Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „‚Das geht den Schmierfink gar nichts an‘: AfD-Landeschef Frohnmaier pöbelt gegen SÜDKURIER-Redakteur“ (aus: „Südkurier“ vom 21.04.2026)
Gerade in einer gesellschaftlich polarisierten Zeit, die von einer breiten Medienlandschaft dafür genutzt wird, die Spaltung zwischen den Menschen in unserem Land noch weiter voranzutreiben, macht man sich als Journalist durchaus Gedanken, wie man sich in der schwierigen Gemengelage positioniert. Der Auftrag der dritten Gewalt lautet eigentlich in Richtung Unabhängigkeit, Objektivität und Ausgewogenheit. Doch viele Kollegen sind von diesem hehren Anspruch mittlerweile weit entfernt, haben in das Lager von Propagandisten und Aktivisten gewechselt, machen sich zum Sprachrohr von NGOs oder der Regierung. Es braucht im Zweifel durchaus Mut, sich gegen diese Entwicklung zu stellen, im Zweifel auch Partei zu ergreifen für die Opposition. Mir war mein Ruf und Leumund nie derart wichtig, dass ich mich zur Anpassung an Mehrheitsverhältnisse hätte zwingen lassen. Aufrichtigkeit und Rückgrat scheinen in meiner Branche wichtiger als die Bestätigung in der Dunstblase. Ich bin weder Anhänger von „unserer Demokratie“, noch gehöre ich zu „den Guten“. Für mich ist klar: Wo es links gibt, da ist auch rechts. Nicht der Verfassungsschutz bestimmt über die Legitimation von politischen Wettbewerbern, sondern allein der Souverän. Und er macht sich zunehmend ein ganz eigenes Bild.
Auch als Journalist war ich von Grund auf wohlwollend gegenüber AfD und BSW eingestellt!
Die Brandmauer stößt auf immer mehr Argwohn, denn sie hat in eine Sackgasse geführt. Plötzlich denkt sogar die CDU darüber nach, bei Bedarf mit der SED-Nachfolge zu paktieren, weil man auf Teufel komm raus die Kontaktschuld zur AfD pflegt. Unter dem Eindruck der Moralkeule, als „Nazi“ oder „Faschist“ degradiert zu werden, biedert man sich Grünen und Genossen an. Wie weit man inhaltlich voneinander entfernt ist, das zeigt sich in der Großen Koalition täglich. Die Schnittmengen mit den „Blauen“ wären deutlich größer, das müsste wohl auch Friedrich Merz eingestehen, wäre er anständig und authentisch zu sich. Doch die Fuchtel der vermeintlich „richtigen Seite“ der Geschichte hinterlässt Spuren. Auch bei Publizisten, die nur bedingt von einer bunten Ideologie durchzogen sind, aber deshalb im Gleichschritt marschieren, weil sie um ihre Karriere in etablierten und öffentlich-rechtlichen Medien fürchten. Glücklicherweise bin ich als Einzelkämpfer weit entfernt von dem Drang, mich aus praktischen oder theoretischen Gründen nicht ehrlich machen zu dürfen. Und so habe ich mich früh entschieden, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um die prinzipielle Verteidigung der Alternative für Deutschland oder des BSW als ebenbürtige Mitstreiter auf dem Berliner Tableau geht.
Parteien und Politiker tendieren dazu, potenzielle Multiplikatoren als Trittbrett auszunutzen…
Und trotzdem bin ich mittlerweile enttäuscht, frustriert und desillusioniert. Doch nicht etwa, weil ich inhaltlich hadere, mit der Gangart, als Schreiberling ergebnisoffen zu sein. Viel eher ist es die Ernüchterung, nach unzähligen Artikeln wie Porträts über Personen und Programm, in aller Regel mehr als konstruktiv, fair und wohlwollend gehalten, zum nützlichen Instrument verkommen zu sein, auf das man gerne zurückgreift, wenn man es braucht. Und das man fallen lässt, wenn es seinen Dienst getan hat. Natürlich ist dieser Trend kein ausschließliches Phänomen der genannten Kräfte. Stattdessen scheint es zum guten Stil zu gehören, in einem modernen Miteinander allein auf die eigenen Interessen zu pochen. Narzissmus und Egoismus brechen sich Bahn, man nimmt mit, was man kann. Ob man damit einen Menschen vor den Kopf stößt, ihn allein zu einem Mittel des Zwecks macht, diesbezüglich denken jene kaum nach, die ihr Gegenüber zu einem schlichten Trittbrett entwürdigen. So lange etwas dienlich ist, reitet man auf der Welle. Wurde das Ziel erreicht, springt man ab. Ich muss meine Erwartung herunterschrauben, dass Empathie und Mitgefühl heutzutage noch irgendeinen Belang hätten. Schon gar nicht in einem Gewerbe, in dem es alleine um Macht und Einfluss des Einzelnen geht.
Das gesellschaftliche Phänomen der Spaltung von Uneigennützigen und ihren Profiteuren…
Da stumpft man ab, verroht in der Gier um Karriere, Posten und Diäten. Dankbarkeit ist ohnehin ein Auslaufmodell, Einseitigkeit prosperiert hingegen. Langfristig könnte eine solche Untugend allerdings folgenreich sein. Denn auch als erfolgreicher Mandats- und Amtsträger ist man auf Multiplikatoren angewiesen. Natürlich haben AfD und BSW heutzutage ihre Influencer und Content Creator. Deutlich mehr braucht es auch nicht in der digitalen Welt. Mit Presseschaffenden steht man ohnehin auf Kriegsfuß, teilweise nachvollziehbar ob deren Umgang mit den Ausgegrenzten, oftmals aber in einer ungerechtfertigten Pauschalisierung. Für mich lautet die Konsequenz aus der Erfahrung, vollkommen auf Zuneigung, Sympathie und Freundlichkeit zu verzichten. Eine solche Mentalität entspricht zwar nicht meinem eigentlichen Charakter. Aber auch ich habe noch einen Rest an Wertschätzung in mir, der ins Gewissen redet, sich nicht verramschen zu lassen für einen Moment der Aufmerksamkeit. Parteien kommen ohne positive Schlagzeilen aus, ich wiederum kann das Gutdünken von Profiteuren entbehren, die auf meine Gunst weder angewiesen noch bedacht sind. Sie lassen dich fallen wie eine heiße Kartoffel, das bringt offenbar der Elfenbeinturm so mit sich. Ein Armutszeugnis für ein Kollektiv, das sich immer mehr entzweit. In die Nassauer auf der einen Seite, in die Selbstaufopfernden andererseits.








