Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen‘, sagt Merz über Anfeindungen“ (aus: WELT vom 29.04.2026)
„Hören wir doch mal auf, so larmoyant und so wehleidig zu sein in diesem Land“, so sagte es jener Mann, der aktuell befand: „Kein Kanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen“. Widersprüchlichkeit oder Doppelmoral, die Bewertung bleibt jedem von uns überlassen. Die Bürger wegen angeblicher Sensibilität maßregeln, selbst feuchte Augen bekommen, wenn man als unbeliebtester Regierungschef der Welt mit Widerspruch innerhalb der sozialen Medien und ganz allgemein in der bitteren Realität zu kämpfen hat. So ist er nun einmal, dieser Friedrich Merz, welcher mehr Mitleid für sich zu erhaschen versucht als sämtliche „Omas gegen rechts“, die sich von Nazis verfolgt sehen, als all die Luisas, die den Niedergang der Zivilisation wegen 1,5 Grad Erderwärmung fürchten. Da ist sogar jener Teil der „Generation Z“, welcher nach einer einzelnen 40-Stunden-Woche das klassische Burnout inszeniert, ein Fels in der Brandung. Mit Verlaub, das politische Geschäft ist weder Wunschkonzert noch Kindergeburtstag. Wer Liebkosung braucht, ist in der Selbsthilfegruppe für anonyme Theatraliker besser aufgehoben.
Von einem Fettnäpfchen ins nächste: Nicht nur Timmy ist in eine Sackgasse geschwommen…
Ein Sauerländer, welcher bereits vor seiner Wahl in die Waschmaschine den Kardinalfehler beging, auf die Erpressung der Genossen einzugehen, sich das Amt zu erkaufen, indem er in Sachen Lockerung der Schuldenbremse und potenziell zur Zweckentfremdung geeigneter Sondervermögen die Hand reichte, hat sich von Beginn an in eine Sackgasse manövriert. Wie Buckelwal Timmy, der beharrlich auf die Sandbank zurückkehrte, die falsche Richtung einschlug, mit großem Aufwand ins offene Meer gebracht werden musste. Beim CDU-Chef ist ein eigenhändiges Freischwimmen ebenfalls nicht zu erwarten. Viel zu sehr verheddert er sich in Geschichtsvergessenheit, schließlich wurden gleich mehrere Vorgänger mit deutlich härteren Bandagen angegangen. Helmut Kohl bewarf man 1991 in Halle an der Saale mit Eiern, Tomaten und Farbbeuteln. Gerhard Schröder wurde als „Sozialverräter“ gebrandmarkt, über 470.000 Menschen gingen gegen seine Agenda auf die Straße. Und Willy Brandt sah sich der Anschuldigung des Hochverrats sowie dem Ruf eines Ausverkaufs deutscher Interessen gegenüber.
Die Leiden des jungen Merz, die Wunden der Traumata jahrelanger Merkel-Dominanz…
Beschimpft und von der Stasi untergraben, weitaus markiger als jede Anfeindung in der digitalen Welt von heute, war nicht nur dieser SPD-Garant von mehr Couragiertheit, Mut und Resilienz getragen denn der Hüne, welcher als Heulpeter in die Annalen eingehen dürfte. Die ständig drückende Tränendrüse, das Suhlen in einem rührseligen Gehabe, es ist einem Charakter unwürdig, der rund ein Jahr nach Auflage der Koalition die historische Unzufriedenheit mit Olaf Scholz überbietet. Das Trauma, über Dekaden auf das Lebensziel verzichten zu müssen, penetrant Angela Merkel zu unterliegen, die Ungnade des späten Machterhalts wie ein Joch auf die Schultern zu hieven, all das wäre möglicherweise Gegenstand für eine Therapie. Denn die Konfrontation mit der Außenwahrnehmung, nicht nur phasenweise umsetzungsschwach, ankündigungsstark und dünnhäutig zu sein, könnte frühere Wunden aufreißen. Erleben wir also neuerlich die Vorzeichen eines Nervenzusammenbruchs vor laufender Kamera, führen die Unterlider schon wieder Hochwasser, wenn’s eingemachter wird?
Der unbeliebteste Regierungschef der Welt jammert dem Bürger regelmäßig die Hucke voll…
Man sagte ihm Ambitioniertheit nach, geblieben ist ein rhetorischer Phrasendrescher. Er empört sich über die Gesellschaft, nutzt diese Echauffiertheit als Feigenblatt für mangelnde Zukunftspläne. In seiner Narrativfähigkeit kommt er nicht über ein „Mangelhaft“ hinaus. Brücken reißt er ab, als Ausgleich, sie zu errichten. Von einem Fettnäpfchen ins nächste, von „Ist es richtig und notwendig, dass Menschen in Deutschland durchschnittlich 14,5 Tage, also fast 3 Wochen, krankheitsbedingt nicht arbeiten?“ zu „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“. Da werden riesige Summen für Berater ausgegeben, für deren Hinweise scheint der 70-Jährige allerdings unempfänglich. Hier beißen sich seine engsten Vertrauenspersonen jene Zähne aus, für die der GKV-Beitragszahler künftig abermals mehr blechen muss. Alternativ zur Richtlinien-Kompetenz präsentiert er Ukraine-Immanenz. Versprechen gebrochen statt Kartoffelsuppe kochen. Die Stagnation frisst ihre Kinder, aber auch die Väter. Wer keine fallenden Jens Spähne verkraften kann, sollte gar nicht erst hobeln.









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