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Replik an eine „Unsere Demokratie“-Journalistin: Die Großkotzigkeit der Hyperintellektuellen erinnert an Moralpredigten von der Kanzel!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Ergebnis der ‚Mitte-Studie‘: Mehrheit der Menschen in Deutschland sieht sich als Demokraten“ (aus: „Deutschlandfunk“ vom 07.11.2025)

Liebe Kollegin Metzel, Sie haben in einem jüngsten Meinungsbeitrag im „Südkurier“ darüber philosophiert, dass „wir“ nach dem Bekanntwerden einer neuen Studie über das Verhältnis der Deutschen zu verschiedenen Herrschaftsformen „unsere Demokratie“ verteidigen müssen. Denn laut den Ergebnissen der Erhebung hadern viele Bürger mittlerweile mit dem repräsentativen System. Wer mag es ihnen verübeln, wissen wir aktuell nicht einmal, ob Friedrich Merz zurecht im Amt ist, weil es eben gerade die hochmütigen Vertreter von scharf links sind, die sich einem Antrag des BSW zur Neuauszählung der Bundestagswahl entgegenstellen. Schon allein das muss hellhörig machen – und lässt die Vermutung aufkeimen, dass es die selbsternannten „Guten“ sind, die etwas zu verbergen haben. Wer ehrlich zu sich ist, hat in einer liberalen Ordnung, deren wesentlichen Merkmale Rechtmäßigkeit und Authentizität sind, nichts dagegen, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Nur derjenige, der fair spielt, erweist sich als aufrichtiger Konkurrent – und bei Bedarf als demütiger Verlierer. Das gilt auch dann, wenn die Umfragen den freien Fall attestieren – und nicht nur die SPD zunehmend bedeutungslos wirkt.

Die Widersinnigkeit des hypermoralisierenden Gutmenschentums: Vielfalt in Spaltung!

Nein, es gibt nicht „unsere“ und „eure“, sondern nur „die“ Demokratie. Es ist der hetzerische und sektiererische Akt der Spaltung, welcher dieses Land in „wir hier“ und „die da drüben“ unterteilt. Als wäre nicht lange genug eine Mauer durch Köpfe und Republik verlaufen, trennt die elitäre Hybris die ideologischen Besserwisser von den pragmatischen Leisetretern. Kreischende Massen vor dem Brandenburger Tor, aufmarschiert nicht selten wegen einer billigen Entlohnung für einen kaum näher definierten Zweck, pöbeln und richten willkürlich nach weltanschaulichem Belieben. Sie denunzieren die Gegner beim Arbeitgeber, schwärzen ihn bei Meldestellen an, freuen sich über die Kündigung seines Bankkontos, über dessen familiäre Ausgrenzung und den öffentlichen Pranger. Was die Fachsprache mit „Virtue Signalling“ beschreibt, definiert sich als ein vermeintlich besonders ethisches, aufgeklärtes und mitfühlendes Verhalten, sich auf der „richtigen Seite der Geschichte“ zu wähnen, nach außen Altruismus zu signalisieren und eine Konstruktion über das „Böse“ oder „Primitive“ in die Landschaft zu posaunen, weil man sich in Großkotzigkeit, Arroganz und Hybris kurzerhand intellektuell überschätzt.

Ganze Generationen kompensieren ihr Unbehagen, sich bessergestellt zu haben…

Lange Zeit haben sich gerade die Profiteure von Globalisierung, Digitalisierung und Vermögenspreisblasen ihres sozialen Status gerühmt, um gleichzeitig unterbewusst ein schlechtes Gewissen zu entwickeln, das durch eine Dissonanzreduktion kompensiert werden muss. Sprich: Narzissmus und Grandiosität sind außer Rand und Band, hochindividualisierte und säkularisierte Gesellschaftsteile haben Sinn und Verstand für das Tradierte, das Bewährte und das Rationale verloren. Sie machen es sich kognitiv bequem und ziehen sich auf Dichotomien, also das klassische Schwarz-Weiß-Denken, zurück. Unter Konformitätsdruck stehend, verkörpern sie einen Klerikalismus der Moderne. Früher beanspruchte die Kirche die Deutungshoheit für das, was sündig und lasterhaft ist. Heute ersetzen Dogmen wie Diversität, Klimaschutz oder Antirassismus diesen Mechanismus zum Stabilisieren des Selbstwertes. Man könnte die Welle als eine Ersatz-Religiosität bezeichnen, die vor allem über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in die Wohnzimmer schwappt. Der erhobene Zeigefinger steht nicht mehr auf der Kanzel, er prägt die Hand des Kanzlers, unseres Bundespräsidenten, der Oma gegen rechts oder von Hape Kerkeling.

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