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Die Kriegstüchtigkeit ist gerade gegenüber den jüngeren Generationen verantwortungslos!

Mittlerweile scheinen wir in einigen Teilen Europas in eine Kriegstüchtigkeit zu verfallen, welche verständlicherweise gerade jungen Menschen Sorge bereitet. Einigermaßen verantwortungslos von Politikern, Szenarien von militärischen Konflikten an die Wand zu malen – ohne aber gleichzeitig irgendeinen Beleg dafür vorzulegen, dass es für die Prognosen solch einer gewaltsamen Auseinandersetzung über die bloße Vermutung hinaus konkrete Anhaltspunkte gibt. Natürlich kann man über die Eventualität spekulieren, dass  sich der Kreml-Chef nach einem geglückten Okkupieren der Ukraine auch an die NATO und das Territorium der Europäischen Union herantraut. Doch zumindest der Öffentlichkeit ist bisher nichts Anderes bekannt als die vermeintlich wirren Interviews von Medwedew, Lawrow oder Putins Tochter – die in ihren eigentümlichen und weltfremden Gebaren schwadronieren, über das Ziel der Unterjochung von Kiew hinausgehen zu wollen. Auch bei uns im Land hat sich Pistorius entsprechend positioniert – und vor einem möglichen Angriff Russlands in sieben bis acht Jahren gewarnt. Ob er für diese Mutmaßungen mehr als eine Glaskugel befragt hat oder dieselben verlässlichen Rechenmodelle benutzt, wie es die Klimaforschung für die Vorhersage der Kipppunkte tut – man weiß es nicht genau. Dass wir uns in einer Zeit des wieder aufkommenden Imperialismus generell besser in unserer Verteidigung aufstellen müssen und auch über Möglichkeiten einer gemeinschaftlichen Abschreckung mit Verbündeten diskutieren sollten, ist für mich zweifelsohne unbestritten. Doch genau deshalb sollten wir damit beginnen, unsere eigenen Bestände nicht immer weiter an Selenskyi abzugeben, denn unsere Sicherheit wird nicht am Hindukusch, unsere Freiheit nicht am Donbass verteidigt. Mit der Abhängigkeit, in die sich der Westen in der aktuellen Situation hineinmanövriert und sich moralisch erpressbar gemacht hat, können wir uns theoretisch bis auf die letzten paar Gewehre und Granaten ausquetschen lassen.

In unserer falsch verstandenen Solidarität verharren wir im Narrativ, dass durch unsere Unterstützung diese Konfrontation der beiden Nachbarn noch auf dem Schlachtfeld gewonnen werden könnte. Anstatt Bedingungen zur gleichzeitigen Aufnahme diplomatischer Gespräche zu stellen, räumen wir nach und nach unsere Lager leer. Dass wir unter diesem Gesichtspunkten vor möglichen Gefahren der Zukunft nicht mehr gut gerüstet sind, versteht sich von selbst. Auch in dieser Hinsicht braucht es endlich eine Umkehr zu mehr Selbst- statt Fremdliebe. Anstatt die Welt zu retten, sollten wir uns um unsere eigenen Fähigkeiten bemühen – und im nationalstaatlichen Interesse nicht weiter sinnlos Pulver verschießen. Wir schicken Unsummen an Geld und Material in ein schwarzes Loch, denn dieser Abnutzungskonflikt ist nichts Anderes als ein großes Verheizen von letzten Ressourcen. Ob nun in Schweden oder Deutschland – unserer nächsten Generation wäre am besten getan, wenn wir wieder mehr auf das eigene Land blicken würden, statt uns in der Gewissheit schrumpfender Kassen und Kasernen mit dem Horrorbild eines Heißen Krieges zu quälen. Deutschland verfällt dabei aufgrund seiner in die DNA eingebrannten Geschichte mittlerweile bei nahezu jedem Konflikt auf diesem Globus in den Modus „Wir müssen helfen!“. Offenbar noch immer von Schuld aus der Historie geplagt, treffen wir bezüglich Solidarität mit den Gebeutelten in allen Herren Ländern wiederkehrend vollkommen übereilte Entscheidungen, die sich am Ende als eine Sackgasse herausstellen. Nicht anders ist es auch mit Blick auf die Ukraine: Angesichts der Eindrücke der leidenden Gesellschaft dort, haben wir auch hier unsere Arme geöffnet – und sind sogar über das Prinzip der Gleichbehandlung hinweggegangen, indem wir die von dort ankommenden Flüchtlinge sogleich in unsere Sozialsysteme eingegliedert haben und davon ausgegangen sind, dass sie sich – weil sie ja in unserer hehren Vorstellung Miteuropäer seien – rasch in den Arbeitsmarkt integrieren werden.

Was nun geblieben ist, das sind Milliarden an Mehrausgaben für den Steuerzahler – und die Einsicht, dass unter den vielen hier Eintreffenden gar keine Bedürftigen sind, die zudem in ihrer Heimat im Norden oder Westen des Landes kaum von Kampfhandlungen und den Zerstörungen betroffen scheinen. Trotzdem lassen wir weiterhin unser Geld fließen, das gerne angenommen und zurücktransportiert wird zu den zurückgebliebenen Familien – während die Bürgergeld-Empfänger mit deutschem Pass rigorosen Prüfungen ausgesetzt sind und sich nicht des Mitleidsbonus sicher sein können. Darüber hinaus überschlägt sich die Bundesregierung mit Waffenlieferungen und der Bereitstellung von humanitärer Hilfe, Aufbauförderung und wirtschaftlichen Subventionen für ein Land, von dem wir nicht wissen, wie es fortan aussehen wird – und welche Vorstellung die dortige Bevölkerung eigentlich von ihrer Zukunft hat. Wir haben uns mitreißen lassen von der westlichen Verblendung eines möglichen Sieges auf dem Schlachtfeld – und sind mit eingebogen in die Einbahnstraße der Eskalation, die keinen Plan B kennt. Stattdessen scheinen wir nun abhängig, haben Kiew an den Tropf gelegt und versorgen Selenskyi weiterhin mit Zusagen, die unsere eigene militärische Ausrüstung immer stärker beuteln – und manch einen Minister gar zur Kriegstüchtigkeit ermuntern. Lebensverlängernde Maßnahmen für einen Abnutzungskampf, der ständig mehr Opfer, Material und Geld verschlingt. Kein Drängen und kein Ermutigen zur diplomatischen Initiative, sondern ein Beharren auf der Wunschvorstellung des ukrainischen Präsidenten, doch noch ein Rückdrängen der russischen Besatzer erzielen zu können. Deutschland kann die Welt nicht retten, weder beim Klima, noch im Nahen Osten, noch im Donbass. Wer diese Einsicht verdrängt, lässt uns zu einer Marionette der Moral werden, die die eigenen Bedürfnisse nicht mehr bedienen kann.

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