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Tiebreak im Roten Rathaus: Als Kai Wegner zum Netzaufschlag ausholte, war sein Laschet-Moment bereits geschrieben…

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Stromausfall in Berlin: Und Kai Wegner spielt Tennis – Empörung und Kritik“ (aus: „Süddeutsche Zeitung“ vom 08.01.2026)

Viele Bürger im Südwesten von Berlin haben den Moment wahrgenommen wie nach dem Ende eines Krieges. Plötzlich kehrte der Strom wieder zurück, zehntausende Menschen mussten nicht länger ohne Energie und Wärme sein. Mehrere Tage hatten sie gefroren, saßen im Dunkeln und kamen sich vor, als wären sie abgeschnitten vom Rest der Welt. Der Linksterrorismus hatte zugeschlagen, doch auch der Regierende Bürgermeister. Kräftig holte er aus, beim Tennisspiel. Er war weder im Krisenstab noch zu Hause. Stattdessen wollte er den Kopf freikriegen, hatte in diesem Augenblick aber bereits gewusst, dass sich eine Katastrophe anbahnt. Immerhin war klar, dass Steglitz-Zehlendorf eine ganze Weile im Ausnahmemodus sein würde. Muss man in diesem Fall, als erfahrener Politiker, nicht sofort funktionieren können, statt sich mit der eigenen Lebensgefährtin auf den Weg zum Sport zu machen?

Der Regierende Bürgermeister hat sich als charakterlich ungeeignet für sein Amt erwiesen…

Da nimmt sich jemand aus der Pflicht. In der Situation, aber auch danach. Zunächst schönzufärben, zu schweigen, zu leugnen, zu lügen. Es gibt gleich mehrere Gründe für Spiel, Satz und Schluss. Der Ball ist längst im Aus, der Rückstand nicht mehr aufzuholen. Jetzt heißt es, den Platz zu räumen, für die Nächsten. Doch bislang gibt es keine Anzeichen für Einsicht, stattdessen springt der Bundeskanzler zur Seite. Er lobt das Krisenmanagement seines Parteikollegen, hätte es selbst nicht besser machen können. Nichts zu den Verursachern der „Vulkangruppe“, keine Silbe von ernsthafter Kritik am Senat. Mehr als einhundert Stunden lang hatte Friedrich Merz kein Wort über die Lippen gebracht, dass mitten in der Hauptstadt die Lichter ausgegangen sind. Schadensbegrenzung kann dort nicht funktionieren, wo Hohn und Spott für das eigene Volk mehr als offensichtlich sind.

Das Vergnügen der Mächtigen zählt, der CDU-Vorsitzende kann davon ein Lied singen. Auch er tourt mit dem Privatflieger so manches Mal von einer Festivität zur nächsten. Der Grat zwischen Verantwortung und Verrat ist manchmal schmal, der Weg zwischen Aufstieg und Absturz ebenso. Beide Christdemokraten hatten sich auf ihre Positionen gekämpft, nun müssen sie gemeinsam um ihre Ämter fürchten. Denn der Regierungschef hier wie da ist nicht nur in den Umfragen unter Druck geraten. Die AfD sitzt im Nacken, trotzdem sieht im Augenblick kaum etwas danach aus, dass sich am eigentlichen System Bewegendes tut. Vielleicht gibt es eine Personalentscheidung, schließlich kommt die Kritik mittlerweile auch aus den eigenen Reihen. Nicht nur ein bloßes PR-Debakel kostet jegliches Vertrauen, sondern die Gewissheit, dass im entscheidenden Moment Führung fehlt, der Souverän alleine völlig dasteht.

Merz springt an Wegners Seite, verspottet und verrät nicht nur die Opfer des Terrors…

Wir brauchen keinen Boris Becker 3.0 an der Spitze einer Metropole, der sich nebenbei eher um queere Communitys, die Hotelbuchungen von Flüchtlingen und das Pflanzen von Bäumen kümmert. Wegner hat sich wiederholt als untauglich erwiesen, sein Klüngel zeigte von Beginn an Risse. Die Pflegebedürftige auf dem Feldbett war sein Laschet-Moment, die Empathielosigkeit brach sein Rückgrat. Merz hingegen zwang das Fieberthermometer in die Knie, wegen Untertemperatur. Seine Kaltherzigkeit, sich um Generatoren für die Ukraine zu sorgen, die möglicherweise mindestens ein Menschenleben in Berlin gerettet hätten, wären sie bei uns umgehend verfügbar gewesen, könnte jener Sündenfall werden, der Angela Merkel aus 2015 bis heute anhaftet. Seit Corona vergessen wir nicht mehr so schnell, weil wir verinnerlicht haben, wie sehr im Zweifel mit uns Schindluder getrieben wird.

Für den Vorsitzenden des Landesverbandes der Jungen Union, Harald Burkart, soll laut Überlieferung sarkastisch feststehen, dass der „Stromausfall sicher ärgerlich“ ist – „aber ein verpatzter Matchball wäre wirklich nicht zu verantworten gewesen“. Kann sich jemand an den Sessel kleben, der mit so viel Häme überzogen wird? Ob wir eine Pressekonferenz erleben, in der das Wort „Rücktritt“ fällt, dürfte sich vielleicht erst in ein oder zwei Wochen zeigen. Denn manchmal braucht der Stachel im Fleisch etwas Zeit, um unerträglich zu werden. Mit Nüchternheit kann man nur feststellen, dass die Legislaturperiode gelaufen ist. Und die Karriere, zumindest abseits von Wimbledon, wohl ebenso. Die Opposition ist bereits darin begriffen, einen Sumpf trocken zu legen, in dem sich niemand darum schert, wie es dem kleinen Mann geht. Der Abgesang auf die Eliten ist endgültig angestimmt.