Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „AfD-Landeschef reagiert auf Anfrage: Frohnmaier nennt Journalist ‚Schmierfink‘ und entschuldigt sich“ (aus: „Stuttgarter Zeitung“ vom 22.04.2026)
Als Ureinwohner von Konstanz bin ich mit dem Blatt groß geworden. Der „Südkurier“ ist die einzig nennenswerte Lokalpresse am westlichen Bodensee. Und er hatte einst ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Sogar einen Preis gewann er für seine vermeintliche Unabhängigkeit. Bis zu dem Augenblick, als sich die Redaktion entschied, nicht nur zu gendern, sondern eine linksliberale Schlagseite einzunehmen. Die Berichterstattung von heute hat klare Schwerpunkte. Einer von diesen ist das regelmäßige Einschlagen auf die AfD. In ihr hat man einen Widersacher gefunden, dem man fast täglich neue Skandale anheftet. Ich bin weit entfernt von der Philosophie meiner Kollegen, die kaum Berührungsängste zu „Klimaaktivisten“ oder den „Omas gegen rechts“ haben, wohl aber zu einer Partei, die der Souverän in Wahlen fortwährend legitimiert. Entsprechend liegt mir nichts näher, als meine Distanz gegenüber einem Verlag zu erklären, dessen Vorurteile feststehen. Umso weniger leicht mache ich es mir damit, mich aktuell verteidigend hinter Benjamin Brumm zu stellen.
Fachlich und sachlich war die Medienanfrage des „Südkuriers“ nicht zu beanstanden…
Dieser richtete eine Medienanfrage an die AfD in Baden-Württemberg, die eine Großspende erhalten hatte. In einer sachlichen, berufsethisch nicht zu beanstandenden Kontaktaufnahme wollte er eine Stellungnahme einholen. Unter anderem erreichte sie den einstigen Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl, Markus Frohnmaier. Dieser wies eine Mitarbeiterin an: „Darauf antworten wir nicht“. Und weiter: „Das geht den Schmierfink gar nichts an“. Die E-Mail landete versehentlich auch im Postfach des Journalisten, wurde in der Folge zum Thema gemacht. Nicht nur Alice Weidel äußerte Unverständnis und kündigte eine Klärung an. Auch aus dem Vorstand in Stuttgart gab es rasche Abgrenzung. Der außenpolitische Sprecher selbst ruderte zurück, bezeichnete seine Wortwahl als „nicht angemessen“. Er bat um Entschuldigung, äußerte sich noch einmal schriftlich. Denn tatsächlich ist es ein Unding, einen Vertreter der vierten Gewalt auf diese Art und Weise zu beleidigen, der in korrekter Form seine Arbeit tut. Dass das „nicht hätte passieren dürfen“, muss klar sein.
Doch natürlich stellt sich nun auch für den außenstehenden Beobachter, für einen Menschen wie mich, der die Brandmauer gegen die Alternative für Deutschland ablehnt, wiederkehrend wohlwollend zu Partei und ihren Protagonisten kommentierte, sie in Schutz nahm vor manch einer Schmutzkampagne, die Frage nach dem eigentlichen Verhältnis zu „den Medien“. Denn differenziert wird bei den „Blauen“ nur selten. Diesen Umstand habe auch ich in der Vergangenheit kritisiert, warf man mich in einen Topf mit Namen wie Georg Restle, Dunja Hayali oder Elmar Theveßen. Solange ich fair und konstruktiv Artikel ablieferte, die ohne jede Gegenrede blieben, war ich nützlich. Als in mir Zweifel aufkamen, ob hinsichtlich der Beziehung zu publizistisch Tätigen mehr Schein als Sein ist, wurde ich von zahlreichen Vertretern fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Und deshalb attestiere ich der AfD mittlerweile in einem ganz beträchtlichen Umfang bewussten Argwohn, prosperierende Vorbehalte und gezielte Missgunst mit Blick auf meine gesamte Branche.
Es stellt sich die grundsätzliche Frage des Verhältnisses von AfD und „den Journalisten“…
Ob man sich damit einen Dienst erweist, Multiplikatoren zu verprellen, weil man offenbar meint, auf den sozialen Plattformen eine eigene Öffentlichkeit geschaffen zu haben, das muss auch Frohnmaier für sich entscheiden. Die „Lügen-“ und „Pinocchio-Presse“ sollte ihrerseits darüber nachdenken, inwieweit sie ihre Dokumentation, Reportage und Meldung zur AfD auf ein Minimum reduziert. Denn wer sich zu schade dafür ist, den Terminus der „Systemmedien“ nur bedingt zu relativieren, sondern ihn auf sämtliche Mitglieder einer Zunft anwendet, die als Sprungbrett geeignet bleibt, bei Bedarf aber auch als Fußabtreter herhalten muss, sollte nicht zu viel erwarten. Da schwingt gewisse Doppelmoral mit, wenn man Talkshows und Interviews für Provokation oder Reichweite nutzt, hinter vorgehaltener Hand seine wahre Gesinnung zeigt. Ich werde nicht den Fehler begehen, mich zu einer Verallgemeinerung hinreißen zu lassen. Schließlich gibt es eine Menge an Funktionären aus zweiter und dritter Reihe, mit denen ich wechselseitig einen überaus respektvollen Umgang pflege.
Und so gehört es gleichsam zur Selbstverständlichkeit, auch dem „Südkurier“ im momentanen Affront zu bescheinigen, bei weitem nicht alles richtig gemacht zu haben. Dass er auf „Facebook“ seinen Post zur Entschuldigung des AfD-Bundestagsabgeordneten löschte, samt aller Kommentare, weil zahlreiche Antworten auf die Reaktion des Konstanzer Kreistagsfraktionschefs Michael Stauch rassistischer, hetzerischer und aggressiver Natur waren, ist ein überaus unprofessionelles Vorgehen. Denn damit verschwindet die Kehrseite der Medaille aus der Wahrnehmung, dass Frohnmaier seinen Fauxpas bedauert. Zurück bleibt allein die anfängliche Darstellung seines charakterlichen Aussetzers. Hier wäre nicht nur eine elegantere Lösung vonnöten gewesen, sondern eine zeitnahe, transparente Richtigstellung im Nachgang. Denn Journalismus bedeutet stets auch Vollständigkeit, also das Abliefern des kompletten Bildes eines Vorfalls, den es in der Sache nicht zu beschönigen gilt, aber in sämtlichen Facetten authentisch wie umfassend zu präsentieren.








