Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Manuel Hagel: ‚Özdemir verspricht Dinge, die seine eigene Partei niemals mitgehen wird'“ (aus: WELT vom 01.03.2026)
Da tauchte ein acht Jahre altes Video auf, von einer Fernsehsendung am Stammtisch, am dem Manuel Hagel über den Besuch in einer Schulklasse sprach. Der heutige Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl in Baden-Württemberg erinnerte sich an die „rehbraunen Augen“ eines Mädchens. Was noch in der vergangenen Dekade als ein Kompliment gewertet werden konnte, gilt heutzutage als „Sexismus“. Es wäre tatsächlich einigermaßen subtil, nur aufgrund eines Griffs in die Mottenkiste dazu zu tendieren, der Christdemokratie die Stimme zu verweigern. Denn die Zukunft des Südwestens ist deutlich mehr wert als die übereifrige Reaktion auf eine möglicherweise unglückliche Wortwahl aus der Vergangenheit. Wer sich tatsächlich ein Bild des 37-Jährigen machen will, der blickt weniger auf alte Kamellen, viel eher auf seine inhaltlichen Aussagen von heute. Und im gleichen Atemzug auf die charakterliche Integrität eines Diplom-Bankbetriebswirts, der regelmäßig vergaß, in seinem Lebenslauf darauf hinzuweisen, dass er nicht etwa einen akademischen Abschluss besitzt, sondern lediglich eine Weiterbildung an der „Frankfurt School of Finance & Management“ absolviert hat.
Biografie mit Schönheitsfehlern: Die halbe Wahrheit ist eben auch eine Täuschung!
Da werfen ihm Kritiker durchaus nachvollziehbar eine Beschönigung seiner beruflichen Biografie vor. Und Euphemismus scheint ganz prinzipiell zu einem Wesenszug des Ehingers zu gehören, der die gravierenden Folgen der illegalen Migration nicht etwa mit harter Hand angehen will, sondern zunächst einmal beabsichtigt, einen „Sicherheitsrat“ einzuberufen. Führungsstärke und Durchsetzungskraft sehen wahrlich anders aus. Er wirkt insgesamt blass und unerfahren. Zwar überzeugt sein weißes Lächeln, seine stets korrekt frisierten Haare, seine passende Brille, seine maßgeschneiderten Anzüge. Doch was steckt hinter all der Fassade? Da soll eine Agenda der Zuversicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur Stuttgart nahezu pleite ist, man sich selbst in der Provinz am Bodensee nachts kaum noch auf die Straße traut, immer weitere Firmen abwandern und Arbeitsplätze wegfallen. Wie oft gab es schon die Ankündigung, deregulieren und entbürokratisieren zu wollen, den Standort attraktiver zu machen. Stattdessen wurde es stets schlimmer statt besser. Nicht zuletzt auch, weil keine konsequente Abkehr von der Transformation zu erwarten ist, die das Wachstum lähmt.
Inhaltlich sind die Forderungen so schwach, dass man sie nur mit Gebrüll übertönen kann…
Steigende Energiepreise sind auch für den einfachen Bürger Grund zum Frust. Daran wird auch die Kompensation durch angekündigte Steuerentlastungen für Betriebe nicht viel ändern, solange man mit Blick auf das Innovative den Schwerpunkt auf nicht mehr als den Netzausbau legt. Videokameras im öffentlichen Raum sind lediglich Symptombehandlung, sie führen im Zweifel zur Überwachung Unbescholtener. Allzu weit möchte man sich bei Abschiebungen und Grenzkontrollen nicht aus dem Fenster lehnen, betont man immer wieder, sich von der „extremistischen“ Programmatik des Markus Frohnmaier fernzuhalten. Schließlich scheint es so, als habe man sich bereits vor Schließung der Stimmurnen auf eine erneute Koalition mit den Grünen verständigt, welche die Handbremse anlegen. Gemeinsam mit ihnen kämpft die Union für „unsere Demokratie“. Wertet man die Plenarprotokolle der zu Ende gehenden Legislaturperiode aus, so findet man in fünf von zehn teils lautstark bis polemisch wirkenden Redebeiträgen des Familienvaters ein Abarbeiten an der AfD. Hagel bezeichnet sie nicht nur als „Vaterlandsverräter“, sondern auch als „Fieberthermometer“, „Heuchler“ und „Spione“, die „putinhörig“ und „wahnsinnig“ seien.
Manuel Hagels Verachtung der AfD hat den demokratischen Boden längst verlassen…
Wer sich hier demaskiert, scheint wohl offensichtlich. Nicht die Alternative für Deutschland zeigt ihr wahres Gesicht, sondern ein Fraktionsvorsitzender, der mit Nebelkerzen um sich haut, weil er argumentativ ziemlich blank erscheint. Über Bildung und Leistung fabuliert er, um ziemlich schnell hinterherzuwerfen, dass seine „Hauptgegner“ für den „moralischen Abstieg“ stünden. Viel mehr als Wortgewalt entweicht nicht aus dem Munde dessen, der „Wirtschaftsweise“ einberufen will, weil ihm selbst offenbar Kompetenz und Ahnung fehlen. Niemals werde er „kooperieren oder koalieren“, denn man müsse die Menschen vor der blauen „Truppe“ so gut wie möglich „schützen“, dürfe sie zu keinem Moment in Verantwortung lassen. Wer Patriot sei, könne nur die CDU wählen, denn die AfD hasse alles, was er selbst politisch liebe. Und tatsächlich scheint ein Miteinander mit Friedrich Merz sowohl für Tino Chrupalla wie auch Alice Weidel schwer vorstellbar. Ohnehin kann keiner damit rechnen, dass das Kartell den Zugang zu den „Fleischtöpfen“ bereitwillig freimacht. Denn auch das ist eine Ambition Hagels: Das Verteidigen von Pöstchen, Diäten und Vorteilen.









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