Wie Herodes oder Nebukadnezzar: Trump, der sich göttlich Überhebende, brüskiert im blasphemischen Leo-Streit Katholiken weltweit!

Kommentar von Dennis Riehle zum Artikel „Donald Trump versus Papst Leo. So kompliziert ist die Beziehung zwischen den USA und dem Vatikan“ (aus: DER SPIEGEL vom 15.04.2026)

Bisher fiel Papst Leo XIV. nicht besonders durch laute Töne auf. Stattdessen gab er sich zurückhaltend, musste nach seiner Wahl 2025 wohl erst in die neue Aufgabe finden. In seiner ersten Grußbotschaft nach dem Konklave richtete er vor allem einen Friedensappell an die Welt. Hervorgetan hatte sich der oberste Hirte der Katholiken zudem auch mit einer Mahnung zur Meinungsfreiheit in Europa. Doch nunmehr sieht er sich einem konfrontativen Widersacher ausgesetzt. Ausgerechnet der Präsident seines Heimatlandes fährt ihm in ungewöhnlich scharfer Manier in die Parade. Donald Trump verwahrte sich Anfang April gegen die Intervention des ehemaligen Bischofs von Chicago in den Iran-Krieg. Der Theologe hatte den Schritt massiv kritisiert, Teheran aus ziemlich fadenscheinigen Gründen anzugreifen. Er folgte damit seiner strikten Linie von Diplomatie und Verhandlung, ließ sich nicht den Mund verbieten vom angeblich stärksten Mann der Welt. Da zeigt jemand Mut, sich nicht beeindrucken zu lassen von manch einer Pöbelei aus dem Oval Office. Denn selbst viele Anhänger der MAGA-Bewegung haben mittlerweile Zweifel an der tölpelhaften Gangart ihres Idols.

Zwei höchst unterschiedliche Staatsmänner, die den Segen Gottes für sich beanspruchen!

Faktisch treffen sich zwei Staatsoberhäupter auf gleicher Augenhöhe, sie beanspruchen jeweils für sich, unter dem Segen Gottes zu stehen. Allerdings hat der Pontifex in diesem Wettstreit nicht nur von Amts wegen die deutlich besseren Karten. Denn es ist moralisch überaus fraglich, wie die völlig entglittenen Drohungen, bei Bedarf auch zivile Infrastruktur zerstören zu wollen, eine ganze Kultur und Gesellschaft auszulöschen, auch nur ansatzweise mit der frohen Botschaft in Einklang gebracht werden sollen. Die Bergpredigt steht eindeutig auf der Seite der Sanftmütigen. Imperialismus und Hegemonie sind mit dem Evangelium genauso unvereinbar wie mit dem Völkerrecht. Beide Dokumente kann man als überholt, vergänglich und unverbindlich bezeichnen. Sie haben möglicherweise nur einen sittlichen Charakter, doch es ist nun einmal die Sprache der Ethik, welche von einem Christenmenschen ausgeht, dem Trump vorwirft, nach „dem Munde der Linken zu reden“.  Da fühlt sich offenbar jemand auf den Schlips getreten, der bis heute nicht so recht belegen kann, welcher Sinn, welches Ziel und welche Konzeption hinter dem gemeinsamen „Präventivschlag“ mit Israel stecken soll.

Leo XIV. hat sowohl Völkerrecht wie auch das Evangelium auf seiner argumentativen Seite…

Wird hier also entlarvt, was sich hinter der Maske vermeintlicher Atomwaffen versteckt? Das Vokabular aus Mar-A-Lago ist für gewöhnlich rau, allerdings auch ziemlich simpel, bisweilen monoton oder gar stupide anmutend. Hybride hebt sich Trump über nahezu jeden, der nicht im Gleichschritt marschiert. Einst hatte er Meloni gelobt, nun hat sie Partei ergriffen für einen Vatikanbürger. Plötzlich gehört sie nicht mehr zu den Guten, sondern zu den Bösen. Unberechenbarkeit und Willkür, wie ein Fähnchen im Wind, mit diesen Prädikaten lässt sich der Oberbefehlshaber der US-Truppen belegen, der zunehmend abkommt von jeglichem Weg der Vernunft. Blasphemisch spielt er sich auf, hatte zunächst eine Christus ähnliche Figur, generiert per KI, in den sozialen Medien gepostet, mit der er offenbar drohen wollte. Der Papst solle sich „zusammenreißen“, diese Formulierung kam nicht nur bei den Römern schlecht an. Da verprellt jemand die wichtigsten Vermittler der Gegenwart, wirkt zunehmend einsam mit seiner brachialen Wortgewalt. Glücklicherweise bleibt Leo auch in solchen Momenten gelassen, kündigte an, weder einknicken noch Angst haben zu wollen vor der Administration.

Auch manch ein Republikaner begreift: Trump wird zum gefährlichen Elefanten im Porzellan…

Die Kirche sendet nicht zum ersten Mal ihr Unverständnis in Richtung Washington. Ignoranz gegenüber zivilen Opfern in den diversen Konflikten rund um den Globus beklagte man wiederkehrend, der Heilige Stuhl äußerte zudem Sorge über den Umgang mit der Macht. Die Religionsfreiheit sei in Gefahr, gleichzeitig missbrauche Trump den Glauben für die Legitimierung seiner Agenda. Der Konter blieb nicht aus, ein Seelsorger solle sich nicht in die Souveränität Amerikas einmischen. Dabei darf man keiner schweigen, wenn Unterwerfung und Expansionsdrang, materielle Interessen und geopolitische Erwägungen zu inhumanitären Auswüchsen führen. Bei den Evangelikalen mag der 79-jährige Multimilliardär weiterhin auf Rückendeckung hoffen können. Bei den anderen Konfessionen sieht es weniger rosig aus. Sein Angriff auf die Institution, sein populistisches Auftreten im Stile eines Messias befremdet die Herde. Jesus ist einmalig, er findet auch im 45. und 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten keine Kopie.  Wer das nicht begreift, riskiert die Unterstützung in einem Ritt auf der Rasierklinge, die am Ende auch das Resümee einer ganzen Legislatur bestimmen könnte.