als Steigbügelhalter herzugeben und zu einem Transporteur von Mahnungen und Warnungen zu machen, wie es Haldenwang oder Faeser gerne auf den Bildschirmen und in den Zeitungen zu lesen und hören vorfinden würden. Das Eingehen eines Bündnisses mit einer staatlichen Institution unter dem Deckmantel des Bewahrens unserer Herrschaftsform hat nichts mit Abstand von den Regierenden zu tun, denen ein Presseakteur nicht nach dem Mund reden, sondern ihn mit Fragen konfrontieren sollte.

Dies gilt beispielsweise auch mit Blick auf diese Abstempelung der Alternative für Deutschland durch eine öffentliche Institution des Systems, welcher man in unserer Position stets Ungläubigkeit und Missgunst entgegenbringen sollte. Wir sind eben nicht der Weiterreicher, der Katalysator oder der Multiplikator von politisch ausgegebener Suggestion und Konnotation. Sondern einzig unserem Gewissen und dem Prinzip der Rezension und Befundung, von Analyse und Argwohn verpflichtet. Ich bin nicht bereit dazu, mich zu einem Teil der Maschinerie zu machen, die das Kartell verteidigt – und die Opposition denunziert. Meine berufliche Ethik hält mich dagegen an, unsere Verfassung einzuhalten. Dazu gehört auch die Chancengleichheit aller politischen Mitbewerber und das Ermöglichen von Vergleichen zwischen den einzelnen Konzepten und Lösungsvorschlägen für die Probleme unseres Landes – ohne bereits vorab eine Zuschreibung, Beurteilung oder Einordnung in ein Schema zwischen Gut und Böse vorzunehmen. Das bloße Nachplappern von ausgegebenen Parolen und einer Propaganda der roten Linien ist keine Meisterleistung, sondern das Ergebnis einer gelenkten, zensierten und instrumentalisierten Journaille ohne ein selbstbewusstes Fundament der weltanschaulichen Autarkie.

Sich naiv, einfältig und blauäugig einer Kategorisierung anzuschließen – und diese durch unredliche und passive Distribution in die Öffentlichkeit hinauszutragen, ist der Akt einer Marionette des Establishments, die das Denken aufgegeben hat – und sich nicht mehr mit eigener Schaffenskraft und Kreativität rühmen kann. Ansinnen von Journalisten sollte es sein, den auserkorenen Hütern des Grundgesetzes den Spiegel vorzuhalten – und ihnen mit Argusaugen bei ihrer Arbeit auf die Finger zu schauen. Stattdessen fordert der DJV zur Solidarität mit einem Teil der Kaste auf, von der er durch verschiedene Förderungen und Wohlwollen abhängig zu sein scheint. Wer seine Ideale dadurch preisgibt, erwachsen zu einem Dafürhalten zu gelangen – welches im besten Fall nicht mit dem konformgeht, was der Produzent von Schlagzeilen sich an Veröffentlichung wünscht -, kann seinen Schreibstift eigentlich an den Nagel hängen. Wir sind weder weisungsgebunden, noch zu einem Wohlwollen gegenüber denen verpflichtet, die in ihrer Machtposition meinen, ein Diktat ausgeben zu können. Viel eher sind wir die Eckpfeiler für Unbefangenheit, Libertät und Independenz – losgelöst von Aufträgen der Regierung oder Interessenverbänden, die aktuell glauben, sie könnten ihre Stellung für Vereinheitlichung, Kanalisierung und Fokussierung missbrauchen. Nicht mit mir – und hoffentlich auch nicht mit der Unterstützung jener Kollegen, die die Verlockung der Korrektheit und Wachsamkeit reizt.

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