Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Diskussion auf Podium – Montagsgespräch in Halle: Wie sehr ist die Zivilgesellschaft unter Druck?“ (aus: „Mitteldeutsche Zeitung“ vom 13.03.2026)
Seit Jahren beklagt Deutschland einen deutlichen Rückgang an Freiwilligkeit. Obwohl es an so vielen Stellen Bedarf gibt, weil Hauptamtliche kaum mehr alles leisten können, was für eine funktionierende Solidarität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt von elementarer Bedeutung ist, bemüht sich die Szene nicht etwa, weitere Mitstreiter zu gewinnen. Sondern sie verprellt Neugierige und Bereitwillige, sobald sie die politisch „falsche“ Färbung tragen. Das „Bundesnetzwerk für Bürgerschaftliches Engagement“ (BBE) gehört zu den wesentlichen Vermittlern und Brückenbauern, welches eigentlich zusammenführen statt spalten sollte. Doch schon 2024 erklärte man, zutiefst „schockiert“ zu sein über AfD-Politiker und ihren „Kontakt zu Rechtsextremen“. Man beteiligte sich an Aktionen unter dem Hashtag #WirSindDieBrandmauer. Welch ein perfides Spiel, sich instrumentalisieren zu lassen für einen ideologischen Streit, im Zweifel darauf zu setzen, ohne Scham und Skrupel Ressentiments zu verbreiten, Vorurteile zu schüren, Behauptungen aufzusitzen, über einen Kamm zu scheren.
Sich über zu wenige Freiwillige beklagen, aber auf ganze Bevölkerungsteile verzichten…
Die moralische Hybris, die Definition als „das Gute“ und ein Bewusstsein, mit Trennlinien in den Köpfen und dem Ausschlagen von Versöhnung tiefe Risse zu zementieren, die das Miteinander aufteilt statt befriedet, mag man psychologisch unter Konformitätsdruck und Elitarismus abtun. In Wahrheit betreibt man Selektion, filtert aus der großen Masse jene, die weltanschaulich kompatibel sind mit der eigenen Meinung. Schikaniert Menschen, die nicht für „unsere“, aber für „die“ Demokratie einstehen, weil sie verinnerlicht haben, dass das Grundgesetz die Würde als unteilbar betrachtet, nicht nur Gott ohne Ansehen der Person urteilt. Niemand dürfe aufgrund seiner Gesinnung benachteiligt werden, lautet im Groben der Verfassungstenor. Die Realität ist längst eine andere. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. spricht von „WIR für Menschlichkeit und Vielfalt“. Und sie hetzt damit, weil sie in Lagern denkt, sich für besser hält, allerdings einem Trugschluss nachjagt, als man vollmundig betonte, dass die AfD „gesichert rechtsextremistisch“ ist. Das Verwaltungsgericht Köln widerlegte.
Eine arrogante Scheinheiligkeit bedroht freiwillige Angebote für das Gemeinwohl…
2024 rief die gleiche Organisation dazu auf, der Alternative für Deutschland keine Stimme zu geben. Mit einer brachialen und geifernden Wortwahl betrieb man schlichte Propaganda. Die Agitation schaukelte sich immer weiter hoch. Auch ich war über 20 Jahre ehrenamtlich aktiv, verlor seit 2022 zunehmend meine Posten, weil sich die Wachsamen von links im Anschwärzen und Denunzieren übten. Konkrete Vorwürfe gab es nie gegen mich, trotzdem folgten in den allermeisten Fällen die Vorstände blind, fürchteten wohl, ihr Ruf könnte in Gefahr sein, wenn sie jemanden in ihren Reihen duldeten, der seine Kontaktschuld gegenüber „Blau“ verloren hatte. Man kann offenbar auf helfende Hände verzichten, obwohl die Lage prekär ist. Unter anderem die „Deutsche Aidshilfe“ unterstrich in einer Erklärung, dass die AfD Behinderte herabwürdige. Die „Deutsche Sportjugend“ sieht die Partei als Bedrohung, setzt ihr den Slogan entgegen: „Zusammen für Demokratie. Im Bund. Vor Ort. Für Alle“. Merkwürdig widersprüchlich, diese Offenherzigkeit, die inkludieren soll, doch im gleichen Atemzug aussondert.
Mit welch einer Widersprüchlichkeit die „Guten“ ihre heile Welt zusammenhalten…
Die AWO veröffentlichte 2024 eine Arbeitshilfe unter dem Titel „Handlungssicher gegen Menschen- und Demokratiefeindlichkeit“, um Aktive für radikale und populistische Inhalte der Alternative für Deutschland zu sensibilisieren. Gleichzeitig warnte die „Caritas“ davor, Alice Weidel und Tino Chrupalla stießen einen „Prozess der Normalisierung“ von Extremen an. Insgesamt war der Tenor einhellig, dass der „sachliche Austausch“ torpediert werde, wo die AfD mitmischt. Zum erneuten Mal projiziert man auf Andere, was man selbst zu pflegen gedenkt. Nämlich eine Praxis der Aufwiegelung, der Polarisierung, der zweierlei Klassen. Im Eifer des Gefechts vergisst man völlig, dass auch jene zu uns gehören, die völlig legitim am Ende sind mit ihrer Geduld, was ungezügelte Migration, das Ausnutzen des Sozialstaates, die entglittene Entwicklungshilfe angeht. Toleranz endet nicht dort, wo das persönliche Verständnis an seine Grenzen kommt. Respekt bedeutet, individuelle Zumutung ertragen zu müssen. Sich mit Argumenten zu wehren, statt mit Boykott und Bann.








