Diagnose „Ampel-Schaden“: Eine linksliberal dominierte FDP verschanzt sich zum Totengesang in der Klosterzelle des rot-grünen Elfenbeinturms!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Überraschendes Duell um FDP-Vorsitz: Und dann hat es Wolfgang Kubicki doch geschafft“ (aus: DER SPIEGEL vom 30.05.2026)

59,27 Prozent, das ist für die Wahl eines Parteivorsitzenden eigentlich nicht viel. Doch im Falle von Wolfgang Kubicki erweisen sich die Zahlen als ein respektables Ergebnis. Im Gegensatz zum Verhalten von Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Mit ihrer kurzfristigen Kampfkandidatur, die nicht etwa spontan erfolgte, sondern offenbar lange geplant gewesen sein dürfte, bemerkt man vor allem die überlange Rede, welche sie schriftlich vorbereitet und in einer gewissen Monotonie referiert hat, präsentierte sie ein klassisches Foul. Der 74-Jährige nahm es zunächst einigermaßen gelassen, dass er sich plötzlich doch noch duellieren muss. Vordergründig zeigte er sich erfreut, dass die „alten Schlachtrösser“ der FDP zur Abstimmung standen. Doch spätestens nach Verkündung des Resultats merkte man ihm an, wie groß die Anspannung gewesen ist. Vor allem aber zeigte sich zwischen Buhrufen und Jubel auf der Delegierten Versammlung in Berlin, wie hochpolarisiert die Atmosphäre scheint. Ursprünglich hatte man mit einem Durchritt des Rechtsanwalts gerechnet, es galt als sichere Sache und gesetzt, ohne Widersacher ins Ziel zu laufen. Dass es anders kam, ist ein krasser Schnitt im Drehbuch.

Was Marie-Agnes Strack-Zimmermann präsentierte, was ein Vertrauensbruch par excellence!

Was sich abspielte, könnte man durchaus als einen Dolchstoßversuch werten. Das Klima ist vergiftet, die Gräben sind tief. Selten zuvor haben sich bei den Liberalen derartige Flügel aufgetan, ganze Lagerkämpfe brachen vom Zaun. Die schwere Zerrüttung wieder zu schließen, das erweist sich als ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Gerade in der momentanen Situation. Die Linkslastigen um die Ukraine-affine Verteidigungspolitikerin halten jede sachliche Debatte mit der AfD für unmöglich, möchten alle Kooperation ausschließen, die Brandmauer noch ein bisschen höher ziehen, sich im Elfenbeinturm ins Einzelzimmer verschanzen, weil sie der Realität nicht in die Augen sehen können, dass nennenswerte Erfolge nur noch dann zu erzielen sind, wenn man sich aus der Gefangenschaft „unserer Demokratie“ löst. Manch ein Repräsentant überbot sich in der Rhetorik gegen die Alternative für Deutschland, vermochte offenbar, SPD und Grünen in ihrer gehässigen und demagogischen Verleumdung der „Blauen“ schlichtweg Konkurrenz zu machen. Mit diesem Drama der Eskalation kommt man der Nulllinie nahe, ist bereits im bunten Einheitsbrei untergegangen.

Spürbar überlagerte der linksliberale Flügel sowohl Parteitag wie auch die Wahlgänge…

Auch wenn sich der eher rechtskonservative Teil durchsetzte, zeigen die Resultate insgesamt, exemplarisch bei der Wahl des Generalsekretärs, dass es an sämtlicher Einheit fehlt. Geschlossen wird man also nicht nach außen treten, stattdessen hob man den Deckel des brodelnden Suppentopfes. Zugespitzter formuliert, öffnete sich die Dose der Pandora. Trotz des neuen Logos wird der Geist nicht mehr in die Flasche zurückfinden. Denn es geht um fundamentale Unterschiede zwischen Pragmatismus und Anpassung, von Wirklichkeitssinn oder Traumdeutung, Isolation statt Partizipation. Da haben einige Gelbgefleckte wohl zu lange am Glas der Ampel-Koalition genippt, sind volltrunken mit dem bitteren Likör des Elitären. Sich als etwas Besseres zu empfinden, weil man auf der vermeintlich richtigen Seite der Geschichte wandelt, faktisch aber Ausgrenzung, Repression und Unfairness hinsichtlich eines gleichberechtigten Wettbewerbers frönt, das dürfte zum Verhängnis werden. Wer sich nur noch mit einem Affront zu helfen weiß, nicht mit offenen Karten spielt, sondern einen Überraschungseffekt nutzen will, ist charakterlich ungeeignet für Spitzenämter.

Die Gräben sind derart fundamental und tief, dass ein Zuschütten reine Utopie bleibt…

Nun gibt es bei der 68-jährigen schon länger Zweifel an der persönlichen Integrität. Kaum ein anderer Kopf steht derart für Aufrüstung, Kriegstüchtigkeit und Russlandphobie. Sie teilt hart aus, kann aber schlecht einstecken. Wer sie potenziell beleidigt, muss mit einer anrückenden Kavallerie rechnen. Sobald die Düsseldorferin eigens mit Kampfbegriffen und Wortgewalt um sich wirft, driftet sie bei Kritik ab ins Wehleidige. Da trifft Eitelkeit auf Vernunft, es kann nur zur Frontalkollision kommen. Wie die Germanistin jegliche Diplomatie zwischen Moskau und Kiew torpediert, dürfte es auch keinen Frieden innerhalb der „Freien Demokraten“ geben. Von Stabilisierung in den Umfragen keine Spur. Gut möglich, dass nach rund 78 Jahren eine Ära gänzlich zu Ende geht. Denn vermisst werden die Außerparlamentarischen augenscheinlich kaum. Man kommt auch deshalb ohne sie aus, weil sie sich zu Kopie und Vehikel gemacht haben. Es fehlt an Alleinstellungsmerkmalen, Ursprünge und Wurzeln wurden an Habeck oder Scholz abgeschliffen. Ob wir Dankeschön sagen wollen für all das, was einmal war, aber nach Westerwelle in der Versenkung verschwand, bleibt jedem selbst überlassen.