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Sich ein Bild machen, statt nur zu wettern: Der journalistische Auftrag gilt auch einem unvoreingenommenen Begegnen der AfD!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Die AfD ist keine normale Partei – das sollten die Familienunternehmer wissen“ (aus: SÜDKURIER vom 28.11.2025)

Da begegnet mir jüngst der Meinungsbeitrag einer Kollegin der hier ansässigen Zeitung SÜDKURIER, welcher mit dem schlichten Werturteil überschrieben ist, die AfD sei „keine normale Partei“, um Argwohn auszulösen. In Bezug auf die Entscheidung der „Familienunternehmer“, nicht länger an der Brandmauer festhalten zu wollen, ermahnt Angelika Wohlfrom in moralischer Hybris, was die Wirtschaft zu tun und zu lassen habe. Natürlich ist im Rahmen einer Kommentierung auch der erhobene Zeigefinger erlaubt. Doch das Genre täuscht nicht darüber hinweg, welche Motivation einem solchen Text zugrunde liegt. In meiner Ausbildung wurde mir mit auf den Weg gegeben, publizistische Neugier zu zeigen, gerade auch andere Positionen als die eigenen zu verstehen, kennenzulernen und sich ihnen zu öffnen. Diesem Grundsatz scheint die Autorin nicht nachgekommen zu sein. Sie hängt fest in einer irritierenden Distanz, verbittet sich augenscheinlich selbst, Charakteren wie Programmatik hinter der Alternative für Deutschland zu begegnen. Und ehrlicherweise muss auch ich gestehen, aus dem links-grünen Lager kommend, lange Zeit ähnlich ängstlich vor der „Kontaktschuld“ gewesen zu sein.

Als Medienschaffender sollte man prinzipiell zur Vorurteilsfreiheit bereit sein!

Doch was brachte mich letztlich zum Umdenken? Im Gegensatz zur genannten Publizistin habe ich die Auseinandersetzung mit fremden Standpunkten nie gescheut. Und so war es kurz nach meiner Anmeldung in den sozialen Plattformen, als ich auf den Post des bayerischen Landtagsabgeordneten Jörg Baumann stieß. Das zeitgeistige Teufelchen auf meiner Schulter erinnerte mich für einen Moment daran, dass man zu einer Partei Abstand halten soll, die der Geheimdienst in ziemlicher Willkür als rechtsextremistisch einstuft. Doch das pragmatische Engelchen auf der gegenüberliegenden Seite ermahnte, dass rote Linien in der Demokratie nichts zu suchen haben. Außerdem kam es mir reflexartig über die Lippen: „Er hat doch recht mit dem, was er sagt!“. Und so gab ich meinem Wunsch und Willen statt, dem 1981 geborenen Aschaffenburger nicht nur ein Like zu schenken, ihm zu folgen sowie in einer Antwort ausdrücklich die Richtigkeit seiner Auffassungen über das Thema Sicherheit zu bestätigen. Sondern in meinem Kopf die Scham niederzureißen, mich im ureigensten Sinn unserer liberalen Ordnung auf die mir bislang unbekannte Denkart der AfD nicht einlassen zu dürfen.

Prompt bekam ich eine Reaktion, die so normal war für einen Politiker, dass sie mich nicht nur überraschte, sondern vom ersten Moment an eine Nahbarkeit ausstrahlte, die ich bei den etablierten Karrieristen vermisste. Ein Mandatar fand Worte, die den einfachen Bürger ansprechen, die von Weitsicht und Vernunft getragen waren. Ohne Allüren und Abgehobenheit, eine Sprache, wie du und ich sie verwenden. Da war nichts von dieser üblichen Arroganz, die ich aus vielen Jahren Erfahrung mit dem ideologischen Berlin kannte. Ein ehemaliger Polizeibeamter brachte das zu Papier, was weite Teile der Bevölkerung heute unterschreiben würden. Schnell entwickelte sich ein reger Austausch, der in eine Freundschaft mündete. Ganz unabhängig meiner beruflichen Rolle und der individuellen Sympathie finde ich allerdings auch auf der Metaebene für den 1981 geborenen Unterfranken nur deshalb positive Prädikate, weil er in vielfacher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung ist. Sich nicht vereinnahmen zu lassen von internen Querelen, unbeeindruckt zu bleiben angesichts von Hetze und Hass durch Medien, NGOs und Regierung, sich Souveränität zu bewahren – das ist nicht selbstverständlich.

Das Gespräch mit den Menschen in der AfD kann von der Integrität der Partei überzeugen!

Der Familienvater ist Mensch, durch und durch. Er steht nicht in erster Linie für eine Institution ein, sondern für die Sache. Sein vehementes Engagement für Remigration gründet sich weniger aus seiner grundsätzlichen Zustimmung zu Björn Höcke, sondern basiert auf der Stringenz, unsere Heimat wieder der Regelhaftigkeit zu unterwerfen, ihr eine gedeihliche Entwicklung in kultureller Tradition und normativer Prägung zu ermöglichen, weder das Asylrecht noch den Sozialstaat weiterhin dem Missbrauch zu unterwerfen. Seine Kritik an der Islamisierung ist kaum aus der Luft gegriffen, wenn die Ramadan-Beleuchtung die Adventsdekoration in den Schatten stellt, das Kalifat auf unseren Straßen propagiert wird, in den Schulen muslimische Gebetsräume zur Diskussion stehen. Der Vorsitzende des Ortsverbandes Haibach ist kommunal verankert, erweist sich wohl auch deshalb als zugewandt gegenüber dem kleinen Mann. Seine Forderungen und Prämissen sind simpel wie verständlich formuliert, seine Direktheit ergänzt den rationalen Blick auf die Tatsachen. Er verspottet Klimahysterie, verwahrt sich jedem Genderaktivismus, prangert den ÖRR an.

Ein cooler Typ ist für mich zum weltanschaulichen Ziehvater geworden, der mich gelehrt hat, Brücken dorthin zu bauen, wo manch ein Medienvertreter das Ende des „Guten“ sieht. Es war seine Überzeugungskraft, allein aus dem Argument für eine Agenda zu werben, die der Mainstream aus der Hilflosigkeit eines mangelnden Widerspruchs verpönt, in Sorge vor dem Machtverlust, welche mich letztlich zum Wähler der Alternative für Deutschland machte. Denn bei mir zieht das Krakeelen nicht mehr, welches die eingeebnete Presse durch mittelbare Förderung im elitären Interesse verbreitet. Ein politischer Wettbewerber wird nicht deshalb grundgesetzwidrig, weil er verkrustete Strukturen aufbrechen und überdauerte Paragrafen der Reform zuführen will. Ich habe bislang keine explizit verfassungsfeindlichen Philosophien entdecken können, die – über einzelne Stimmen hinausgehend – zur Verallgemeinerung tauglich wären, um somit zu belegen, dass die „Blauen“ nicht auf dem Boden des momentanen Herrschaftssystems stehen. Und schon allein deshalb begrüße ich Rückgrat und Courage jener, die sich weder irritieren noch verbiegen lassen vom Geifern – wie eben auch Jörg Baumann.