Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Herfried Münkler: ‚Hoher Anteil der Ostdeutschen kann mit Demokratie nichts anfangen'“ (aus: NOZ vom 06.04.2026)
Überheblichkeit ist eine Untugend, dennoch grassiert sie in unseren Tagen mehr denn je. Mit einer gewissen Hochnäsigkeit und dem belehrenden Zeigefinger treten vor allem jene auf, die meinen, sie hätten nicht nur die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern stünden auf der „richtigen“ Seite der Geschichte. Erbsenzählerei ist dabei das geringste Übel. Stattdessen geht es um Bevormundung, wenn in einer narzisstischen und selbstherrlichen Manier versucht wird, die Allgemeinheit nach der persönlichen Weltanschauung zu erziehen. Einerseits tun sich mit dieser Mission mittlerweile zahlreiche Medien hervor. Journalisten übertreten die Grenzen ihrer Aufgaben, wenn sie nicht mehr informieren und kommentieren, sondern die Erwartungshaltung pflegen, Leser und Zuschauer müssten die Meinung des Redakteurs übernehmen. Dabei gibt es nur wenige Instanzen in einer Demokratie, die tatsächlich über das finale Gut und Böse entscheiden. Wahrheit bleibt in unserer Staatsform nicht einmal Naturgesetzen vorbehalten. Denn auch sie darf man bezweifeln und kritisieren.
Bereits mit der Flüchtlingskrise begann der Experte zu schwanken, in Richtung links…
Und so sollte auch Herfried Münkler zur Kenntnis nehmen, dass er nicht das Gewissen des Volkes ist, für das er sich offenbar hält. Anfänglich recht konservativ unterwegs, machte er sich insbesondere in der Flüchtlingskrise ab 2015 einen Namen, weil er die Aufnahme von Syrern für unumgänglich hielt, sie immer wieder als einen notwendigen Ausgleich für den demografischen Wandel pries. Letztlich verwies er auf ein gewisses Schicksal, schließlich könne Europa nicht militärisch gegen den Ansturm von Asylbewerbern vorgehen. Da war plötzlich nichts mehr von jenem „Rassisten“ und „Chauvinisten“, als den ihn manche Studenten in der Anfangszeit gebrandmarkt hatten. Der emeritierte Professor für Politische Theorie an der Humboldt-Universität Berlin forderte insbesondere in den letzten Jahren eine neue Identität für Deutschland, die sich an der Chance der Einwanderung orientieren solle. Dass wir ein Rechtsstaat sind, der für sich territoriale Grenzen und souveräne Entscheidungen beanspruchen kann, scheint dem Südhessen diesbezüglich wenig geläufig.
Da passte sich ein Wissenschaftler an den Zeitgeist, wie geläutert durch die Moralkeule…
Eine gänzliche Kehrtwende vollzog er, als er die AfD zu seinem neuem Feindbild erklärte. In einem jüngsten Interview versah sie Münkler mit dem Attribut einer „Partei der Verarmung“. Ein Mann, der eigentlich ahnen sollte, dass Lehre und Forschung unabhängig wie ergebnisoffen sind, eine solche Einseitigkeit nicht mit den Prinzipien seriöser Wissenschaft vereinbar ist, warnt ausdrücklich vor dem Aufstieg einer bis heute nicht untersagten, sondern durch Wahlen immer wieder neu legitimierten Kraft. Wie soll man derartige Experten noch ernst nehmen, wenn sie offenkundig durchblicken lassen, nicht verstanden zu haben, dass der Bürger keine Aufklärung darüber braucht, wen er an der Urne bevorzugen müsse. Historische Vergessenheit kommt hinzu, fabuliert ein Fachmann frei von der Leber weg, wir stünden vor einer ähnlichen Weggabelung wie 1931. Schon wieder Wortgewalt, ein nächster Scharfmacher, der zu relativieren bereit ist. Ausdrücklich nahm er die Begrifflichkeit der „NSDAP“ in den Mund, um Parallelen zu illustrieren. Eine Bankrotterklärung des 74-Jährigen.
Ein AfD-Verbot wäre schon schön, nur leider scheint es rechtlich nicht durchsetzbar…
Doch er ließ nicht locker, ein Verbot würde er offensichtlich begrüßen, hält es aber für rechtlich schwer durchsetzbar. Und dann war da noch die Schelte in Richtung der Ostdeutschen. Es hatte etwas von Hetze, wenn er von „einem hohen Anteil“ der dortigen Bevölkerung spricht, welcher mit der „Demokratie nichts anfangen“ könne. Wie eitel, aufgeblasen und hybride kann man eigentlich sein, in der Verächtlichmachung seiner Mitbürger, weil sie nicht nach der Pfeife jener tanzen, für die die Ausfahrt auch im Kreisverkehr stets nur nach links führt? Es ist völlig richtig, in den „neuen Bundesländern“ hält man nichts von dem System, das offenbar auch Münkler für erstrebenswert erachtet. In dem der Meinungskorridor von „Omas gegen rechts“ definiert wird, die Strafbarkeit von Äußerungen durch Meldestellen und Aktivisten. Sie wollen gerade keine Beschneidung wesentlicher Grundrechte mehr, denn Diktatur hatten sie schon einmal. Wir sollten eher auf die Erfahrung „von drüben“ hören. Denn dort hat man längst erkannt, dass die DDR 2.0 kein Hirngespinst ist.








