Positiv konnotierte, geschlossene Momentaufnahme: Das „ZDF-Politbarometer“ und seine Lesart zur langsamen Energiewende!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „ZDF-Politbarometer – Sonntagsfrage: AfD erstmals vor Union, Mehrheit: Energiewende geht zu langsam“ (aus: „ZDFheute“ vom 17.04.2026)

Es gab da einst ein Sprichwort, wonach man Umfragen und Studien nur dann trauen sollte, wenn man sie selbst gefälscht hat. Immer öfter fühlen sich Menschen in diesem Land nicht mitgenommen, wenn Demoskopen eine neue Erhebung über die angebliche Mehrheitsmeinung auf den Bildschirmen der Nation präsentieren. Auch jüngst rieb sich der Pragmatiker unter den „heute“-Konsumenten wieder die Augen, hatte das „ZDF-Politbarometer“ bekannt gegeben, dass 57 Prozent der Befragten antworteten, ihnen gehe die Energiewende zu langsam voran. Besonders stark unterstützten demnach Personen unter 35 Jahren diese Aussage. Doch wer sich einmal in der Gesellschaft umhört, der stößt auf gänzlich andere Überzeugungen. Schließlich sind die wirtschaftlichen und monetären Auswirkungen der Transformation mittlerweile nicht nur für den kleinen Geldbeutel spürbar. Parallel stellt sich die Frage der Sinnhaftigkeit, ob mit all den Maßnahmen tatsächlich erfolgreich gegen den Klimawandel vorgegangen werden kann. In der abstrakten Formulierung mag man leichtfertig eine klare Auskunft geben, weil man in der Interviewsituation nicht gänzlich auf dem Kasten hat, wie gravierend die Konsequenzen des Umschwungs sind.

Umfragen von Dritten zeigen ein gänzlich anderes Bild über die angebliche Mehrheit…

In einer Stimmungslage, eingeholt von INSA für die BILD-Zeitung, ergab sich im April 2026 ein anderes Bild, nämlich ein Patt. 43 Prozent empfanden den Wechsel zu erneuerbaren Trägern eher gut, 42 Prozent eher schlecht. Im Februar hatte „Allensbach“ einen massiven Rückgang der Zustimmung für den Atomausstieg festgemacht. Nur noch 43 Prozent halten ihn für richtig, befürworten den kompletten Umstieg auf Wind, Biomasse und Solar. Zum Vergleich: 2012 lag der Wert noch bei 73 Prozent. Eine wachsende Zahl verbindet den Weggang von Öl und Gas mittlerweile mit ökonomischem Abschwung, persönlicher Rezession und alltäglichen Risiken. Zu nennen sind dabei die wachsende Versorgungsunsicherheit, höhere Preise und die massive Landschaftsveränderung. Im Gegenzug sank die Angst vor Unwetterkatastrophen auf 33 Prozent. In der breiten Industrie erreicht das „Ja“ für die Energiewende mittlerweile rekordverdächtige Ablehnung. Die „Forschungsgruppe Wahlen“ hat mit ihrer Fragestellung also vor allem auf den Aspekt des Ausbaus einzelner Nischensparten abgezielt, nicht auf die Gesamtzufriedenheit. Und so kommt es schnell zu einer verzerrten Wahrnehmung über einen angeblichen Rückhalt für den Wandel.

Wer sich gänzlich gegen die Transformation stemmt, hatte keine Antwortmöglichkeit…

Eingeschränkt wurde zudem auf den Aspekt des Tempos der Transformation. Wer die Richtung grundsätzlich kritisiert, hatte unter dieser Prämisse kaum eine Möglichkeit, sich adäquat auszudrücken. Nicht abgeklopft wurden Kosten, Steuern, Flächenverbrauch und Zuverlässigkeit der Regenerativen. Die Momentaufnahme von insgesamt 1.355 zufällig ausgewählten Befragten steht nicht zuletzt unter dem Eindruck des Iran-Krieges. Die Stichprobe erfolgte also nicht ohne Kontext, sondern in einer Gegenwart, die Ressentiments schürt gegenüber den Fossilen. Erhebliche Gefälle zwischen Ost und West, zwischen Jung und Alt, blieben in der Berichterstattung weitgehend unbeachtet. Dass die Frageformulierung bewusst positiv konnotiert war, stellt nur einen Kritikpunkt am Vorgehen der Experten dar. Oftmals hörten die Mitarbeiter am Telefon offenbar Lippenbekenntnisse, denn theoretisch hat man gut reden, steht man nicht gerade an der Zapfsäule oder vor dem Heizungskessel. Dass die Repräsentativität wackelt, erklärt sich nicht zuletzt mit einer rückläufigen Bereitschaft, an solchen Erhebungen überhaupt mitzuwirken. Denn das Vertrauen in den ÖRR schreit zum Himmel.

An der Zapfsäule oder im Heizungskeller wären die Zahlen wohl differenzierter ausgefallen…

Zwar mag es pauschal und empirisch nicht zu beweisen sein, doch Meinungsforschern wird tendenziell eher ein „Grünen-Bias“ nachgesagt. Da mag der Wunschtraum von Nachhaltigkeit gerade bei den wachsamen Teilen der „Generation Z“ oberflächlich dominieren. Doch sobald sie höhere Rechnungen in den Händen halten, die Verlagerung von Industrie miterleben, den Arbeitsplatz verlieren, zerplatzen Ideale, die man gerade noch im Zweiten Deutschen Fernsehen gepriesen hatte. Wenn manch ein Fachmann in den Resultaten einen Blankoscheck, eine Legitimation und ein Gutheißen für mehr Schnelligkeit im Ausbau von Propellern und Photovoltaik erkennt, so ist diese Interpretation mehr als tendenziös. Dieses Phänomen entpuppt sich übrigens nicht als neu. Die ideologisch „Besseren“, wie sie sich oft selbst geben, predigen Nächstenliebe und Toleranz, Aufnahmebereitschaft und Alimentierung. Doch wenn es um eine Flüchtlingsunterkunft in der unmittelbaren Nachbarschaft geht, scheint jede Weltoffenheit dahin. Sobald unmittelbare Folgen vor der Tür stehen, wird aus einer hehren Philosophie ein bloßes Hypothetikum, das man nur noch hinter vorgehaltener Hand replizieren würde.