Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Intervention in Venezuela: Trumps Hybris könnte ihm zum Verhängnis werden“ (aus: „ZEIT Online“ vom 04.01.2026)
Donald Trump wird bejubelt, zumindest von jenen, die in Venezuela das Ende des Sozialismus feiern, von Europa aus ein weiteres Land zur Freiheit beglückwünschen. Und natürlich ist es auf den ersten Blick allzu respektabel und verdient, dass die dortigen Menschen von der Geißel der Diktatur entfesselt wurden. Tausende Demonstranten kamen während der Ära eines Tyrannen bei Protesten ums Leben, Millionen Flüchtlinge durch die Wirtschaftskrise, Folter und Willkürhaft waren zu verzeichnen. Maduro hat sich vermutlich an die Macht geschmuggelt. Genauso, wie Tonnen von Kokain in die USA. Doch wird mit dem Republikaner aus dem Weißen Haus möglicherweise eine Galionsfigur für das Falsche gen Himmel gehoben?
Denn der Präsident der Vereinigten Staaten hat nicht etwa aus den genannten Gründen die Militäroperation auf Caracas befohlen. Stattdessen gab er an, dass die Gefahr des Drogentransports mittlerweile nach Nordamerika überschlage, das eigene Justizministerium Belege für den „Narco-Terrorismus“ gefunden habe. Da liest man nichts von einem heroischen Einsatz gegen einen Despoten, von dem Ansporn, eine ganze Zivilisation aus der Marter des nationalistischen, aber eben auch kommunistischen Autokraten loszulösen. Stattdessen ging es vorwiegend um die eigenen Interessen Washingtons, vermutlich auch Erdöl. Es finden sich offiziell keine hehren Ziele, für die die Administration in den höchsten Tönen gelobt wird.
Es geht weniger um das ohnehin wertlose Völkerrecht, sondern um die Frage der Willkür…
Stattdessen sind es die westorientierten Transatlantiker, aber auch die Unterstützer der MAGA-Bewegung, die eine primäre Ambition andichten, welche es gar nicht gab. Der 79-Jährige aus dem Oval Office hat keinen weiteren Beitrag dazu geleistet, um dem Friedensnobelpreis etwas näher zu kommen. Denn sein Antrieb speiste sich aus wirtschaftlichen Motiven, da gab es keine Ideale, die nunmehr in dem Raum geführt werden. Nicht etwa Menschenrechtsverletzungen oder die Unterdrückung der Opposition waren ausschlaggebend, sondern die Kartellstrukturen in der Regierung. Man wollte den Gegner vom Thron stoßen und ihn der Strafverfolgung im eigenen System aussetzen. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Für eine Bewertung der Gemengelage braucht es nicht unbedingt einen Blick in das sogenannte Völkerrecht. Nach der UN-Charta in Artikel 2 (4) verbietet sich zwar eine Gewaltanwendung, fehlt es an einem Sicherheitsratsbeschluss und einer unmittelbaren Bedrohung. Doch das war schon oft so. Die Argumentation, Rauschgifthandel bekämpfen zu wollen, ist bei weitem keine hinlängliche Grundlage für Aggression, für die Entführung eines Machthabers. Zwar könnte man humanitäre Aspekte vorschieben, sie sind jedoch kein Blankoscheck, erfordern für gewöhnlich eine multilaterale Zustimmung und Verhältnismäßigkeit. Beides scheint nicht gegeben, viel eher ein Hegemonialbestreben nach dem Prinzip des Stärkeren.
Die USA waren schon immer ideenreich, Vorwände für ihre „Befreiungsschläge“ zu finden…
Wer einmal damit beginnt, die Souveränität Anderer nach ziemlichem Belieben zu relativieren, der lädt nahezu ein, es ihm gleichzutun. Ob sich nun Russland auf die Position bezieht, für den Überfall auf die Ukraine ebenfalls fadenscheinige Vorwände präsentieren zu dürfen, weil man es über dem großen Teich ähnlich macht. Oder China Ermutigung empfindet, gegen Taiwan zu intervenieren. Und Trump selbst hat nicht ausgeschlossen, dass Kuba das nächste „Projekt“ sein könnte, welches er in den Blick nimmt. Eine Kettenreaktion scheint keinesfalls ausgeschlossen, die Dose der Pandora ist eröffnet, der Geist ist aus der Flasche. Ihn einzufangen, wird mit Imperialisten hier wie da wohl nicht mehr gelingen.
„Solide Quellen“ gab der ehemalige Außenminister Colin Powell an, als er den Einmarsch in den Irak rechtfertigte. Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, das Resultat eines gigantischen Armeemanövers war der Scherbenhaufen einer Erzählung, die sich am Ende als Lüge entpuppte. In Panama oder Libyen gestaltete sich die moralisierende Hybris unserer Hemisphäre gleichsam desaströs. Man will eine Weltordnung aufdrücken, ohne dabei den Weg internationaler Gerichte oder gemeinschaftlicher Absprachen zu gehen. Stattdessen prescht der selbsternannte Global Player in seinem kolonialistischen Stil wiederholt vor. Wann wird er in Berlin landen, um die Deutschen aus der Pein von Friedrich Merz zu erretten?







