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Selten genug in der heutigen Zeit: Lieber Jannik Schleemann, deine Größe zur glaubwürdigen Entschuldigung hat mich ernsthaft berührt!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Das Wissen: Entschuldigung im Privaten – Von echter Reue zur Versöhnung“ (aus: SWR vom 18.01.2026)

Es gibt nur sehr wenige Konstellationen in der Vergangenheit, die mich nach einem Dissens veranlasst haben, von Versöhnung abzusehen. Ich bin kein nachtragender Mensch, im Gegenteil. Wer mein Umfeld befragt, dem wird wahrscheinlich die Gutherzigkeit als eines meiner charakterlichen Merkmale genannt werden. Denn ich bin davon überzeugt, dass wir alle Fehler machen. Und wir an unser Gegenüber nicht strengere Maßstäbe anlegen sollten als an uns selbst. Wenn ich etwas bedauere, dann tue ich dies stets aus echter Reue. Und so erwarte ich umgekehrt, dass eine Entschuldigung aus Überzeugung erfolgt. Nicht lapidar und nebenbei, sondern im Bewusstsein darüber, sich unangemessen verhalten zu haben. Wer wäre ich also, über diejenigen zu richten, die sich zur Eigenkritik durchringen? Man muss sich nach den allermeisten Streitigkeiten, Ärgernissen und Verletzungen wieder in die Augen schauen können, einander die Hand reichen. Dieser Geist ruht in mir.

Ein öffentlich ausgetragener Konflikt hat Anspruch auf publikumswirksame Versöhnung…

Genau deshalb ist es mir auch ein wirkliches Anliegen, an dieser Stelle einen Schlussstrich unter ein offensichtlich großes Missverständnis zu ziehen, welches ich in einem früheren Artikel thematisiert habe, das sich nunmehr aber endgültig zu klären scheint. Der BSW-Jungpolitiker aus Niedersachsen, Jannik Schleemann, hatte auf meine Antwort zu einem seiner Posts in den sozialen Medien ziemlich plump reagiert. „Red nicht in Rätseln“, antwortete er mir, als ich ihn eigentlich nur auf mein äußerst wohlwollend verfasstes Portrait über ihn aufmerksam machen wollte. In der Folge entwickelte sich ein Disput, fühlte ich mich doch einigermaßen vor den Kopf gestoßen, eine derartige Respektlosigkeit Undankbarkeit zu erfahren. Meine Zweifel wuchsen, ob das Bündnis von Sahra Wagenknecht tatsächlich eine integre Option sein kann, ist man als Unabhängiger doch irgendwie ständig auf der Suche, wem man bei der nächsten Wahl seine Stimme gibt.

Wer wäre ich denn, wenn ich in Zeiten der Spaltung die Hand des Brückenbaus ausschlage…

Publikumswirksam äußerte der Unternehmensberater in einer indirekten Assoziation, ich könnte „durch und durch AfDler“ sein. Auch diese Überzeugung war ein Schlag in die Magengrube. Denn wie sehr hatte ich mich bereits ins Zeug gelegt, mein prinzipielles Wohlwollen zu diversifizieren. Schleemanns eigene Partei hat von vielen konstruktiven Artikeln profitiert, die ich über sie zu Papier gebracht habe. Es ist vollkommen richtig, dass ich Sympathien für die Alternative für Deutschland hegte. Doch kritikloser Unterstützer, gar Aktivist oder Jünger, bin ich nie gewesen. Schon allein der Beruf des Journalisten bringt es mit sich, in sämtliche politische Richtungen skeptisch zu bleiben. Und so gebe ich zu, dass ich mich ziemlich ärgerte, so vorurteilsvoll behandelt worden zu sein. Es hatte etwas von einem Angriff auf Integrität und Ehre, mich auf offener Bühne einer gewissen Unprofessionalität zu bezichtigen, denn man hätte mich besser kennen können.

Ob Partei oder Person: Ein Neuanfang birgt immer die Chance zur Unvoreingenommenheit!

Doch dann kam es überraschend zu einer E-Mail. Und ja, ich nehme sie als Zeichen des Brückenbaus wahr. Es ist nicht meine Art, aus privaten Nachrichten zu zitieren. Aber es war der Eindruck, dass sich jemand ernsthaft Gedanken gemacht hat, welcher mich im jetzigen Augenblick diese Zeilen formulieren lässt. Da hat ein Charakter Größe bewiesen, ich rechne sie ihm hoch an. Wir haben sicherlich unterschiedliche Vorstellungen davon, in welchem „Slang“ man in der Moderne kommuniziert. Wahrscheinlich bin ich diesbezüglich altmodisch, konservativ und rückwärtsgewandt. Aber auch das tut der Befriedung keinen Abbruch. So bleibt es meinerseits mehr als ein Zeichen des guten Willens, nicht nur auf Schneemann selbst, sondern auf das BSW im Allgemeinen noch einmal unverbraucht zuzugehen. Denn wie hebt doch die Programmatik hervor: „Wir streben eine neue Ära der Entspannung an“. Das gilt mit Blick auf internationale Konflikte, aber auch für das Scharmützel im Kleinen.