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Stoppt die Willkommenskultur im Markt der Möglichkeiten: Wie das Selbstbestimmungsgesetz förmlich nach Abschaffung ruft!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Selbstbestimmungsgesetz: Erneute Debatte um den Geschlechtseintrag“ (aus: „ZEIT Online“ vom 28.08.2025)

Stehe ich morgens auf und blicke in den Spiegel, so hadere ich vielleicht mit den ersten größeren Falten auf meiner Stirn und manch einem grauen Haar im Ansatz. Dass ich allerdings auf die Idee komme, in diesem Moment mein Geschlecht in Frage zu stellen, um in einem Abwägungsprozess zwischen Badezimmer und Küche noch vor dem Frühstück zu der Erkenntnis zu gelangen, mich heute als weiblich zu empfinden, scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Denn ich beabsichtige nicht, Eintragungen im Standesamt schnellstens zu ändern, ehe die Regierung unter Friedrich Merz auf die Idee kommen könnte, das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz zu reformieren, um mir sodann die legislative Grundlage für eine stetige Wandlungsfähigkeit zu entziehen.

Meine gefühlte Identität könnte sich schon morgen in Richtung jener einer Stehlampe, eines Küchenmixers oder eines Eichhörnchens fortentwickeln, ist die Absurdität weit vorangeschritten. Der Fall der Rechtsextremistin Marla-Svenja Liebich, die biologisch als Mann auf die Welt kam, um die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen und nach ihrem Transformationsprozess nunmehr in eine Haftanstalt einzuziehen, die doch eigentlich für Frauen gedacht ist, zeigt in drastischer Weise auf, wie sehr wir vom moralischen, ethischen und rechtlichen Weg abgekommen sind, sah sich insbesondere die Ampel unter dem Eindruck einer nonbinären Queerbewegung vom Schlagwort der Diskriminierung zu weitreichender Verwässerung normativer Regeln getrieben.

Wir sollten nicht vergessen: Die regenbogenfarbene Queer-Bewegung ist in der Minderheit!

Ich selbst bin homosexuell veranlagt, könnte mir aber im Traum nicht vorstellen, aus mangelnder Wesenseinheit mit meiner Biografie und Lebensleistung evolutionäre Grundpfeiler in Frage zu stellen, bleibt die Schöpfung in der Zweigliedrigkeit doch einigermaßen unmissverständlich. Es gibt die wenigen Ausnahmen, sehen sich Betroffene im falschen Körper, um dies durch medizinische Untersuchungen und Befunde entsprechend objektivieren zu lassen. Dass wir uns allerdings mittlerweile auf das Niveau der bloßen Regung herabgelassen haben, um praktisch jedem den willkürlichen Wechsel zwischen unterschiedlichen Definitionen zu eröffnen, mag etwas mit einem Chamäleon zu tun haben und der manifesten Fiktion von Anomie, nicht aber mit einer Verantwortung gegenüber unserer Zivilisation.

Sie ist auf ein Mindestmaß der Verlässlichkeit angewiesen, keimen Misstrauen und Argwohn auf, wenn Grenzen verschwimmen, um die Tore zu Orientierungslosigkeit, Laune, Zufall und Ermessen genauso zu weiten wie die Schlagbäume im Jahr 2015, als Angela Merkel unsere Nämlichkeit und Echtheit als deutsches Volk schon einmal aufgab. Wir manövrieren uns immer weiter in eine Atmosphäre fehlender Subjekte und mangelnden Ichbewusstseins, können nicht nur die Grünen weder mit Nationalstolz noch ihrer Heimat etwas anfangen. Sondern ist es der Durchschnittsbürger, der seinen Platz in der Gesellschaft in Zweifel zieht.

Selbstbestimmung heißt, irgendwann im Hafen der Identität vor Anger zu gehen!

Mittlerweile taumeln viele Individuen in unseren Breiten durch den Markt der Möglichkeiten, werden Ebenmaß und Kongruenz zu einem Produkt im Gemischtwarenladen, das nicht zuletzt deshalb in den Regalen zu bleiben scheint, weil Nonkonformität im Angebot ist – und Zerstreutheit im Trend liegt. Wir sehen das Ergebnis einer Laissez-Faire-Mentalität, wird doch bereits den Jüngsten suggeriert, sie mögen sich ohne Rahmen und Bedingungen entfalten. Die Pubertät soll unterdrückt werden, damit möglichst viel Zeit bleibt, auf einem Ozean der regenbogenfarbenen Musterkollektion an Werdegängen jenen auszusuchen, der so wenig Anpassung wie irgendwie denkbar erlaubt, um gleichzeitig der Skala an Variationen kein Ende setzt.

Wer keinen Bezug mehr zu sich selbst hat, weil er möglicherweise vergisst, in welche Rolle er aktuell geschlüpft ist, wird stets mit Dysbalance und Unstetigkeit konfrontiert sein. Das Ankommen und Vorankergehen in einem Hafen von Zweckmäßigkeit, Schicksal und Anordnung mag eine gewisse Disziplin erfordern, stellt sich Lamentieren einfacher dar als Positionieren. Doch wer früh genug lernt, die eigene Haut als wertvoll, stimmig und plausibel anzunehmen, um mit sich im Reinen zu sein, dürfte viel Aufmerksamkeit und Konzentration auf die wesentlichen Dinge in seinem Dasein richten können, die jener verpasst, dem Adaption und Harmonisierung mit der Allgemeinheit schlichte Fremdwörter sind.