Schwarz-blauer Erdrutschsieg am Bodensee: Konstanzer Grünen-Höhenflug gestoppt, Kontaktschuld gegenüber der AfD durchbrochen!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Nach der Wahl: CDU will sich Eintritt ins Kabinett Özdemir teuer bezahlen lassen“ (aus: SWR vom 12.03.2026)

Die Landtagswahl in Baden-Württemberg hat deutliche Verschiebungen in der Zustimmung für die einzelnen Parteien hervorgebracht. Doch nicht überall im Südwesten ist der Trend der gleiche. Mancherorts erweisen sich die Zahlen deutlicher als im Durchschnitt, beispielsweise am Bodensee. Im Stimmkreis Konstanz gab es nahezu einen schwarz-blauen Erdrutsch. Zwar bleiben die Grünen unangefochten und mit weitem Abstand vorne, für die Universitätsstadt nicht ungewöhnlich, sogar bei über 40 Prozent. Doch im Vergleich zu 2021 mussten sie Federn lassen. Hingegen gewannen CDU und AfD gemeinsam mehr als 12 Prozent hinzu. Das mag angesichts der Ergebnisse aus Stuttgart nicht atemberaubend sein, doch er ist eklatant in einer Region, die sich bisher allzu schwertat, der Alternative für Deutschland merkliches Vertrauen zu schenken. Dass darüber hinaus die Konservativen auf dem Vormarsch sind, sich ihre ehemalige Führung zurückzuerobern, hängt nicht zuletzt auch mit den Gesamtumständen und der Lebensrealität zusammen.

Die AfD konnte von deutlich verschlechterten Lebensbedingungen in der Region profitieren…

Die Kriminalität ist leicht gestiegen, insbesondere bei Einbrüchen und Messerattentaten sind die Entwicklungen unmissverständlich. Unter Jugendlichen nimmt die Gewaltbereitschaft zu, der Anteil an Migranten unter den Verdächtigen erweist sich als überproportional. Die Arbeitslosenquote ist im Zeitraum der Legislatur von drei auf vier Prozent gestiegen, gleichzeitig sank das Wirtschaftswachstum von 4,1 Prozent auf 0,2 Prozent. Der Konjunktureinbruch hat dramatische Auswirkungen auf den ohnehin ökonomisch schwachen und vor allem durch den Tourismus geprägten Zipfel der Republik. Das Defizit im Haushalt der Kommune liegt 2026 bei 18,4 Millionen Euro, deutlich mehr als rund 10,3 Millionen im Vorjahr. Eine Gemengelage, die offenbar auch bei einem Stammklientel zum Umdenken geführt hat. Die Themen Landwirtschaft und Infrastruktur spielen in der Peripherie eine markante Rolle, darin haben sich die Grünen als wenig kompetent und verlässlich erwiesen, gelten als unerfahren.

Konservative wie rechte Parteien punkteten vor allem bei der Jugend und den Senioren…

Der demografische Wandel spielt in die Hände. Gerade bei den über 70-Jährigen konnten die Christdemokraten noch einmal zulegen. Allerdings kann man sich auf diesem Pfund nicht ausruhen, denn es muss gelingen, die kommende Generation zu überzeugen, will man sich ein beständiges Fundament aufbauen. Gleichzeitig haben sich aber auch viele Rentner für die AfD entschieden. Die Altersarmut in einer für gewöhnlich wohlhabenden Landschaft ist nicht nur beim Flaschensammeln unübersehbar. Das Anknüpfen an bewährte Traditionen und Brauchtümer, der Widerspruch zu Gendern, Zeitgeist und Moderne, all das machte die „Blauen“ attraktiv. Sie konnte auch bei den Sprösslingen mobilisieren, weil sie nicht zuletzt in den sozialen Medien für sich warb. Es hat sich eine Normalisierung durchgesetzt, die Etiketten von Verfassungsschutz und Presse zogen nicht mehr, die Zuschreibung von vermeintlichem Rechtsextremismus wurde eher als Prädikat denn als Last angesehen. Darüber hinaus half eine prinzipielle Empörung über die Eliten.

Die Stimme der Arbeiter ist künftig „blau“, selbst Liberale wechselten zur Alternative…

Von über 12 Prozent unter die Fünf-Prozent-Hürde rutschte die FDP, die SPD wäre mit genau 5,0 Prozent nach Resultat aus der Provinz noch knapper im Parlament vertreten, als sie es ohnehin ist. Der Ansprechpartner für die Arbeitnehmer ist künftig die AfD. Trotz ausgeprägter Kampagnen und der Skandalisierung um potenziellen Nepotismus konnte sie sich verdoppeln. Sie sog Liberale wie Genossen gleichermaßen auf, enttäuschte wie unzufriedene. Es waren weniger die Inhalte, die Bindungskräfte entfalteten. Sondern das Gefühl, den abgehängten wird eine Stimme gegeben. Sich auf Protest alleine auszuruhen, das dürfte nicht genügen. Opposition aus Prinzip, ohne durchdachte Konzepte für die Zukunft, dieses Manko könnte spätestens dann gewichtig werden, wenn man in Verantwortung kommt. In den Gemeinderäten und Kreistagen muss man sich bereits beweisen. Soll der Erfolg weniger Intermezzo, sondern von Substanz und Dauer sein, muss er unterfüttert werden mit Vision und Machbarkeit zugleich.