Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „CDU jetzt doch mit den Linken? Riesen-Aufregung um Daniel Peters“ (aus: „Nordkurier“ vom 02.02.2026)
Wattestäbchen seien ungeeignet, um die Lauscher zu reinigen. Wer schlecht hört, dem wird laut Leitlinien zunächst einmal empfohlen, den HNO aufzusuchen. Inwieweit sich Daniel Peters, Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, daran orientieren wird, ist unklar. Er habe die Frage falsch verstanden, betont der 44-Jährige, als es um eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ging. In einem Interview mit „Politico“ wurde er explizit auf Regierungsoptionen nach der Wahl im Herbst 2026 angesprochen. Inwieweit eine Tolerierung oder Koalition denkbar sei, wollte der Redakteur von ihm wissen. Die Antwort war aussagekräftig. Nach den derzeitigen Umfragen werde dieses Szenario wahrscheinlich, allerdings gehe er nicht davon aus, dass die derzeitigen Meinungserhebungen das letztendliche Ergebnis widerspiegelten. Trotzdem nahm man seine erste Satzhälfte als Bestätigung dafür, sich im Zweifel auch in den Dienst der SED-Nachfolge zu stellen, um ihr – gemeinsam mit der SPD – zu einer Mehrheit zu verhelfen. Doch das alles soll nicht so gemeint gewesen sein, ruderte der Rostocker einige Zeit später zurück.
Unvereinbarkeitsbeschlüsse gelten nur nach rechts, situativ und je nach Windrichtung…
Der Parteitag der Christdemokraten in Hamburg 2018 hatte einen Unvereinbarkeitsbeschluss gefasst, der jegliche Form der Zusammenarbeit mit Jan van Aken, Ines Schwerdtner oder Heidi Reichinnek untersagte. Doch schon längst ist er nicht mehr das Papier wert, auf dem er geschrieben wurde. Bei der Kanzlerwahl ging man nach dem gescheiterten ersten Versuch, Friedrich Merz ins Amt zu heben, auf Marxisten und Sozialisten zu, um die Geschäftsordnung zu ändern. Plötzlich wollte man nichts mehr wissen von einer Brandmauer zu den dunkelroten Genossen. Weshalb sollte man also glauben, dass die Verhältnisse im Nordosten der Republik andere sein werden, ergibt sich eine Möglichkeit, zumindest als Anhängsel an die Macht zu kommen? Natürlich bestand nie die Absicht, ein Bündnis mit dem Kommunismus zu errichten. Auch nicht im Parlament von Schwerin. Worte sind wie Schall und Rauch, insbesondere bei einem Charakter, der die AfD offenbar zum Erzfeind auserkoren hat. Zwar betont Peters sein wertkonservatives Profil, will Abgrenzung in alle „extremistischen“ Richtungen. Doch augenscheinlich nur dann, wenn es die Zahlen zulassen.
Träumereien eines weit Abgeschlagenen: Es könnte ja noch klappen, mit 30 Prozent…
Die Hoffnung stirbt zuletzt, sich selbst noch auf über 30 Prozent zu katapultieren. Man darf ja noch träumen, so könnte der Galgenhumor lauten. Denn Herausforderer Leif-Erik Holm von der Alternative für Deutschland hat gut lachen. Er rauscht derzeit mit 35 bis 38 Prozent meilenweit allen anderen Konkurrenten davon. Es dürfte neuerlich eine Kooperation der Verlierer geben, um die stärkste Kraft zu blockieren. Mit der Umsetzung des Wählerwillens hat all das nichts mehr zu tun. Und die Union macht sich hier wie da mitschuldig, verwehrt sie dem Gewinner aus Prinzip den Zugang zu Macht und Einfluss. Was würde sich manch einer ihrer Repräsentanten aus der Vergangenheit im Grabe umdrehen, wüsste er davon, mit welch einer Leichtigkeit ein wechselndes Abstimmungsverhalten in Thüringen praktiziert wird. Auch in Brandenburg und Sachsen votiert man mit dem gedanklichen Erbe der früheren Mauerschützen. Ohne Not geht die CDU den Schulterschluss mit jenen ein, die die Diktatur der DDR bis heute nur bruchstückhaft anerkennen wollen. Nicht alles war damals schlecht, so heißt es oft. Das stimmt, doch die Aussage relativiert viel.
Die marxistisch-leninistische Linkspartei gilt längst nicht mehr als „verfassungsfeindlich“…
Und so weht das Fähnchen im Wind, ist eine eigentlich eindeutige Übereinkunft, sich nicht zum Steigbügelhalter des politischen Arms der Antifa zu machen, löchriger als jeder Schweizer Käse. Da zieht man sich plötzlich auf die Formulierung zurück, lediglich „verfassungsfeindliche“ Gegner zu schmähen. Mit Verlaub, wie lange hat der Inlandsgeheimdienst Strömungen wie „Cuba Sí“, die „Kommunistische Plattform“, das „Marxistische Forum“ oder die „Sozialistische Linke“ beobachtet? Hier findet eine offene Verklärung statt, weil es nicht nur in den Ländern massive Zweifel daran gibt, ob diese Partei tatsächlich auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Bei der Verbeamtung wurde nach einer möglichen Mitgliedschaft gefragt, es gibt Skepsis, wie weit man beispielsweise mit kurdischen Radikalen vernetzt ist, mit einem gewaltbereiten Palästinenserumfeld. Solange sich Martin Schirdewan für die „Hammerbande“ ins Zeug legt, exemplarisch für Maja T., in Ungarn jüngst wegen versuchter Tötung zu acht Jahren Haft verurteilt, sollte sich jede Debatte über Gemeinsamkeiten erledigt haben.







