Quelle: Clipdealer.de, B418056442, erworbene Standardlizenz.

Ins Hintertreffen geraten: Hängt Platz 3 in den Umfragen auch mit der fehlenden Fokussierung des AfD-Spitzenkandidaten zusammen?

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Umfrage vor BW-Landtagswahl: CDU bleibt stärkste Kraft – Grüne holen auf und setzen sich vor AfD“ (aus: SWR vom 22.01.2026)

Man muss Umfragen mit Vorsicht genießen, die vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Auftrag gegeben werden. Denn nicht nur das „Politbarometer“ des ZDF weist regelmäßig eine Schlagseite auf, unterscheidet sich am Ende vom Wahlergebnis deutlich. Auch die jüngste Erhebung, die vom SWR initiiert wurde, um den aktuellen Meinungsstand vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg abzubilden, fällt durch den plötzlichen Sprung der Grünen um drei Prozent auf. Dass sie damit wieder auf Platz zwei gerückt sind, um die AfD von dort zu verdrängen, ist angesichts der gegenwärtigen Stimmungslage in der Republik durchaus auffallend. Letztgenannte soll einen Punkt eingebüßt haben, liegt nunmehr also an dritter Stelle. Wie glaubwürdig sind die Tendenzen, kann man sie als demoskopische Ungenauigkeit abtun?

Sich an Cem Özdemir abarbeiten, aber selbst Elite sein: Diese Doppelmoral rächt sich!

Zweifelsohne könnte sich Markus Frohnmaier auf die Position zurückziehen, dass die Alternative für Deutschland offenbar nicht nur im Osten sehr viel Rückhalt erfährt, blickt man allein auf die bundesweite Führung in repräsentativen Stichproben. Doch es kann trügerisch sein, sich zu früh zu freuen. Denn wenn man sich ehrlich macht, als kritischer Beobachter ein Stück weit distanziert die Lage beurteilt, dann können sich durchaus Gründe auftun, weshalb die gescholtene Opposition hinsichtlich der Neubesetzung des Stuttgarter Parlaments nicht wirklich vom Fleck kommt. Der erhoffte Nachfolger von Winfried Kretschmann ist als außenpolitischer Experte seiner Partei einem Spagat ausgesetzt. Gerade in einer Zeit internationaler Konflikte werden von ihm regelmäßig Stellungnahmen, Interviews und Einschätzungen abverlangt.

Gleichzeitig soll sich der 34-Jährige darum kümmern, die AfD zu einem echten Herausforderer von CDU-Mann Manuel Hagel zu machen. Seine Präsenz im Südwesten wird verlangt, oftmals wirkt er gedanklich aber eher bei Themen wie Venezuela, Grönland, der Ukraine oder dem Iran. Vor noch nicht allzu langer Zeit tingelte er durch die USA, wollte dort Kontakte knüpfen, patriotische und konservative Verbindungen über den Teich hinweg ausbauen. Nun erwartet sein Team, dass er sich auf Wahlkampfveranstaltungen bürgernah zeigt. Doch diese Aufgabe gelingt ihm bisweilen mehr schlecht als recht. Er gibt sich längst nicht derart charismatisch wie ein Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt. Ihm fehlt eine gewisse Zugewandtheit zum Volk, er kommuniziert in den sozialen Medien lediglich abgeschottet mit den „lieben Freunden“, mit der Filterblase.

Eine zu starke Konzentration auf einzelne Personen kann den Wähler schnell müde machen…

Der in Rumänien geborene Bundestagsabgeordnete wird aus seinen Reihen stets in Schutz genommen. Stattdessen arbeitet man sich an Grünen-Herausforderer Cem Özdemir ab. Er zeigte sich jüngst im Fußballstadion, angeblich in Markenklamotten. Hieraus drehte man ihm bei der AfD einen Strick, vergaß dabei jedoch, dass es Frohnmaier selbst ist, der sich in Videos oftmals prunkvoll in seinem luxuriös ausgestatteten Dienstwagen und in feinem Zwirn präsentiert. Die Gefahr, in Doppelmoral zu verfallen, damit Glaubwürdigkeit zu verspielen, scheint also immens. Da vermisst man durchaus eine gewisse Fokussierung und Konzentration auf die Probleme, Sorgen und Nöte, die die Menschen zwischen Bodensee, Necker, Oberrhein und Hohenlohe plagen. Stattdessen hört man viel über Trump, die NATO und Russland.

Ob es glücklich war, jemanden ins Rennen zu schicken, der auf zwei Hochzeiten tanzt, mag einerseits zu diskutieren sein. Andererseits könnte die Kampagne beklagt werden, den Schlussspurt allein auf Frohnmaier zuzuschneiden. Überall Plakate, Fotos auf der Webseite, sein Kopf bekleidet ziemlich isoliert die Strategie, in die Villa Reitzenstein einzuziehen. Dabei sind es die vielen Mitstreiter, die Direktkandidaten vor Ort, welche das eigentliche Fundament darstellen. Sie müssen sich abgekanzelt vorkommen, tragen sie das wesentliche Engagement bei, stellen sich den Fragen der Öffentlichkeit, werden von ihrer AfD allerdings ziemlich im Stich gelassen. Dass man als Liste antritt, scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Vielleicht stünde man besser da, hätte man diversifiziert – und auf anderes Spitzenpersonal gesetzt.