Die Amerikaner bomben, die Autofahrer zahlen: Selten zuvor hat ein Krieg derart offen gezeigt, wie belanglos unsere Interessen im Westen sind!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Krieg in Nahost – Trump: Können ganz Iran innerhalb einer Nacht ausschalten“ (aus: „Süddeutsche Zeitung“ vom 06.04.2026)

In welche Richtung wird sich der Iran-Krieg entwickeln? Die am 28. Februar 2026 durch Israel und die USA gestartete Operation „Epic Fury“ scheint weiterhin ein ziemlich konzeptloses Vorgehen, dessen Absichten und Ziele für wilde Spekulationen sorgen. Der amerikanische Präsident hat mehrfach betont, dass es vor allem um die Zerstörung des Atomprogramms gehe. Doch schon einmal in der Geschichte mussten Massenvernichtungswaffen herhalten, um einen Einmarsch zu rechtfertigen. Damals blieb im Irak vor allem Chaos zurück. Und auch Teheran droht nunmehr das gleiche Schicksal. Es wird gebombt, was das Zeug hält. Doch kaum war der Oberste Führer Ali Khamenei getötet, holte das Regime den nächsten Vertreter hervor. Der Sohn soll die Geschicke lenken. Inwieweit er durch Angriffe des alliierten Bündnisses selbst verletzt wurde, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Im Gegenzug entschieden sich die Mullahs, mit Raketen und Drohnen in Richtung Tel Aviv und auf Militärstützpunkte in den Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Bahrain und Kuwait zu schießen.

Die Straße von Hormus wird zum eigentlichen Brennpunkt eines chaotisch wirkenden Kriegs!

Ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt ist mittlerweile die sogenannte Straße von Hormus. Sie wird nahezu vollständig von der sogenannten Islamischen Republik kontrolliert. Dort passierende Schiffe hindert man an der Weiterfahrt, von den Kapitänen verlangt man Zölle. Derzeit scheint es keine Aussicht auf Vermittlung zu geben, entsprechende Initiativen aus Washington waren ohne Erfolg. Insofern ist eine Zuspitzung der Lage auch deshalb wahrscheinlich, weil Donald Trump in seiner Wankelmütigkeit keine Anstalten macht, sich mit Blick auf die Länge des Konflikts irgendwann einmal festzulegen. Und erfahrungsgemäß steigt mit größerer Dauer solch eines Pulverfasses auch die Gefahr von wirtschaftlichen Folgen. Sie sind schon jetzt spürbar, der künstlich herbeigeführte Energiepreisschock ist von globalem Ausmaß, weil durch die genannte Meerenge rund ein Fünftel des weltweiten Öls und ein Viertel des Flüssiggases transportiert wird. Versicherer haben die Deckungen für Reedereien gestrichen, die Knappheit der Ressourcen führt zu starken Teuerungen an den Märkten.

Wie dicke kommt die Energiekrise? Erinnerungen an 1973 dürfen durchaus wach werden…

Doch was kommt da noch auf uns zu? Schon mit Beginn der Auseinandersetzung schnellte der Wert der Marke Brent um bis zu 40 Prozent nach oben. An Tankstellen zahlt man pro Liter momentan deutlich mehr als noch vor Wochen, 30 Cent Unterschied sind keine Ausnahme, sondern das Mindestmaß. Bis zu 2,50 Euro für Benzin, an den Zapfsäulen regt sich Unmut. Denn die Innenpolitik handelt wie ein zahnloser Tiger. Der Entschluss, nur noch einmal pro Tag eine Erhöhung zuzulassen, ist bisher weitgehend verpufft. Denn ob ein Pächter nun fünf Mal um drei Cent oder einmalig um 15 Cent verteuert, kommt am Ende auf das gleiche Ergebnis heraus. Zwar spricht die Wirtschaftsministerin von keiner akuten Knappheit, weil man auf die strategischen Ölreserven zurückgreifen kann. Doch es gibt Spekulationen über mögliche Engpässe bereits Ende April. Unabhängig davon wurde eine Kettenreaktion ausgelöst. Nicht nur die Schilder an Lebensmitteln werden derzeit nahezu im Akkord ausgetauscht, weil sich die Preise in immer kürzeren Abständen wechselseitig aufschaukeln.

Die Gemengelage zeigt, dass auch neu geschaffene Abhängigkeiten trügerisch sind!

Beim Heizöl sind Sprünge um bis zu 20 Euro je 100 Liter innerhalb von Tagen zur Normalität geworden. Um etwa 30 Prozent steigen die Kosten für Privatverbraucher und Industrie beim Erdgas, insbesondere hervorgerufen durch den entstandenen Mangel an LNG. Unternehmen und Haushalte ächzen, Transportbetriebe gelangen an die finanziellen Grenzen. Ein gedämpftes Wachstum ist absehbar, wenngleich die Bundesregierung zu Gelassenheit mahnt. Doch auch sie hat allenfalls eine Glaskugel, über Stunden kann sich die Gemengelage verändern. Prinzipiell ausgeschlossen ist nicht, dass es in den nächsten Wochen zu Einschränkungen im Flugverkehr oder auf den Straßen kommt. Bisher beschränken sich Forderungen auf ein Tempolimit, das Homeoffice und den Umstieg auf den ÖPNV. Doch als Worst-Case-Szenario sind Bilder wie aus der Ölkrise 1973 nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Leere Autobahnen, wie sie selbst in Zeiten von Corona bisweilen gängig waren, könnten das Resultat eines ambivalenten und trügerischen Krieges sein, der beweist, wie wenig unsere Interessen zählen.

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