Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Ronny Kupke ist neuer Vorsitzender der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag“ (aus: MDR vom 27.01.2026)
Kontinuität ist das wichtigste Pfund in der Parteiarbeit. Wer selbst bei personellen Brüchen auf Fortbestand setzen kann, hat schon viel gewonnen. Insofern ist dem BSW in Sachsen jüngst ein Glücksfall widerfahren, bestimmte die dortige Fraktion den bisherigen Co-Vorsitzenden Ronny Kupke einstimmig zur Nachfolge von Sabine Zimmermann. Denn der 1977 in der damaligen Karl-Marx-Stadt geborene Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen bringt nicht nur berufliche Erfahrung und Routine mit, sondern erweist sich als kühler Kopf, der mit Vernunft, Verhandlungsgeschick und Vertrauen durch die Basis punktet. Nunmehr steht er an der Spitze von insgesamt 15 Abgeordneten des Bündnisses im Dresdner Parlament, will die Reihen geschlossen halten, aber vor allem der Minderheitsregierung das Leben schwer machen. Denn ihr wirft der ehrenamtliche Hilfsschöffe massive Versäumnisse in der Wirtschaftspolitik, gleichsam mit Blick auf Gerechtigkeit und Fairness gegenüber der hart arbeitenden Bevölkerung vor. Schließlich gehört auch Michael Kretschmer zu jenen Landesvätern dieser Republik, die stets viel ankündigen, am Ende aber nur wenige liefern.
Ronny Kupke ist Fachmann, voller Konzentration, ohne Allüren, ein Menschenfreund!
Als Vorsitzender des Gesamtpersonalrats bei der AOK Plus hat Kupke Routine gelernt, er ist kein Mann der lauten Töne, sondern überzeugt mit Weitsicht, Kompetenz und Bürgernähe. In den neuen Medien kommuniziert er niederschwellig, lässt keine karrieristischen Allüren erkennen, sondern nimmt den Beobachter mit in den Alltag eines Volksvertreters, der ausgefüllt ist mit Terminen vor Ort. Die Präsenz bei den Menschen liegt ihm am Herzen, darüber hinaus erweist er sich als Netzwerker. Er macht sich ein eigenes Bild, geht nicht nach Vorurteilen. Stattdessen sucht er das Gespräch, möchte die Probleme aus erster Hand geschildert bekommen. Der Chemnitzer lässt sich kaum in Schubladen packen, verbindet er linke Ansichten mit konservativen Positionen. In der Krankenversorgung fordert er nicht nur mehr Ressourcen, sondern neben moderner Medizin auch Verständnis, Zeit und Empathie für die Patienten. Weniger Bürokratie müsse das Pflegepersonal entlasten, wo möglich, Abläufe und Prozesse digitalisiert werden. Hinsichtlich der Medien solle es zu umfassenden Reformen kommen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk brauche eine Qualitätskontrolle.
Das Zünglein an der Waage: Nicht in der Regierung, aber trotzdem an der Macht…
Das Leben müsse wieder bezahlbar werden, sagt der Stadtrat, der auch mit sich und seinem Engagement fortwährend reflektiert umgeht. Handlungsfähigkeit stellt er in den Mittelpunkt seiner Agenda, er will nicht nur kleckern, sondern klotzen. Für die Rechte der Angestellten kämpft er, möchte Erwerbslose aus der Dauerfalle des Bürgergeldes befreien, die Jobvermittlung verbessern, generationenübergreifende Armut durchbrechen. Corona müsse aufgearbeitet werden, insbesondere auch die Maskendeals. Ohnehin mangele es im etablierten System an Transparenz, häufig agierten die Verantwortlichen dilettantisch, um die Verdrossenheit bei den Wählern weiter zu verstärken. Mit Bedacht nimmt Kupke Stellung zur Außenpolitik, berücksichtigt die unterschiedlichen Sichtweisen in Nahost. All seine Verlautbarungen sind vom Gedanken des Friedens und der Verständigung getragen. Entsprechend deutlich stemmt er sich gegen die Wehrpflicht, kritisiert die Aufrüstung und das Kriegsgebaren der Gegenwart. Hinsichtlich der Migration fordert er Ordnung, Begrenzung und Eingliederung. Die hiesigen Ressourcen dürften nicht überlastet und ausgenutzt werden.
Das BSW befindet sich auf Konsolidierungskurs, muss drängende Fragen beantworten…
Die Infrastruktur sieht er als vernachlässigt an, beim Instandhalten von Brücken, Straßen und Schienen gibt es einen immensen Investitionsstau. Unsere Polizei müsse adäquat ausgestattet werden, Kriminalitätsbekämpfung beginne allerdings mit der Prävention. Insgesamt zementiert Kupke den Eindruck eines überaus fokussierten Mandatars, welcher keinen Zweifel lässt an seiner Führungsstärke. Doch er ist kein bockiges Zugpferd, das den Karren alleine lenkt. Er bindet stattdessen ein, nimmt das Team mit. Nach einer Durststrecke aus Krisen und Machtkämpfen, Chaos und Spannungen könnte er für Zentrierung sorgen. Bis zum nächsten Urnengang 2029 muss ein neuer Name implementiert werden, das BSW steht vor einer grundlegenden Konsolidierung. Der Externe könnte strategisch verunsichert sein, gibt es noch zahlreiche offene Fragen. Beispielsweise, wie man sich abschließend gegenüber der AfD aufstellen will. Sollte Geschlossenheit gelingen, ließe sich der Ministerpräsidenten sogar zu einem Kurswechsel drängen. Schließlich ist er auf wechselnde Mehrheiten angewiesen. Die fragile Koalition sollte die Expertise des noch jungen Projekts von Sahra Wagenknecht ernst nehmen, immerhin wird man auf lange Sicht nicht gänzlich ohne den Segen jener auskommen, die mehr sind als ein bloßer Steigbügelhalter.







